11.03.2010
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Der größte asiatische Aktienmarkt ist nicht ohne Risiken: Der Yen könnte Anlegern zu schaffen machen.
Der größte asiatische Aktienmarkt ist nicht ohne Risiken: Der Yen könnte Anlegern zu schaffen machen.
Foto: Getty Images
Investor-Artikel

Schlafender Riese

Experten setzen auf Japan-Aktien

von Erich Gerbl

Schon 2009 lief der zweitgrößte Markt der Welt der Erholung hinterher. Die Investoren verschmähen das Land, Investmenthäuser haben Japan untergewichtet. Genau darin liegt eine große Chance - 2010 könnte Nippon groß heraus kommen.

Vom größten asiatischen Aktienmarkt will niemand etwas wissen. "Japan ist vergessen und verkauft", bringt DWS-Chefanleger Klaus Kaldemorgen die Lage auf den Punkt. Nachdem der zweitgrößte Markt der Welt der Erholung 2009 hinterherlief, befindet sich die Stimmung unter den Investoren auf einem historischen Tief. Doch genau darin liegt die Chance für Anleger. "Auf dem Tiefpunkt ist jede Veränderung positiv", sagt der DWS-Fondsmanager für globale Aktien Gunnar Friede. Hellen sich die Wolken nur ein wenig auf, könnte rasch die Sonne durchkommen.

Chancen für einen Aufschwung
Rally Laut Berechnungen von Goldman Sachs brachten die vier Kursaufschwünge der vergangenen 18 Jahre im Schnitt einen Aufwärtsschub von 48 Prozent innerhalb eines Jahres.


Unternehmen Japanische Firmen haben gelernt, mit hohen Yen-Kursen zu leben, und sich in den Jahren der Yen-Hausse fit getrimmt. Die Lohnstückkosten wurden deutlich reduziert.


Aktien Da mit einer Erholung der lokalen Nachfrage vorerst nicht zu rechnen ist, sind bei der Auswahl von Einzelwerten vor allem Unternehmen mit Exportkraft gefragt.

"Da die Erwartungen so gering sind, zählt jeder positive Impuls doppelt", sagt Union-Investment-Fondsmanagerin Hannah Cunliffe. Nahezu alle Investmenthäuser haben Japan in ihren Portfolios untergewichtet. Daher könnte bereits bei einer leichten Gegenbewegung schnell ein Herdentrieb einsetzen. "Die Fondsmanager müssen dann ihr Risiko rasch neutralisieren", weiß DWS-Experte Friede. Sein Chef Kaldemorgen setzt antizyklisch auf diesen Markt: Japan könne 2010 positiv überraschen.

Da Investoren realwirtschaftlich in anderen Regionen Asiens langfristig höhere Wachstumsraten finden, ist jedoch nicht mit einer dauerhaften Auferstehung des japanischen Aktienmarkts zu rechnen, sondern eher mit einer Bärenmarktrally. Die könnte es jedoch in sich haben. Denn zurzeit sind japanische Aktien ungewöhnlich günstig. Der größte Teil der Firmen notiert um oder unter dem Buchwert. "Mit dieser Bewertung unterstellt der Markt den Unternehmen, dass sie auf einige Zeit kein Geld verdienen werden. Dieser Meinung sind wir nicht", sagt Friede.

Frei von Risiken ist die Sache nicht. Der Yen könnte Anlegern einen Strich durch die Rechnung machen. Der Aktienmarkt korreliert eng mit dem Dollar-Yen-Wechselkurs. Je fester die Währung, desto schwächer der Markt. Doch die Hoffnung auf ein Ende der Yen-Hausse und eine Stärkung der Aktienmärkte ist angebracht.

Unterschätzt wird Japans Stärke in Asien. Der Anteil der Ausfuhren in diese Region stieg in den vergangenen 25 Jahren von 27 auf 52 Prozent. Allein 15 Prozentpunkte entfallen auf China. Gleichzeitig schrumpfte der US-Exportanteil von 40 auf 18 Prozent. Anders als in Deutschland machen die Ausfuhren nicht 47 Prozent, sondern nur 17 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Mit einer Erholung der lokalen Nachfrage ist hingegen nicht zu rechnen. Die Deflation verdirbt bereits seit 20 Jahren die Geschäfte. Derzeit macht Japan zudem eine für das Land hohe Arbeitslosigkeit von fünf Prozent zu schaffen. Selbst optimistische Volkswirte trauen Japan 2010 kein höheres Wirtschaftswachstum als 1,5 Prozent zu.


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