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03.02.2012
Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für Capital.de
Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für Capital.de
Investor-Artikel

Wall Streeter

Zorn, Trotz, Dünnbier

von Jens Korte

"Weißt du, was ich den Europäern zu der geplatzten Börsenfusion sage? Go, f*** 'em." Der Händler, von dem der Ausspruch mit dem F-Wort stammt, wollte nicht namentlich genannt werden. Auch wenn die Absage der EU-Kommission nicht aus heiterem Himmel kam, waren viele Trader erbost.

Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für Capital.de.

Die Europäer würden konjunkturell derzeit doch viel schlechter aussehen als Amerika - dann sollen sie halt allein zurechtkommen, so ein Kommentar. "Wir haben so viel gesehen in diesem Gebäude, wir werden es auch verkraften, dass wir nicht mit der Deutschen Börse fusionieren", sagt einer. In dem derzeitigen Gebäude ist die NYSE seit 1903, gegründet wurde die Börse 1792. In der ersten Reaktion schwang viel Trotz und eine Jetzt-erst-recht-Stimmung mit.

Doch das Geschäft hat sich massiv verändert. "Wenn du vor acht Jahren Wal-Mart-Aktien kaufen wolltest, lief das alles hier über unsere Systeme", sagt ein Händler: "Heute gibt es alternative Handelsplattformen, Dark Pools oder kleinere Börsen. Der Handel ist völlig intransparent geworden. Ist es das, was die EU-Kommission will?" Und deren Sitz Brüssel: "Belgien ist nicht viel größer als Connecticut, das ist doch lächerlich", lästern die Finanzprofis.

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Es scheint in der Tat fraglich, ob sich die EU einen Gefallen getan hat. Da ein erheblicher Teil des Handels an regulären Börsen vorbeiläuft, klingt die Begründung, Frankfurt und New York hätten in Europa einen Marktanteil von 90 Prozent, nicht schlüssig. Ist es besser, das Geschäft direkt den Banken in Dark Pools zu überlassen, die wesentlich undurchsichtiger sind? Wohl kaum. Ein Vorteil von Börsen ist die Transparenz. Diese wird durch den Entscheid gefährdet.

Den Händlern ist natürlich auch bange um ihre Zukunft. Zwar beendeten Blue Chips gerade den besten Januar seit 1997. Doch nur am ersten Handelstag des Jahres stieg der Dow Jones 180 Punkte, danach konnte er keinen Tag mehr Veränderungen im dreistelligen Bereich vorweisen. Auch das Handelsvolumen fiel unterirdisch aus.

Es ist schwer geworden, an den Börsen mit Aktien Geld zu verdienen. Vor allem im Derivatebereich hatte die NYSE auf die Eurex-Plattform der Deutschen gesetzt. Am Abend der geplatzten Fusion wurde Freibier wegen des anstehenden Super Bowl auf dem Parkett ausgeschenkt, US-Light-Beer. Auch da wurden deutsche Erzeugnisse schmerzlich vermisst.


© 2012 ftd.de

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Quelle: FMH-Finanzberatung
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