25.02.2010
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Griechen protestieren gegen das Sparprogramm ihrer Regierung.
Griechen protestieren gegen das Sparprogramm ihrer Regierung.
Foto: AP

Schuldenkrise

Dieser Mann soll Griechenland retten

von Tobias Bayer, Frankfurt und Christine Mai, Frankfurt

Griechenland steckt in der Schuldenkrise. Für die kommenden Tage wollen die Hellenen den Kapitalmarkt anzapfen. Die heikle Mission leitet der neue Schuldenmanager, Petros Christodoulou. Patzt er, wäre das für das Land und die EU fatal.

"Sie besitzen hervorragende Kenntnisse des Bondmarkts, umgarnen gekonnt verschreckte Investoren und bewahren selbst in Ausnahmesituationen wie Generalstreiks die Ruhe" - so könnte eine Jobbeschreibung für ihn lauten: Petros Christodoulou, seit ein paar Tagen Griechenlands oberster Schuldenmanager. Ein Job, der selbst in diesen Zeiten zu den unangenehmsten der Welt zählen dürfte.

Gleich zu Anfang, quasi zum Amtsantritt, muss Christodoulou eine heikle Mission bewältigen und Anleihen über 5 Milliarden Euro am Markt platzieren. Die Emission gilt als Test für die Fähigkeit des Landes, einen Ausfall abzuwenden. Scheitern? Undenkbar.

Beobachter halten es für möglich, dass Athen diese oder nächste Woche den Kapitalmarkt mit einer zehnjährigen Anleihe antestet. Doch selbst wenn dieser erste Coup gelingt, muss der 1960 geborene Christodolou noch eine ganze Serie weiterer Hürden nehmen. Allein bis April muss das Land 20 Milliarden Euro aufnehmen, im Gesamtjahr liegt der Refinanzierungsbedarf bei über 50 Milliarden Euro. Allein auf April und Mai entfallen davon 16 Milliarden Euro. Laut Premierminister Giorgios Papandreou reichen die Mittel bis Mitte März aus. Man wolle zu einer möglichst niedrigen Rate das Kapital aufnehmen, sagte Papandreou unlängst.

Die Glaubwürdigkeit des Landes ist angekratzt. Nicht nur musste Athen das Haushaltsdefizit nach oben korrigieren. Mit fragwürdigen Währungstauschgeschäften sollen die Hellen zudem ihre Schuldenlast geringer dargestellt haben als es den Tatsachen entsprach. Jüngster Rückschlag ist eine Klage der EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof. Der Vorwurf: Das Land soll illegale Steuervorteile von Unternehmen nicht eingetrieben haben Rechtswidrige Beihilfen müssten zurückgefordert werden, um gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle zu sichern, argumentiert die Kommission.

Christodoulou muss das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen. Zugute kommen dürfte dem ehemaligen Banker dabei seine Expertise. Nach einem Wirtschaftsstudium in Athen spezialisierte er sich auf internationale Finanzmärkte und machte 1985 einen MBA an der Universität von Columbia. Es folgten Stationen bei Credit Suisse, JP Morgan Chase und Goldman Sachs, unter anderem im Geschäft mit Wertpapieren und Derivaten.

Die letzten zwölf Jahre arbeitete Christodoulou für die National Bank of Greece, wo er für die Refinanzierung zuständig war, also etwa das Liquiditätsmanagement und die Absicherung gegen Währungs- und Zinsrisiken verantwortete. Mit griechischen Staatsanleihen kennt er sich daher bestens aus.


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