Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für Capital.
In den USA haben Aktienfonds 2011 einen lächerlichen Nettozufluss von 4 Mrd. Dollar verbucht. Bei Anleihen, waren es immerhin rund 86 Mrd. Dollar. Selbst Cash hat mehr Charme, allein in der vergangenen Woche verzeichneten die globalen Geldmarktfonds einen Zufluss von 3,2 Mrd. Dollar. Das tägliche Handelsvolumen der im
S&P 500 enthaltenen Aktien hingegen fiel in dieser Zeit gegenüber dem Vorjahr um neun Prozent.
Ob Kleinanleger oder Profi, niemand hat Lust, in Aktien richtig einzusteigen. Nach zwei geplatzten Blasen im zurückliegenden Jahrzehnt und mit möglicherweise der zweiten Finanzkrise innerhalb von vier Jahren vor der Tür ist die Risikobereitschaft auf ein Minimum geschrumpft.
Die Banken sind entsprechend bedient. Laut Rodrigo Quintanilla, Analyst bei Standard & Poor's, drohen der amerikanischen Finanzindustrie die tiefgreifendsten strukturellen Änderungen seit der Großen Depression.
Kein Wunder, dass dieses Jahr Großbanken wie
Goldman Sachs,
Morgan Stanley oder die Investmentsparten von
Citigroup oder
Bank of America die Weihnachtsfeiern schlicht und einfach ausfallen ließen. Das mag auch daran liegen, dass die globale Finanzgemeinde 2011 über 230.000 Jobs abbauen musste. Da wirkt eine ausgelassene Party unangebracht.
Auch in der Öffentlichkeit hat das Ansehen der Finanzjongleure, die häufig immer noch deutlich mehr verdienen als der allgemeine Durchschnitt, stark gelitten. Da wären Bilder von ausgelassenen Bankern in schicken Etablissements die falsche Botschaft zum Fest. In der heutigen Zeit werden solche Bilder über das Internet bereitwillig und schnell verbreitet.
Das bekam diese Woche der Paketdienst
Fedex zu spüren. Ein Mitarbeiter der Firma wurde bei der Auslieferung eines Großbildschirms von einer Sicherheitskamera gefilmt. Anstatt zu klingeln, wuchtete der Zusteller das Paket einfach über einen zwei Meter hohen Zaun. Die Kamera fing den Totalschaden ein, und innerhalb von 24 Stunden wurde das Video über 2,5 Millionen Mal auf Youtube angesehen. Werbung in eigener Sache sieht anders aus.
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