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06.01.2012
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Foto: Fotolia
Investor-Artikel

Aktiencheck

Die Antikörper-Milliardäre

von Erich Gerbl

Der Konzern Morphosys ist eine der wenigen deutschen Biotech-Erfolgsgeschichten - und ein beliebtes Übernahmeziel.

Der große Schatz des Biotechunternehmens Morphosys hat in einem Tropfen Flüssigkeit Platz. In den wenigen Millilitern schwimmen 45 Milliarden Antikörper. Die seit 1992 aufgebaute Sammlung aus synthetisch entwickelten, aber menschlichen Antikörpern ist Herzstück von Morphosys - einer der seltenen Erfolgsgeschichten der deutschen Biotechindustrie. Für sich selbst und vor allem für Partner aus der Pharmaindustrie sucht Morphosys aus dieser riesigen Menge den passenden Antikörper. Haftet der möglichst fest an ein Zielmolekül, das etwa auf Krebszellen vorkommt, ist das der Startschuss für die langwierige Entwicklung eines Medikaments.

Für Anleger ist der TecDAX-Wert eine langfristige Wette auf die Früchte dieser Antikörpersammlung. Je weiter diese in der Vermarktung kommen, desto erfolgreicher das Investment. Dafür, dass es sich um ein Biotechunternehmen handelt, ist das Risiko überschaubar.

Morphosys arbeitet seit vielen Jahren profitabel und ist sehr breit aufgestellt. Während sich die Chancen bei den meisten Biotechs auf ein bis zwei Produktkandidaten konzentrieren, stützt sich Morphosys auf derzeit 78 Antikörperprogramme. Davon befinden sich 20 in der klinischen Prüfung, acht davon in der fortgeschrittenen Phase II. Bei den Partnerprogrammen erhält Morphosys zum Start der Phase I und III Meilensteinzahlungen in Millionenhöhe und ist damit weitgehend unabhängig von der Konjunktur.

Den Jackpot knacken die Bayern bei einer Markteinführung. Da die Heilung mittels Antikörpern meist über die Aktivierung der Immunabwehr funktioniert, sind die Nebenwirkungen geringer und die Chance auf eine Zulassung höher. Laut Morphosys könnte das erste allein oder mitentwickelte Medikament 2014 oder 2015 auf den Markt kommen. Chef Simon Moroney sagt für diesen Fall eine "Gewinnexplosion" voraus.

Klingt reißerisch, ist aber nicht unrealistisch. Ein großer Teil der zugelassenen Antikörpertherapien scheffelt jährlich Milliardenbeträge. Produkte gegen Alzheimer, wie sie Partner Roche auf Basis eines Morphosys-Antikörpers entwickelt, werden zweistellige Milliardenumsätze zugetraut. Bei mitentwickelten Produkten kassiert Morphosys eine Umsatzbeteiligung, und das ohne weitere Kosten. Nur ein Blockbuster hätte Gewinne von bis zu 100 Mio. Dollar zur Folge.

Noch höhere Chancen - aber auch das Entwicklungsrisiko - bergen die selbst entwickelten Produkte. Drei Kandidaten befinden sich in der klinischen Prüfung. Der fortgeschrittenste Hoffnungsträger MOR103 wird in einer Phase-II-Studie an Rheumapatienten getestet. Ergebnisse kommen 2012 auf den Tisch und sollten für Kursauschläge sorgen. Die Richtung ist aber offen, Misserfolge sind in der Forschung nie ausgeschlossen.


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