04.03.2010
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Die EU-Kommission will mehr über CDS erfahren.
Die EU-Kommission will mehr über CDS erfahren.
Foto: dpa

Profiteure der Griechenlandkrise

EU zitiert Banken wegen Anti-Euro-Wetten zum Rapport

von Tobias Bayer Frankfurt

Banken und Hedge-Fonds müssen sich in Acht nehmen: Die EU-Kommission bestellt die Branche nach Brüssel, um mehr über Kreditderivate auf Staaten zu erfahren. Das US-Justizministerium interessiert sich für Unterlagen zu Anti-Euro-Wetten.

Europa und die Vereinigten Staaten machen mobil gegen Spekulanten, die von der Krise Griechenlands profitieren. Die EU-Kommission bestellt Banken ein, um gemeinsam mit Aufsehern den Handel mit Kreditderivaten (Credit Default Swaps, CDS) auf Staaten zu diskutieren. Die USA wiederum fordert Hedge-Fonds dazu auf, Unterlagen zu möglichen Anti-Euro-Wetten aufzubewahren.

"Wir werden bald ein entsprechendes Treffen organisieren", sagte eine Sprecherin der EU-Kommission. Als möglicher Termin kommt Freitag in Frage. Ziel sei, die Preismechanismen auf dem CDS-Markt und seine Verbindung zum Anleihenhandel kennenzulernen. Entsprechend äußerte sich auch EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier gegenüber der "Financial Times": "Ich will wissen, wer das getan hat. Ich will es verstehen."

In den vergangenen Monaten waren die CDS-Aufschläge Griechenlands extrem nach oben geschossen. Die Politik vermutet, dass Spekulanten über Kreditderivate Panik verbreiten. Weil es keine Börsen- und Clearingpflicht gibt, gilt der CDS-Handel als intransparent. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin leitete diese Woche eine Untersuchung ein.

In den USA wiederum wird das Justizministerium aktiv. Nach übereinstimmenden Medienberichten schrieb die Behörde Hedge-Fonds an und forderte sie auf, Handelsunterlagen aufzubewahren. Addressaten sollen mehrere große Fonds - darunter SAC Capital Advisors, Soros Fund Management und Greenlight Capital - gewesen sein, die am 8. Februar an einem Dinner in Manhattan teilgenommen hatten.

Auf dem vom Brokerhaus Monness, Crespi, Hardt & Co. organisierten Abendessen soll über Handelsstrategien gesprochen worden sein. Thema war die Krise der Währungsunion und ein Kursverlust des Euro. Die angeblich betroffenen Hedge-Fonds lehnten einen Kommentar ab. Auch das Justizministerium äußerte sich nicht zu den Berichten.

Der Finanzbranche droht ein weiterer Imageschaden. Nachdem Regierungen in aller Welt mit Steuergeldern Banken und Kapitalmärkte stützten, kommt es in den Hauptstädten schlecht an, wenn die Spekulanten nun Staaten angreifen. "In dem aktuellen Umfeld ist klar, dass jeder, der von dem Unglück eines anderen profitiert, sich öffentliche Kritik einhandelt", sagte Kirby Daley, Stratege beim Brokerhaus Newedge. "Im schlimmsten Fall droht eine harte Regulierung." Newedge ist Dienstleister für zahlreiche Hedge-Fonds.


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