Erinnern Sie sich noch an Thomas Haffa, Gerhard Schmid und Stephan Schambach? Das Trio zählte vor zehn Jahren zu den größten Stars an der Börse: Haffa war Vorstand beim Trickfilmspezialisten EM.TV, Schmid der Chef des Mobilfunkanbieters Mobilcom und Schambach stand dem E-Commerce-Spezialisten Intershop vor. Ihre Unternehmen hatten einiges gemeinsam: Sie waren im Neuen Markt gelistet, an der Börse fulminant gestartet und wiesen jeweils einen Marktwert von rund zehn Milliarden Euro auf. Zum Vergleich: Das ist mehr als heute Unternehmen wie
Adidas,
Lufthansa oder
MAN auf die Waagschale bringen.
Die Begeisterung war insbesondere unter Privatanlegern riesig: Am 10. März 2000 markierte der Neuer-Markt-Index Nemax an seinem dritten Geburtstag sein Allzeithoch von 8546 Punkten. Alleine auf Jahressicht hatte das Börsenbarometer 170 Prozent zugelegt. Und der Erfolg zog neue Firmen an, die Zahl der Unternehmen im Nemax wuchs sprunghaft. Im März 1997 gerade einmal mit zwei Gesellschaften gestartet, waren es Mitte 2000 bereits weit mehr als 300 notierte Aktien, aus denen die Investoren auswählen konnten.
Doch dann kippte die Stimmung - und mit ihr die Kurse. Nach und nach wurden immer mehr Skandale an der Wachstumsbörse bekannt: Die einen hatten große Teile ihrer Umsätze erfunden, die nächsten bei Ad-hoc-Meldungen gelogen, wieder andere Kurse manipuliert. Besonders doll trieb es die Telekomklitsche Gigabell: Keine Firma musste nach dem Börsengang ihre Prognosen schneller korrigieren. Bereits nach sechs Wochen warnte Gigabell vor einem dreimal so hohen Verlust wie erwartet. Kein Unternehmen kaufte so wahllos Firmen zu. Und keine Gesellschaft ging am Neuen Markt früher Pleite: Am 15. September 2000 war Gigabell insolvent.
Wer nun aber glaubt, vom Neuen Markt sei nichts übrig geblieben, irrt. Es gibt eine stattliche Zahl an Unternehmen, die die wilde Zeit überlebt haben - und heute gut dastehen. Zu den bekanntesten zählen
United Internet,
Aixtron,
Singulus und die
Comdirect Bank. Und für ein früheres Nemax-Unternehmen könnte es sogar bald schon zum Ritterschlag kommen: Der Biotechzulieferer
Qiagen darf sich berechtigte Hoffnungen auf einen Aufstieg in den Dax machen. Vielleicht ein guter Zeitpunkt um seine Nemax-Aversion zu überwinden und sich wieder Technologietiteln zuzuwenden ...
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