Die Europäische Zentralbank (EZB) wird künftig Daten von Kreditnehmern veröffentlichen. Auf Drängen der Notenbank müssen Geldinstitute ab Sommer dieses Jahres Details zu einem Teil der von ihnen vergebenen Kredite an eine privatwirtschaftlich organisierte Sammelstelle melden. Gegen eine Gebühr soll jedermann Zugriff auf die Datenbank bekommen.
Nach Informationen der Capital-Schwesterzeitung Financial Times Deutschland (FTD) trifft die neue Regelung alle Kredite, die in sogenannten forderungsbesicherten Wertpapieren (Asset-Backed Securities, ABS) enthalten sind und von den Banken bei der EZB als Pfand für Liquiditätshilfen hinterlegt werden. Zunächst werden nur Kredite für Wohnimmobilien erfasst, später sollen Firmen- und Verbraucherkredite folgen. Mit den Daten will die EZB - ähnlich wie eine Ratingagentur - die Qualität der Wertpapiere einschätzen. Zuletzt gab es immer wieder Forderungen, aus der Notenbank heraus eine europäische Ratingagentur als Konkurrenz zu den marktbeherrschenden US-Agenturen aufzubauen.
Den Banken geht die EZB-Datensammlung indes zu weit. Sie fürchten, dass ihre Kreditmodelle öffentlich werden. Zudem sehen sie ihr Geschäftsgeheimnis in Gefahr. Zwar versichert die EZB, in der Datenbank keine personenbezogenen Angaben zu speichern. Es kann allerdings eingegrenzt werden, zu welchen Konditionen ein Geldinstitut in einem Großraum beispielsweise Kredite für Einfamilienhäuser vergibt.
Datenschützer reagierten ratlos auf die Pläne. Der Bundesdatenschutzbeauftragte verwies auf FTD-Anfrage auf seinen europäischen Kollegen. Dieser sah sich nicht in der Lage, binnen einer Woche eine Einschätzung vorzunehmen. Es seien, so ein Sprecher, zunächst noch einige Untersuchungen nötig.
Lehre aus der Lehman-Pleite
ABS-Anleihen werden von Geschäftsbanken verstärkt als Sicherheit genutzt, um sich frisches Geld von der Notenbank zu leihen. Die EZB hat inzwischen verbriefte Forderungen über rund 500 Mrd. Euro im Depot. Viele der Papiere werden nicht gehandelt. Die EZB fürchtet daher, sie könne auf den Papieren sitzen bleiben, geht die einreichende Bank pleite.
Diese Erfahrung hatte die Notenbank nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 gemacht. Es dauerte gut drei Jahre, bis die letzten Schrottpapiere wieder auf den Markt gebracht werden konnten, die mit US-Immobilien besichert waren.
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