Wer den Schaden hat, braucht für den Spott bekanntlich nicht zu sorgen. Seit Freitag wissen die Hypo Real Estate (HRE) und die aus ihr ausgelagerte staatliche Bad Bank FMS Wertmanagement davon ein Lied zu singen. Da im Dunstkreis der HRE nach dem unvermittelten Auftauchen von 55 Mrd. Euro offenbar alles möglich ist, vermuten Spaßvögel im Internet inzwischen sogar das seit dem Zweiten Weltkrieg verschollene Bernsteinzimmer des Preußen-Königs Friedrich-Wilhelm I. in den Tresorkellern der Bank.
Wie dem auch sei, in Deutschland und jenseits der Landesgrenzen wird seit dem Wochenende gerätselt, was da wohl passiert ist, wie es passieren konnte und wer dafür gegebenenfalls zur Rechenschaft gezogen werden muss. Immerhin geht es um einen Betrag von 55 Mrd. Euro, um den die gesamtstaatlichen Schulden Deutschlands aufgrund einer Fehlbuchung bei der Bad Bank schrumpfen. Wie es aussieht, scheint die Hauptverantwortung dafür an der HRE hängen zu bleiben. Das legt zumindest eine Stellungnahme der Wirtschaftsprüfergesellschaft PricewaterhouseCoopers nahe, in der die FSM Wertmanagement ziemlich gut wegkommt.
Um es vorwegzunehmen: Es ist kein Schaden entstanden, weder bei der Bad Bank noch beim Staat. Es ist aber auch weder hier noch da ein Nutzen entstanden. Im Grunde wurde nur eine aufgeblähte Bilanz korrigiert, deren Verbindlichkeiten in einem Etatposten außerhalb des Bundeshaushalts erfasst werden. Dass es überhaupt zu der zunächst überhöhten und später nach unter korrigierten Schuldenmeldung an die europäische Statistikbehörde Eurostat kam, scheint einer Verkettung misslicher Umstände geschuldet zu sein, die etwas mit der unchristlichen Hast beim Erstellen bestimmter Pflichtmitteilungen zu tun hat.
Bei statistischen Meldungen an Eurostat müssen Fristen beachtet werden. Nach FTD-Informationen drang das Bundesfinanzministerium zum ersten Halbjahr 2011 noch vor Beendigung der Abschlussarbeiten auf vorläufige Zahlen der FMS Wertmanagement, die es nach Brüssel melden konnte. Diese enthielten noch den methodischen Erfassungsfehler bei Derivategeschäften, der dann bei der endgültigen Aufstellung der Halbjahresbilanz korrigiert wurde.
Was war geschehen? In den Büchern der Bad Bank tummeln sich dem Vernehmen nach rund 7000 Derivatepositionen. Das Ausfallrisiko dieser Positionen belief sich Ende Juni auf knapp 20 Mrd. Euro. Ihr Nominalvolumen ist um ein Vielfaches höher. Mit Hilfe dieser Derivate sichert sich die FMS Wertmanagement gegen Ausfallrisiken aller Art ab. Größter Posten sind neben Währungs- und Zinsrisiken die Kontrahentenrisiken, die aus der Zahlungsunfähigkeit eines Geschäftspartners entstehen können. Diese Geschäfte sind hochkomplex und ein Gegenstand fortgeschrittener Finanzmathematik.

















