Wer hier eine Story über einen "Winterprofiteur" erwartet, sollte am besten gleich weiterklicken. Denn Reifen stellt
Semperit schon lange nicht mehr her. Bereits im Jahr 1985 hat das österreichische Unternehmen im Zuge einer umfassenden Restrukturierung das Pneu-Geschäft an den Wettbewerber
Continental verkauft. Dennoch lohnt es, sich den Titel genauer anzuschauen: Die fünf Bankanalysten, die Semperit regelmäßig beobachten, raten einhellig zum Einstieg.
Zusätzlichen Schwung in die Aktie könnte der am 22. März anstehende Wiedereinzug in den Leitindex der Wiener Börse ATX bringen. Der Titel gehörte dem Index von September 2002 bis März 2006 schon einmal an. "Der ATX-Aufstieg ist wegen des zu erwartenden höheren Anlegerinteresses positiv zu werten", sagt Analyst Christoph Schultes der Erste Group. Vor allem bei internationalen Anlegern ist die Semperit-Story bislang so gut wie kaum bekannt.
Heute dreht sich bei dem österreichischen Traditionskonzern noch immer alles rund um das Thema Kautschuk. Semperit stellt daraus zum Beispiel Hydraulik- und Industrieschläuche her. Das in der Division Semperflex angesiedelte Geschäft trug 2009 rund 18 Prozent zu den Gesamterlösen von gut 588 Millionen Euro bei. In der Sparte Sempertrans, die für einen Umsatzanteil von 19,5 Prozent steht, gehört die Gesellschaft zu den weltgrößten Herstellern von Transport- und Förderbändern. Im Bereich Semperform (16,4 Prozent) zählen Dichtungsprofile für den Tür-, Fenster- und Fassadenbau ebenso zum Programm wie schwingungsdämpfende Folien und Seilbahntechnik.
Mit gut 46 Prozent der Gesamterlöse ist die Sparte Sempermed der größte Umsatzträger. Hier tritt das Unternehmen als Anbieter von Handschuhen auf, die in der Medizin, etwa bei Operationen und Untersuchungen, eingesetzt werden. Die Nachfrage wurde von den allgemeinen konjunkturellen Problemen nicht negativ beeinflusst. Im Gegenteil: Der Umsatz der Division Sempermed kletterte 2009 auf Basis vorläufiger Zahlen um 11,7 Prozent.
Diesem Anstieg ist es zu verdanken, dass der Umsatzrückgang im Konzern mit minus 10,3 Prozent insgesamt moderat ausfiel. Auf der Ergebnisseite hat sich Semperit sogar deutlich verbessert: Der Jahresüberschuss legte um knapp 24 Prozent auf 71,9 Millionen Euro zu. Dem Unternehmen ist es gelungen, die Kostenstruktur an die geänderte Nachfragesituation anzupassen. "Semperit hat bewiesen, schnell auf Krisen reagieren zu können", urteilt Erste-Group-Analyst Schultes.
Freilich hat die Gesellschaft auch von den im Zuge der Rezession deutlich gesunkenen Materialpreisen profitiert. Während Mitte 2008 noch zwischen 2,10 und 2,50 Euro für ein Kilo Naturkautschuk bezahlt werden mussten, ist der Preis bis Ende 2008 auf rund 1 Euro eingebrochen. Dieser Effekt hat sich im Zahlenwerk des Konzerns deutlich niedergeschlagen. So ist beispielsweise die Marge auf Basis des Ergebnisses vor Steuern in der Sparte Sempermed von 5,1 Prozent im zweiten Quartal 2008 auf 20,1 Prozent ein Jahr später nach oben geschossen.






























