Als Mark Hurd im Frühjahr 2005 die Führung bei
Hewlett-Packard (HP) übernahm, erbte er von seiner Vorgängerin Carly Fiorina ein schlingerndes Unternehmen. Ihr war es nach der Fusion mit Compaq nicht gelungen, einen schlagkräftigen Konzern zu schmieden. Fünf Jahre später hat sich das Bild grundlegend gewandelt, HP strotzt vor Zuversicht. Im zweiten Geschäftsquartal 2010 stieg der Gewinn um 28 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) , der Umsatzzuwachs von 13 Prozent auf 31 Milliarden Dollar lag ebenfalls über den Erwartungen. "HP ist in der Branche geografisch und produkttechnisch am breitesten aufgestellt und damit ziemlich einzigartig", kommentierte Analyst Shaw Wu von Kaufman Bros. das Ergebnis.
Die Anleger honorieren Hurds Arbeit. Während die Aktie des Konkurrenten Dell seit April 2005 mehr als die Hälfte an Wert verlor, hat sich der Kurs von HP verdoppelt. Doch der Vorstandschef gibt sich nicht zufrieden und macht seinem Ruf als Kostenkiller alle Ehre. Weil die Rechenzentren künftig unter einem Dach zusammengefasst und stärker automatisiert werden sollen, fallen 9000 der insgesamt 304.000 Stellen weg. Kosten von zunächst 1 Milliarden Dollar sollen ab 2013 jährliche Einsparungen von 500 bis 700 Millionen Dollar gegenüberstehen. "Diese Maßnahmen versetzen HP in die Lage, schneller als der Markt zu wachsen", erklärte Ann Livermore, die Chefin des Bereichs Enterprise Business.
Die Umstrukturierung ist ein weiterer Baustein zur Integration von Electronic Data Systems. HP hatte den IT-Spezialisten 2008 übernommen und bedrängt seitdem IBM als führenden Anbieter von IT-Dienstleistungen. Die versprechen das große Geld, weil Unternehmen verstärkt auf eine schlanke, aber effiziente Informationstechnologie setzen und der Markt für netzwerkbasierte Anwendungen (Cloud-Computing) attraktive Profite verspricht. "HP fokussiert sich immer stärker auf das Umsatzwachstum im Servicegeschäft", betont Aaron Rakers, Analyst bei Stifel Nicolaus & Company. Dabei wird die Hardware-Sparte aber nicht vernachlässigt. So gelang es Hewlett-Packard, nicht nur Dell vom Thron des weltgrößten Computerherstellers zu stoßen, sondern inzwischen auch mehr Server als der Wettbewerber IBM abzusetzen.
Für Aufsehen sorgte Ende April die Übernahme von Palm für 1,2 Milliarden Dollar. Das Interesse gilt dabei weniger den Smartphones als dem viel gepriesenen Betriebssystem WebOS als Plattform für mobile Lösungen. HP plant, dem iPad von Apple ein eigenes Modell entgegenzusetzen. Bis Oktober soll ein Tablet-PC mit dem Namen Slate auf den Markt kommen, weitere Geräte, die unter WebOS laufen, sind in der Entwicklung.
Bereits abgeschlossen ist die im November 2009 angekündigte Übernahme des Netzwerksausrüsters 3Com. Analysten lobten den Schritt trotz des hohen Kaufpreises von 2,7 Milliarden Dollar, weil der Konzern dadurch einen besseren Marktzugang in China erhält und seine Position gegenüber Marktführer Cisco Systems stärkt, der seinerseits ins Servergeschäft vordringt. Bereits jetzt gehört die Netzwerksparte zu den am schnellsten wachsenden Bereichen von HP, spielte aber bislang nur eine untergeordnete Rolle.






























