20.07.2010
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Handelsgesellschaften und Kakaoverarbeiter sind über die Ereignisse vergangener Woche erzürnt
Handelsgesellschaften und Kakaoverarbeiter sind über die Ereignisse vergangener Woche erzürnt
Foto: AFP

Nach Rekordlieferung

Kakao-Markt spielt verrückt

von Tobias Bayer, Christine Mai

Auf dem Kakaomarkt sind die Preisturbulenzen gewaltig. Ein einzelner Hedge-Fonds sich mehr als 240.000 Tonnen Kakao gesichert haben. Händler fordern mehr Informationen vom Börsenbetreiber Nyse Liffe. Spekulanten unterhalten dichte Netze von Spionen.

Nach einer Rekordlieferung an einen einzelnen Marktteilnehmer wächst die Kritik am Londoner Kakaohandel. Neben der International Cocoa Organization (ICCO) fordern auch große Handelsgesellschaften wie Sucden mehr Informationen vom Börsenbetreiber Nyse Liffe: "Wir brauchen mehr Transparenz", sagte Stephanie Garner, Leiterin des Kakaohandels bei Sucden Financial. Sucden Financial ist Gründungsmitglied der Nyse Liffe.

Auslöser für die Diskussion sind die Umtriebe des Kakaohändlers und Hedge-Fonds-Anbieters Armajaro. Das Londoner Handelshaus hielt eine große Kaufposition an der Liffe und ließ sich nach Informationen der "Financial Times" bei Fälligkeit 240.100 Tonnen Kakao liefern. Rund 100.000 Tonnen soll Armajaro laut der Nachrichtenagentur Reuters inzwischen an den weltgrößten Schokoladenhersteller Barry Callebaut weitergereicht haben.

Die große Liefermenge löste erhebliche Preisbewegungen aus. Die Differenz zwischen den Kontrakten zur sofortigen Erfüllung und Terminkontrakten kletterte mit 300 Dollar je Tonne auf extreme Niveaus. Am Mittwoch schloss Kakao zur Lieferung im September bei 2981 Dollar je Tonne. Das sind knapp sechs Prozent weniger als am Dienstag.

Beobachter wie Commerzbank-Rohstoffanalyst Eugen Weinberg reagierten alarmiert und wollten sogar eine Preismanipulation in Form eines "Corners" nicht ausschließen. Bei solch einer Konstellation sichert sich ein Händler einen Großteil des physischen Angebots eines Rohstoffs und bringt am Terminmarkt die Verkäufer in die Enge.

Handelsgesellschaften und Kakaoverarbeiter sind über die Ereignisse vergangener Woche erzürnt. "Ich finde, es entspricht nicht einem geordneten Marktgeschehen, wenn ein einzelner Händler den gesamten verfügbaren Kakao aufkauft", sagte Andreas Christiansen, Geschäftsführer des Hamburger Kakaohändlers Hamburg Cocoa & Commodity, der "Financial Times".

Geht es nach ICCO und Sucden, sollte sich Nyse Liffe an den USA orientieren. Die US-Terminbörsenaufsicht Commoditiy Futures Trading Commission (CFTC) veröffentlicht jede Woche einen Bericht über die Positionen in den einzelnen Märkten, auch für den Kakaohandel in New York, der an der Nybot stattfindet, die zum Börsenbetreiber ICE aus Atlanta gehört.


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