Die Suche nach den bewussten Kapitalvernichtern ist schwieriger geworden. Zumindest bei den großen Aktiengesellschaften, die im Dax 30 oder MDax gelistet sind. Das räumt Klaus Schneider ein. Der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) wiederholt zwar gestern seinen jährlich wiederkehrenden Vorwurf über "erhebliche Schweinereien im Kapitalmarkt" und verwies auf gut drei Dutzend Fälle in der Ausgabe des "Schwarzbuchs Börse 2009". Die SdK hat aber Mühe, bei den führenden Kapitalgesellschaften in Deutschland größere Verstöße aufzulisten.
Mit einer Ausnahme: der Eingriff des Staates bei der Problembank
Hypo Real Estate (HRE) mit der Zwangsenteignung der Aktionäre, damit der Staat die Bank unter Kontrolle bringen konnte. "Der Staat setzte sich bei der HRE über Eigentumsrechte der Aktionäre hinweg", wirft Diplom-Kaufmann Schneider der Bundesrepublik vor.
Mit dem Wortungetüm des Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetzes "hat sich der Gesetzgeber ein Arsenal von Folterwerkzeugen zurechtgelegt, mit denen der Aktionär an der Wahrnehmung seiner ihm zustehenden Rechte gehindert werden soll", kritisiert Schneider den Gesetzgeber. Die SdK hat eine Anfechtungsklage gegen die HRE-Beschlüsse eingereicht - das Ergebnis ist offen. Außerdem sei das Verhalten des Staates nicht konsequent, denn bei der IKB oder Commerzbank begnüge sich der Staat mit einer Beteiligung.
Auf Nachfrage räumt Schneider ein, dass die Transparenz bei den größeren Aktiengesellschaften gewachsen ist. "Die großen Konzerne sind kleinen Firmen oft voraus und in großer Mehrheit gut geführt", sagt Schneider. Bei den kleinen Firmen gebe es nach wie vor empörende Einzelfälle - wie ein Geschäftsbericht ohne Zahlen bei der Paketeria AG.
"Es bleibt noch eine Menge zu tun, aber es gibt Fortschritte"
Trotz der Verbesserungen gebe es auch bei den Großen noch Kritikpunkte, wie die Übernahmeschlacht zwischen
Porsche und
VW mit der fragwürdigen Rolle von Ex-Porsche Chef Wendelin Wiedeking und dessen geschätzter Vergütung von 80 Millionen Euro - und jetzt zeigten sich Milliardenverluste. Oder die "miese Corporate Governance" von Ferdinand Piëch mit seiner Dreifachrolle als Aufsichtsratschef von Volkswagen und MAN sowie Aufsichtsratsmitglied bei Porsche.
Die Einschätzung der SdK, dass sich die Transparenz und die Unternehmensführung (Corporate Governance) bei den großen Firmen gebessert hat, wird vom großen SdK-Konkurrenten, der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), geteilt. Während die SdK schon froh ist, dass sie 2009 insgesamt 19 neue Mitglieder gewonnen hat und nun von rund 2500 Vereinsmitgliedern spricht, hat die DSW nach eigenen Angaben aktuell rund 25.000 Mitgliedern. "Es bleibt noch eine Menge zu tun, aber es gibt Fortschritte", sagte gestern der DSW-Sprecher. Der Staat trage mit neuen Regelungen wie dem Vorstandsvergütungsgesetz zu der größeren Transparenz und besseren Unternehmensführung bei.
Für die SdK bleibt trotzdem noch eine Menge aufzudecken. "Manche Schätzungen sagen, dass durch Anlagebetrug mehr Geld verdient wird als im Drogenhandel", befürchtet der Kapitalanlegerverein und verweist auf den US-Milliardenbetrüger Bernard Madoff.
Kursinformationen + Charts
| Unternehmen | ISIN | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| Volkswagen Vz. | DE0007664039.DE | ||||
| PORSCHE AUTOMOBIL HOLDING SE INHABER-VOR | DE000PAH0038.DE | ||||
| Lufthansa | DE0008232125.DE |
Quelle: ftd
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