Vermögensverwalter sind zu Jahresbeginn von Berufs wegen optimistisch, schließlich sollen die Kunden bei den Produkten des eigenen Hauses zugreifen. Bislang haben die Optimisten Recht behalten, die Finanzmärkte sind mit kräftigen Gewinnen ins neue Jahr gestartet. Doch die winterlichen Frühlingsgefühle könnten verfrüht gewesen sein, an vielen Stellen lauern Risiken. Ausgerechnet die Krisenretter Notenbanken könnten der Party den Strom abdrehen.
"Anleger sollten sich 2013 aus der Deckung wagen", rät die US-Fondsgesellschaft Fidelity. Die Konkurrenz von Axa Investment Managers steht nicht zurück: "Deutsche Aktien könnten 2013 um 15 Prozent steigen und sich besser entwickeln als der europäische Gesamtmarkt", schreiben die Franzosen in einer Studie. Damit würde der deutsche Leitindex auf neue Allzeithöhen klettern. Schon jetzt ist er gerade einmal rund 150 Punkte
von der magischen Marke von 8000 Punkten entfernt; der Euro kostet fast wieder 1,35 Dollar, so viel wie seit einem Jahr nicht mehr. Selbst Krisenstaaten wie Portugal haben bei internationalen Investoren wieder Kredit, der von vielen Auguren prophezeite Absturz der US-Konjunktur blieb aus. Im Gegenteil, die weltgrößte Volkswirtschaft fasst langsam wieder Tritt.
Krise? Das war gestern, so scheint es. Damals, im Sommer vergangenen Jahres, als Spanien und Italien drohten, in den Strudel der Euro-Krise zu geraten. Ein Scheitern der Währungsunion wurde nicht mehr ausgeschlossen. Doch dann trat EZB-Präsident Mario Draghi Ende Juli in London auf. Seine klare Aussage: Die Europäische Zentralbank wird alles tun, um den Euro verteidigen - Störfeuer der Bundesbank hin oder her. Seither gibt es Zeichen der Entspannung allenthalben, an den europäischen Rentenmärkten sind Anleihen der Randstaaten wieder gefragt. Die Aktienkurse steigen unaufhörlich, zumal die US-Politik - wieder einmal - den fiskalischen Kollaps kurz vor Toresschluss verhinderte. Der DAX hat seit Anfang August 22 Prozent an Wert gewonnen. Italienische Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit rentieren aktuell mit 4,2 Prozent. Im vergangenen Sommer musste die Regierung in Rom Anleger noch mit einem Zinssatz von 6,5 Prozent locken, was auf Dauer nicht bezahlbar gewesen wäre.
Die Notenbanken waren die Retter, doch sie könnten auch zum Problem werden. Insbesondere die Zentralbanken in den USA und Großbritannien haben viel Geld gedruckt und damit die Grundlage für Inflation gelegt. Erholt sich das Wachstum wie derzeit in den USA, so könnte sich das Inflationspotenzial entfalten. Die Frage ist, bis zu welchem Grad die Notenbanken eine höhere Inflationsrate tolerieren werden und wann sie andeuten, die Zinsen wieder zu erhöhen. Steigende Leitzinsen waren in der Vergangenheit meist Gift für Aktienkurse, weil Dividendentitel relativ gesehen an Attraktivität einbüßen.
Aber auch bei Staatsanleihen von als bonitätsstark geltenden Ländern wie Deutschland oder Großbritannien droht ein Kursrutsch. Steigen die Leitzinsen, so sacken die Kurse der Bonds ab, damit ihre Rendite sich dem neuen Zinsniveau nach oben anpassen kann. Außerdem werden alte Anleihen unattraktiver, weil neue höhere Zinsen bieten. Natürlich könnten die Notenbanken auch höhere Inflation tolerieren, was eine wachsense Gruppe von Volkswirten als Weg aus der Überschuldung von Staaten empfiehlt. Dann würde allerdings Geldvermögen vernichtet, und das Vertrauen in das Finanzsystem erhielte einen weiteren Dämpfer.
Politische Risiken für die Märkte
Risiken drohen aber auch von politischer Seite. Die US-Politik hatte zum Jahreswechsel den Sturz über die Fiskalklippe und damit einen Konjunktureinbruch in letzter Minute abgewendet. Doch irgendwann stößt dieses Prinzip der pragmatischen Einigung an seine Grenze. Würden die USA zahlungsunfähig, so wären die Verwerfungen an den Finanzmärkten groß, schließlich sind US-Staatsanleihen und Dollar die Benchmark für die Geschäfte von Investoren und Spekulanten.
"Die Stimmung an den Finanzmärkten ist derzeit geprägt von einer großen Sorglosigkeit", beobachtet Torsten Sprenger, Devisenexperte bei HSBC Trinkaus. "Aktuell wirkt sich vor allem die Starre bei der politischen Entscheidungsfindung in den USA belastend auf den Greenback aus. So zeichnet sich keine langfristige Lösung für eine Reduzierung des US-Schuldenberges ab."
Auch in Europa könnte die Erholung ins Stocken geraten. Die hohe Arbeitslosigkeit in Südeuropa, aber auch in Frankreich könnte soziale Unruhen auslösen. Diese könnten populistische Politiker an die Macht bringen, die sich vom bisherigen Kurs der Stabilisierung der Staatsfinanzen abwenden. Einen Vorgeschmack darauf gibt der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der mit einer Rückkehr in die Politik droht und sich antideutscher und antieuropäischen Parolen bedient.
Obacht also bei all zu viel Optimismus an den Finanzmärkten, oder wie Kathleen Brooks, Chefanalystin bei Forex.com, sagt. "Ich fasse meine Sicht der Märkte als vorsichtig zusammen."
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