Empfehlen Als E-Mail verschicken Facebook Twitter XING Drucken
27.12.2011
Seite  1 | 2

Simon Johnson
Simon Johnson
Foto: Stephen Crowley

Top-Ökonom Simon Johnson

Hört auf, die Banken zu schonen!

von Simon Johnson

In diesem Jahr ist der finanzielle Druck auf alle Staaten drastisch gewachsen - dennoch tasten die Politiker die Verantwortlichen für die Krise weiterhin nicht an.

Simon Johnson war Chefökonom des Internationalen Währungsfonds und ist Wirtschaftsprofessor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston

Dieses Jahr kam der Weihnachtsmann früh für vier ehemalige Manager von Washington Mutual (Wamu) - einer großen US-Bank, die im Herbst 2008 Konkurs anmeldete. Der US-Einlagensicherungsfonds FDIC hatte sie auf die Rückerstattung von 900 Mio. Dollar verklagt - aber die Manager haben gerade eine Einigung auf 64 Mio. Dollar unterschrieben. Da den Großteil ihre Versicherungen zahlen, müssen sie selbst nur 400.000 Dollar beisteuern.

Laut FDIC verdienten die vier Manager zwischen Januar 2005 und September 2008 immerhin 95 Mio. Dollar - sie haben also unter dem Strich einen kräftigen Gewinn gemacht. Das passiert, wenn Finanzmanager eine Vergütung für Kapitalrendite bekommen, die nicht an die Risiken angepasst wird. Bankmanager gewinnen, wenn die Dinge gut laufen, und wenn die Dinge nicht so gut laufen, verlieren sie nichts.

Sie - und andere Bankmanager - sind dabei direkt für den Anstieg der Preise auf dem Wohnungsmarkt und in der Folge für den Kollaps des Immobilienmarkts verantwortlich. Er traf Nichtbanker hart, rund acht Millionen Arbeitsplätze gingen verloren. Dem Kollaps folgten Sparmaßnahmen - im ganzen Land werden Steuern erhöht und staatliche Leistungen gekürzt. Dem Land steht zudem eine schwierige Auseinandersetzung über steuerliche Fragen bevor, es muss sich auf Einschnitte und Kürzungen einstellen.

Manche argumentieren, Amerikaner müssten den Gürtel enger schnallen. Das ist eine interessante Diskussion, besonders zu einer Zeit, da die Arbeitslosenquote noch immer bei acht Prozent liegt (die Ziffer sank zuletzt, weil viele Arbeitslose beschlossen haben, nicht mehr zu suchen und nicht mehr gezählt werden). Voreilige Sparmaßnahmen werden kaum dazu beitragen, der Wirtschaft einen Weg zurück zu einer höheren Beschäftigungsquote zu ebnen.

Wie sieht es aber mit der staatlichen Unterstützung für die großen Banken aus? Nimmt diese angesichts des aktuellen Finanzdrucks ab? Leider nicht. Die staatliche Unterstützung bleibt unverändert, indirekt dadurch, dass es Banken gestattet wird, systemrelevant zu sein - too big to fail -, direkt durch alle möglichen Subventionen der US-Notenbank.

Die Begründung - oder besser die Ideologie -, die hinter der Unterstützung großer Banken steckt, ist, dass sie für die Erholung der Wirtschaft notwendig seien. Aber diese Argumentation ist recht zweifelhaft, wenn die Banken auf Bergen von Bargeld sitzen, während kreditwürdige Verbraucher und Unternehmen bei der Kreditaufnahme zurückhaltend sind.


Was die Leser sagen

Markus Müller
30.12.2011 | 09:28
Verantwortung wird weitergereicht

In vielen Kommentaren in verschiedenen Wirtschaftszeitungen wettern mutmaßliche Bänker gegen die Politik als dem"eigentlichen"
Schuldigen der verfahrenen Situation.
Für mich macht das den Eindruck,dass heftig an Legenden gestrickt wird um zu verwirren und abzulenken um weiterhin sein Süppchen am kochen zu halten.
Ich fände es gut,wenn Jedermann sich bei der EZB direkt seine Kredite holen könnte.Diese mittelalterichen Gilden,die sich darum kümmern,dass die "richtigen"Leute den Rahm abschöpfen sollte man sich nicht länger gefallen lassen.

Graf Zahl
27.12.2011 | 20:59
Banken

Jahrelang war die Politik stolz auf immer mehr Bankenfusionen und die Hintergedanken dieser Banken gingen in der Folge zu 100% auf.
Ab einer gewissen Größe waren die Banken too big to fail.Man konnte sich darauf verlassen wenn man sich verzockt hatte stand umgehend Steuergeld zur Rettung parat,wenn die Politik zögerte,
wurde mit dem Systemcrash gedroht.Die Politik hat sich erpressbar gemacht.So wurde die freie Marktwirtschaft pervertiert zur Vollkaskoversicherung für Banken die ohne eigene Verantwortung tragen zu müssen nach Herzenslust zocken.
Konsequenzen für die Manager:Keine! Falls doch mal einer gehen muß,so wird der Abgang mit Millionen Abfindung versüßt.Jüngstes
Beispiel EZB:Da werden mal eben 500Mrd. Kredite zu 1% an Banken verschleudert,die dieses Geld danach für 7% und mehr weiter verleihen!Zinsgewinne durch den Steuerzahler garantiert!Wo gibt es das sonst irgendwo in der Wirtschaft?Die Politik schaut zu,
offenbar nicht mehr in der Lage die Finanzmärkte in die Schranken zu weisen!Ein trauriges Bild was die Politik da zeigt!
Die Zeche dafür zahlt der Steuerzahler!

(Kommentare 1-2 von 2)

Ihre Meinung

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird nicht veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar



 
Capital - Suche
 
Marktinformationen
DAX Tops Diff %
Heidelberg
Metro
Deutsche B
Flops
ThyssenKru
Deutsche P
MAN
DAX 6.384,26 -0,26%
TecDAX 759,57 -1,29%
EUR/US 1,2717 -0,13%
GOLD 1.540,05 -0,14%
Quelle: Smarthouse Media, SIX Telekurs
Alle Zinsen auf einen Blick
Wo Sie günstig finanzieren können und welche Anbieter Sparern die höchsten Renditen bieten.
ProduktMittel-
wert
Spanne
Baugeld (10 Jahre fest)2,80%2,53-4,90%
Tagesgeld (5.000 Euro)1,45%0,19-3,00%
Festgeld (12 Monate)1,53%0,50-3,00%
Sparbriefe (4 Jahre)1,67%0,45-3,25%
Girokonto (Dispo)11,04%5,50-13,81%
Ratenkredite (36 Monate)6,82%4,33-11,99%
Quelle: FMH-Finanzberatung
Wohn- und Ferienimmobilien-Kompass
Aktualisierte Fassung 2012
PartnerangebotImmobilien suchen in ...
Wohnquartier Report
Suche

Professionelle Bewertung der Wohnumgebung von Immobilien.

PLZ
Ort
Straße, Nr.