Charlie Chaplin hat nie viele Worte gemacht. Erst im Streifen "Der große Diktator" von 1940 wagte der Komiker etwas völlig Neues: Er redete - und wie! Als Hitler-Double Adenoid Hynkel brüllt er Hasstiraden heraus. Das Risiko, das der Stummfilmstar mit seiner ersten Sprechrolle einging, wurde belohnt. Kritiker und Kinobesucher waren hingerissen. Seine Skepsis gegenüber der neuen Technik, dem Tonfilm, teilten indes viele Kollegen aus der Branche. Studios lehnten die Technologie anfangs ab.
Heute ist die Situation anders. Mit offenen Armen empfängt der Mediensektor die neue 3-D-Technik. Die deutsche Kinobranche erlebt eine Renaissance: 2009 wurden mit 965 Millionen Euro rund 25 Prozent höhere Einnahmen erzielt als im Vorjahr. 143 Millionen Kinogänger sorgten für ein Besucherplus von 16 Prozent. "Wichtiger Umsatzfaktor waren 2009 die 3-D-Filme", erklärt Johannes Klingsporn den unerwarteten Zustrom. "Das Kinojahr 2009 wird zu den Spitzenergebnissen der vergangenen 60 Jahre zählen", frohlockt der Geschäftsführer des Verbands der Filmverleiher.
3-D auch für Fernseher und Spielkonsolen
Die Initialzündung kam Mitte Dezember: Da feierte "Avatar - Aufbruch nach Pandora" in den USA Premiere. Seitdem eilt das dreidimensionale Spektakel von einem Besucher- und Umsatzrekord zum nächsten. Das weltweite Einspielergebnis von bisher 2,2 Milliarden Dollar stellt alles in den Schatten. "Avatar setzt nicht nur für die Filmbranche, sondern auch für die TV- und Computerspielindustrie neue Maßstäbe", so das Fazit einer Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC). Die Berater rechnen damit, dass 2014 zwischen 10 und 15 Prozent aller Filme in den USA, Europa und Japan ausschließlich oder zusätzlich als 3-D-Version in die Kinos kommen. "Mit leichter Verzögerung dürfte die Technik auch Fernseher und Spielkonsolen erobern", meint Matthieu Aubusson, Mitautor der Studie.
Die Technik beflügelt nicht nur die Fantasie von Drehbuchautoren, Regisseuren und Studiobossen, sondern auch die der Aktienanleger. Die Begeisterung hat die Kurse teilweise über das fundamental vertretbare Maß hinaus katapultiert. Für den Anteilschein der News Corporation, Mehrheitseignerin des Avatar-Verleihers 20th Century Fox, gilt das zwar nicht. Die Rally ist vorerst ins Stocken geraten. Dennoch dürfte der Publikumsmagnet die Kassen von Konzernherr Rupert Murdoch noch lange klingeln lassen. Darüber hinaus finden sich weitere Aktien, die vom 3-D-Siegeszug profitieren könnten.
In vorderster Linie stehen Unternehmen, die wie News Corporation über eigene Studios verfügen und in der 3-D-Gemeinde bereits einen Namen haben. Neben Dreamworks, der Produktionsfirma von Kultregisseur Steven Spielberg, sowie der ehemals börsennotierten Zeichentrickschmiede
Pixar, die seit dem Verkauf durch Apple an Walt Disney zur verlässlichen Gewinnquelle des Micky-Maus-Giganten geworden ist, steht
Sony auf der Favoritenliste oben. Für den kriselnden Unterhaltungselektroniker könnte die 3-D-Technik sogar zum lang ersehnten Rettungsanker werden. Mehrere Quartale hintereinander teilte Vorstandschef Howard Stringer Anlegern und Mitarbeitern Hiobsbotschaften in Serie mit. Kosten wurden zusammengestrichen, unrentable Projekte eingestampft. Analysten honorieren das. Doch was fehlte, war ein Wachstumsbringer, der das kernsanierte Geschäft ins Laufen bringt.































