Vor ein paar Tagen war ich zu Gast bei einer Abendveranstaltung einer deutschen Privatbank. Neben einigen Journalisten hatte das Institut gute Kunden eingeladen - und Personen, von denen die Banker hoffen, dass sie schnell gute Kunden des Hauses werden. Nach Willkommensgruß und launigem Vortrag des Chefvolkswirts trennte uns Gäste von den Schnittchen nur noch der Werbeblock: Das Kreditinstitut stellte langatmig fünf Anlagestrategien vor, die in den vergangenen Monaten und Jahren allesamt ihren Vergleichsindex mehr oder minder deutlich geschlagen hatten.
Stutzig machte mich an den fünf Grafiken aber weniger die gute Kursentwicklung im Vergleich zum Index. Sondern die Fußnoten: Dort war aufgeführt, welcher Vergleichsindex ("Benchmark") bei der Rechnung zugrunde gelegt wurde. Und bei deutschen Aktien war es nicht etwa der Dax, was viele Kunden sicher angenommen haben, sondern der MSCI Germany. Und beim internationalen Aktienportfolio setzte sich die Benchmark zu 67 Prozent aus dem MSCI World und zu 33 Prozent aus einem globalen Rentenindex zusammen. Das Problem: Nur die ersten drei Reihen der Zuhörer konnten die Fußnote entziffern - doch selbst wer da saß, dürfte sich eher mit dem aufwärtsgerichteten Verlauf der Kurven beschäftigt haben.
Wer nun glaubt, die Unterschiede würden kaum ins Gewicht fallen, irrt. Auf Jahressicht liegt der Dax beispielsweise 51,5 Prozent im Plus - beim MSCI Germany sind es lediglich 46,5 Prozent. Die Differenz ist schnell erklärt: Zum einen ist der Dax im Gegensatz zur MSCI-Familie ein sogenannter Performance-Index, der Dividenden anrechnet. Zum anderen umfasst der Dax nur 30 Aktien, während es bei seinem deutschen MSCI-Gegenstück mehrere Hundert Papiere sind. Soll heißen: Laufen die kleineren Werte aus Tec-Dax, M-Dax und S-Dax schlechter als die Dickschiffe, nimmt die Differenz zwischen den Indizes noch weiter zu. Jetzt heißt es nur noch den richtigen Vergleichsindex zu finden.
Denn wie einfach man mit wenigen Prozentpunkten Unterschied sein Ergebnis in einem guten Licht präsentieren kann, zeigt eine Untersuchung des Analysehauses Fondsconsult: Im Krisenjahr 2008 haben 61 Prozent der Fonds mit Fokus auf die deutsche Börse den MSCI Germany geschlagen. Ein stattlicher Wert. Doch legt man den Dax als Vergleichsindex für die Produkte zugrunde, sackt die Zahl stark ab: auf magere 28 Prozent!
Mein Rat: Lassen Sie sich beim Jahresgespräch mit ihrem Banker kein X für ein U vormachen. Haken Sie nach, warum genau diese Benchmark gewählt wurde, vergleichen Sie, ob diese auch in den Vorjahren unter Ihren Charts stand - und vereinbaren Sie bei Bedarf einen Vergleichsmaßstab, der besser zu Ihnen und Ihrem Depot passt.
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