Gerade einmal acht Minuten leidenschaftlicher Bieterkampf waren nötig, und der „Schreitende Mann“ hatte ein neues Zuhause gefunden. Wer Anfang Februar auf einer Auktion in London den Zuschlag erhielt, bleibt im Dunkeln. Doch auch so schaffte es die lebensgroße Bronzeplastik des 1966 verstorbenen Bildhauers Alberto Giacometti in die Schlagzeilen: Erst bei 65 Millionen Pfund (75 Millionen Euro) senkte sich der Hammer. Damit ist der „Schreitende Mann“ das teuerste jemals versteigerte Kunstwerk. Selbst für Sotheby’s war das Resultat eine Überraschung, hatten die Experten doch allenfalls mit einem Viertel des Zuschlagspreises gerechnet.
Weitere moderne Werke erzielten auf dieser und anderen Auktionen ebenfalls hervorragende Ergebnisse. Das lässt nur einen Schluss zu: Nach dem Katastrophenjahr 2009, in dem die Umsätze um bis zu 40 Prozent eingebrochen waren, hat sich der Markt schneller als erwartet gefangen. Erhebungen von Art Market Research zufolge ziehen die Preise seit Spätsommer an, und die Zahl der nichtverkauften Objekte sinkt zunehmend. „Die weltweiten Verkäufe lagen im Herbst deutlich über denen im Frühjahr 2009“, frohlockt Sotheby’s-Chef Bill Ruprecht.
Risiko |
mittel |
WKN |
875.207 |
Börsenwert |
1,23 Mrd. € |
Land |
USA |
Kurs |
18,38 € |
KGV 2010e |
32,2 |
Kursziel |
23,00 € |
Stoppkurs |
15,80 € |
Dafür spricht auch, dass deutlich mehr Bieter auf Versteigerungen in Aktion treten. In manchen Regionen tragen neue Kunden bis zu ein Viertel zum Volumen bei. Neben Wall-Street-Bankern, Private-Equity-Größen und Hedge-Fonds-Managern interessieren sich reiche Russen, Chinesen und Inder zunehmend für moderne Kunst. Mindestens ebenso wichtig für den Auktionsmarkt ist ein attraktives Angebot. Angelockt von den spektakulären Ergebnissen, lassen sich Verkäufer wieder aus der Reserve locken. Da sich während der Finanzkrise viele Verkäufe aufgestaut haben, dürfte Sotheby’s, hinter dem nichtbörsennotierten Konkurrenten Christie’s die globale Nummer zwei, noch länger eifrig den Hammer schwingen.
Das drastische Sparprogramm, in dessen Verlauf rund ein Drittel der operativen Kosten gekappt wurden, entfaltet nun seine volle Wirkung. Im letzten Jahresviertel schaffte Sotheby’s überraschend deutlich den Sprung zurück in die Gewinnzone. Mit 73,6 Millionen Dollar wurde sogar das zweitbeste Ergebnis in der Firmengeschichte erzielt, wobei sich die Marge im Auktionsgeschäft um gut vier Punkte auf 20,4 Prozent verbesserte. Dennoch konnte das Unternehmen im Gesamtjahr 2009 rote Zahlen nicht verhindern.
Das gute Abschneiden im vierten Quartal dürfte die Analysten dazu bewegen, ihre Umsatz- und Gewinnschätzungen weiter nach oben zu nehmen. Deshalb sollten sich Anleger nicht von der relativ hohen Bewertung schrecken lassen. Auch die Kursvervierfachung an der New Yorker Heimatbörse binnen zwölf Monaten muss relativiert werden. Denn zuvor war die Aktie im Sturzflug von fast 60 auf sechs Dollar abgerutscht. Genau diese extremen Börsenschwankungen gepaart mit der Furcht vor zunehmend wertlosem Papiergeld sind es, die viele Menschen in Sachwerte und als Trophäensammler eben auch in Kunst treiben.
Kursinformationen + Charts
| Unternehmen | ISIN | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| SOTHEBY S REG. SHARES CLASS DL -,10 | US8358981079 |
Quelle: boerseonline
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