26.02.2010
 CAPITAL-SERIE Der Börsenkommentar

Das Thema der Woche an den Finanzmärkten aus dem Blickwinkel der capital.de-Redaktion.


Jochen Mörsch, Ressortleiter Geld.
Jochen Mörsch, Ressortleiter Geld.
Foto: Capital
Investor-Artikel

Börsenkommentar

Allein auf weiter Flur

von Jochen Mörsch

Immer mehr Anlageexperten entdecken den Aktienmarkt Japan als aussichtsreiches Investment. Doch die Probleme des Landes sind weiterhin riesig.



Unter der Überschrift "Her mit der Kneifzange" habe ich Ende Oktober über Investments in den japanischen Aktienmarkt geschrieben. Mein Fazit damals: Vergessen Sie bei Neuinvestments in den Aktienmarkt das Land der aufgehenden Sonne nicht ganz. Schließlich sollte Japan als Exportnation zu den größten Profiteuren einer sicher erholenden Weltwirtschaft zählen.

Mit dieser Meinung stand ich im Herbst 2009 recht alleine da, doch ein Investment hätte sich ausgezahlt. Zugegeben: Es gibt noch aufregendere Zuwächse. Doch in den vier Monaten gewann der Leitindex Nikkei immerhin etwas mehr als drei Prozent hinzu. Zum Vergleich: Das marktbreite US-Barometer S&P 500 liegt 2,6 Prozent im Plus, der Dax nur 0,2 Prozent und der Euro Stoxx 50 rangiert sogar im Minus.



Mittlerweile haben auch große Fondsmanager das asiatische Land wieder entdeckt. Beispiel DWS-Chef Klaus Kaldemorgen: In den vergangenen Monaten stockte der Fondsmanager den Anteil japanischer Aktien deutlich von null auf 15 Prozent auf. Kein Wunder, schließlich sieht Kaldemorgen auf Sicht von sechs bis neun Monaten Kurschancen von 20 bis 30 Prozent. Und auch der normalerweise sehr pessimistische Börsenstratege Marc Faber hat sein Herz für Japan entdeckt. Er sieht wegen einer Marktvernachlässigung eine gute Investmentchance zumal die Bewertungen in Japan nicht übermäßig teuer seien.

Der Kursschwenk bei den Profis führt allerdings dazu, dass ich wieder allein auf weiter Flur stehe. Denn die jüngsten Zahlen aus Fernost machen mich keineswegs optimistisch. Zwar legte das japanische BIP im Schlussquartal 2009 wieder stärker zu als erwartet, doch die Probleme sind nicht ausgeräumt. Das Land kämpft nach wie vor gegen eine Deflation, leidet unter dem Rückgang der Erwerbspersonen, der Alterung der Bevölkerung, zurückhaltenden Konsumenten und einer enorm hohen Staatsverschuldung.

Zudem trifft europäische Anleger das Problem, dass Japan-Investments wegen einer möglichen Schwäche des Yen besser absichern sollten. Mein Rat: Setzen Sie für die kommenden Woche Stoppkurse. Über den Berg (in diesem Fall wohl dem Fujiyama) sind Anleger in Japan noch lange nicht.


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Quelle: FMH-Finanzberatung
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