11.02.2010
Saumutig: Einige Investoren legen sich Ouzo-Aktien ins Depot.
Saumutig: Einige Investoren legen sich Ouzo-Aktien ins Depot.
Foto: Getty
Investor-Artikel

Piigs-Staaten

Südeuropa-Aktien stürzen ab

von Elisabeth Atzler und Bernd Mikosch

Die Angst vor einem Bankrott der sogenannten Piigs-Staaten - Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien - grassiert. Doch eine Investorengruppe traut sich bereits wieder mutig an Papiere dieser Länder heran.

In den Analysen der Anlagestrategen ist seit Neuestem von "Pigs" die Rede. Manchmal werden die Schweinchen sogar mit zwei "i" geschrieben - so, als wäre es ein besonders anrüchiges Thema, das es zu behandeln gelte. Die Experten rümpfen ihre Nasen über Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien. Die Angst geht um, dass die Staatsfinanzen an der Euro-Peripherie völlig außer Kontrolle geraten - und der Währungsraum auseinanderbricht.

Die Furcht hat längst den Aktienmarkt erreicht: Seit Jahresbeginn hat die Börse in Spanien 14 Prozent verloren, in Portugal stehen elf Prozent Verlust. Der deutsche Markt dagegen notiert gemessen am Dax nur sieben Prozent im Minus. Am schlimmsten aber hat es Griechenland erwischt - das Land, dessen Haushaltsprobleme mit Abstand am schlimmsten sind. Seit Jahresbeginn hat der ASE 20 fast 16 Prozent verloren, seit dem Zwischenhoch im Oktober liegt der Index sogar 40 Prozent unter Wasser.

"Die Anleger spielen das Szenario durch, dass Griechenland aus dem Euro-Raum austritt", sagt Carsten Raun, Leiter des Eigenhandels der WGZ Bank. "Dann würde die griechische Währung um mindestens 20 Prozent abwerten, und so stark würde gegenüber den internationalen Verbindlichkeiten auch die Eigenkapitaldecke der Unternehmen verkürzt." Dazu komme die geringe Liquidität: "Wenn es an der griechischen Börse sehr viele Verkäufer gibt, ist es schwer, noch Käufer zu finden", sagt Raun.

Die Aktienstrategen von Credit Suisse glauben zwar nicht, dass einzelne Länder die Euro-Zone verlassen müssen. Die Experten raten dennoch, griechische und spanische Aktien vorerst zu meiden. Sie nennen zwei Probleme: So seien die Löhne in diesen Ländern seit dem Jahr 2000 stärker gestiegen als etwa in Deutschland. Zudem sei in Spanien die Privatwirtschaft stark verschuldet, in Griechenland der Staat.

Anleiheinvestoren vertrauen der Zahlungsfähigkeit

"Vermutlich sind die Verluste der griechischen Aktien jetzt schon übertrieben", sagt WGZ-Manager Raun. Doch die Unsicherheit sei hoch, betont er. "Als Anleger muss man noch warten, bis es konkrete Aussagen aus der Euro-Zone gibt, wie und wann Griechenland gestützt werden soll." Jörn Spillmann, Anlagestratege der Fondsgesellschaft Union Investment, schließt sich an: "Die Unsicherheit wird so lange anhalten, bis der Markt Vertrauen in die Maßnahmen der Institutionen der Europäischen Währungsunion gefasst hat. An diesem Punkt sind wir noch nicht."

Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der VP Bank, hält die Sorgen um die Staatsfinanzen der Euro-Peripherieländer für übertrieben. "Als Indikator wird häufig nur auf die sehr hohen Kurse von Credit Default Swaps verwiesen, mit denen sich Anleger gegen einen Zahlungsausfall eines Anleiheemittenten absichern können. Doch der Anleihemarkt selbst spricht eine andere Sprache: Der Renditeabstand von griechischen zu deutschen Staatsanleihen ist zwar gestiegen, aber im Vergleich zur eigenen Historie nicht in einem besorgniserregenden Ausmaß." Außerdem sei die Emission neuer griechischer und spanischer Anleihen zuletzt deutlich überzeichnet gewesen - die Anleger vertrauten also nach wie vor auf die Zahlungsfähigkeit der Länder.

Insider kaufen griechische Aktien

Zumindest eine Investorengruppe traut sich inzwischen wieder mutig an griechische Aktien heran: die Unternehmensinsider. Im Februar kauften Griechenlands Topmanager bislang Aktien ihrer Arbeitgeber für 7,4 Millionen Euro. Verkaufsorders dagegen gaben sie nur über 600.000 Euro ab, zeigt eine Auswertung des Frankfurter Analysehauses 2iQ Research. So viel Geld, wie die Insider allein in den ersten eineinhalb Februarwochen investiert haben, nahmen sie 2009 höchstens in einem ganzen Monat in die Hand. "Das zeigt, dass die Insider die Korrektur am griechischen Aktienmarkt für übertrieben halten - zumindest, was ihre eigenen Unternehmen anbelangt", sagt 2iQ-Geschäftsführer Patrick Hable.

Athens Topmanager haben mit ihren Wertpapiergeschäften zuletzt einen guten Riecher bewiesen: Im September und Oktober trennten sie sich in großem Umfang von eigenen Aktien. Mitte Oktober war die Rally tatsächlich vorbei.


Quelle: ftd
© 2010 capital.de

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Jean-Claude Juncker hat vor einem Auseinanderdriften der Euro-Zone gewarnt. "Eine Währungszone kann auf Dauer nicht bestehen, wenn die Unterschiede in den Leistungsbilanzen der Volkswirtschaften übergroß werden", sagte der luxemburgische Ministerpräsident der "Süddeutschen Zeitung". Die Wirtschaftspolitik müsse europäisch koordiniert werden.

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16.02.2010 | 06:57
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Jean-Claude Juncker hat vor einem Auseinanderdriften der Euro-Zone gewarnt. "Eine Währungszone kann auf Dauer nicht bestehen, wenn die Unterschiede in den Leistungsbilanzen der Volkswirtschaften übergroß werden", sagte der luxemburgische Ministerpräsident der "Süddeutschen Zeitung". Die Wirtschaftspolitik müsse europäisch koordiniert werden.

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