Herr Polleit, in Ihrem neuen Buch "Geldreform" machen Sie sich für die Einführung eines freien Marktgeldes stark. Was steckt hinter dem Begriff?
Geld, das nicht vom Staat kommt, sondern vom freien Markt. Ganz so, wie es bereits der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek beschrieben hat. Dabei bestimmen Angebot und Nachfrage darüber, welches Zahlungsmittel verwendet wird. Man kann es auch so ausdrücken: Die Geldproduktion wird privatisiert und die Geldverwender entscheiden, welches Geld sie akzeptieren.
Dann bräuchte ich beim Bäcker ein anderes Geld als am Zeitungskiosk. Es gäbe einen großen Wirrwarr mit zig verschiedenen Zahlungsmitteln.
Die Marktakteure würden sich vermutlich sehr schnell auf einen Standard einigen. Ich denke, dass Edelmetalle wie Gold und Silber als Geld gewählt würden. Man müsste deshalb übrigens nicht dauernd einen Sack voll Goldmünzen mit sich herumtragen. Das freie Marktgeld ließe sich genauso digitalisieren wie das heutige Papiergeld, es gäbe Kreditkarten, Online-Konten, all das.
Ist unser bisheriges Geld denn so schlecht, dass wir ein neues brauchen?
Es ist sogar sehr schlecht. Der Staat hat das Geldangebotsmonopol. Dabei wird Geld durch Kreditvergabe sprichwörtlich "aus dem Nichts" geschaffen. Das ist inflationär und sorgt unweigerlich für immer schlimmer werdende Wirtschafts- und Finanzkrisen. Das Kreditgeld führt in die Überschuldung.
Und das soll mit dem freien Marktgeld anders werden?
Ja. Anders als das Staatsgeld fügt sich ein freies Marktgeld ein in die Prinzipien des freien Marktes, ist also kein Fremd- und Störfaktor im Wirtschaftsgeschehen. Es lässt sich vor allem nicht beliebig vermehren, weil ihm ein intrinsischer ("von innen her kommend" - die Red.) Wert in Form von Gold oder Silber zugrunde liegt. Überschuldungskrisen in einem Ausmaß, wie sie sich heute weltweit zeigen, sind mit einem freien Marktgeld undenkbar.





















