19.07.2010
Die Renditen ungarischer Anleihen erhöhten sich über alle Laufzeiten hinweg um 20 bis 25 Basispunkte
Die Renditen ungarischer Anleihen erhöhten sich über alle Laufzeiten hinweg um 20 bis 25 Basispunkte
Foto: Getty

Schuldenkrise

Angst um Ungarn-Pleite löst Forint-Verfall aus

Anfang Juni verglich die Regierung in Budapest den osteuropäischen Staat mit Griechenland und löste Panik aus. Rund sechs Wochen später wiederholt sich das Ganze. Der IWF bricht die Kreditgespräche mit Ungarn ab – und bringt den Markt in Aufruhr.

Der Forint ist nach dem Abbruch der Gespräche der ungarischen Regierung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie der EU so stark eingebrochen wie seit sechs Wochen nicht mehr. Die Währung büßte zum Euro bis zu 2,8 Prozent ein. Mit 289,24 Forint je Euro notiert sie so schwach wie seit dem 7. Juni nicht mehr. Damals hatten Politiker Ungarn mit Griechenland verglichen - und dadurch gewaltige Turbulenzen ausgelöst.

Wegen der unterbrochenen Gespräche kann Ungarn die verbliebenen Tranchen eines vor zwei Jahren vereinbarten Hilfspakets über 25,1 Milliarden Dollar zunächst nicht abrufen. "Offensichtlich ist der IWF mit der Politik von Ministerpräsident Viktor Orban unzufrieden", hieß es in einer Analyse der Commerzbank. "Ohne eine weitere Unterstützung durch IWF und EU würde es Ungarn wohl kaum gelingen, zahlungsfähig zu bleiben."

Die Renditen ungarischer Anleihen erhöhten sich über alle Laufzeiten hinweg um 20 bis 25 Basispunkte. Renditen und Kurse bewegen sich gegenläufig. Der polnische Zloty verlor 0,4 Prozent, der rumänische Leu 0,2 Prozent zum Euro. Die tschechische Krone blieb stabil.

Am Markt für Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS) kam es zu heftigen Bewegungen. Ungarische CDS-Papiere verteuerten sich laut dem Finanzdatendienst Markit um 43 auf 365 Basispunkte. Um 10 Millionen Euro an ungarischen Staatsanleihen zu versichern, wird somit eine jährliche Versicherungsprämie von 365.000 Euro fällig. Bei Griechenland, Spanien, Portugal, Italien, Irland und Belgien kletterten die Aufschläge zwischen drei und 15 Basispunkten.

Wohl keine Hilfe der Zentralbanken

Orban fuhr im April einen triumphalen Wahlsieg ein. Er versprach, die Ausgabenkürzungen der Vorgängerregierung nicht fortzusetzen. Deren Sparkurs hatte das Haushaltsdefizit von 2006 bis 2008 von 9,3 Prozent auf 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gedrückt. Orban fordert von IWF und EU, dass sie größere Defizite zulassen. Um die Märkte aber nicht allzu schockieren, hält er an dem ursprünglichen Defizitziel von 3,8 Prozent fest. Die EU-Kommission hält das für unrealistisch und prophezeit ein Minus von 4,1 Prozent.

Der IWF kritisiert Orban für seine Angriffe auf die Notenbank und für seine geplante Bankenabgabe. Zudem sieht der Währungsfonds IWF weiteren Konsolidierungsbedarf in Ungarn, insbesondere auf der Einnahmeseite. Zum Abbruch der Kreditgespräche sagte Gabor Orban, Fondsmanager bei Aegon Fund Management: "Das sind sehr schlechte Nachrichten. Es wird keine Verkaufswelle geben, bei denen vorausschauende Investoren wieder einsteigen. Die erste Reaktion wird Panik sein. Dann erst wird sich die Situation etwas beruhigen."

Orban wird nicht auf die Hilfe der Zentralbank bauen können. Sie wird am Montag voraussichtlich den Leitzins zum dritten Mal in Folge bei 5,25 Prozent belassen. "Dass die Notenbank in dieser Situation die Leitzinsen nicht, wie von der Regierung gewünscht, senken wird, steht außer Frage", schrieben die Analysten der Commerzbank. Die Magyar Nemzeti Bank unterbrach wegen der Turbulenzen und des Forint-Verfalls ihre geldpolitische Lockerung.

Marktteilnehmer halten es für möglich, dass die ungarische Zentralbank auf dem Devisenmarkt eingreift - und den Forint stützt. "Sollte sich der Fall beschleunigen, können wir nocht ausschließen, dass die Notenbank etwas unternimmt", schrieben die Analysten von Unicredit. Das könnten Stützungskäufe oder eine Leitzinserhöhung sein. "Sie hat noch Munition. Die könnte sie bald einsetzen", sagte Simon Quijano-Evans, Analyst beim Brokerhaus Chevreux.


Quelle: ftd.de
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