Der irische Hilfsantrag an die EU hat an den Märkten keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der Euro stieg am Morgen zwar auf bis zu 1,3786 Dollar und kostete damit so viel wie seit einer Woche nicht mehr. Bis zum frühen Nachmittag fiel er aber auf 1,3639 Euro zurück und notierte damit unter dem Schlusskurs vom Freitag. Auch der europäische Aktienindex Stoxx Europe 600 legte zunächst leicht zu, drehte am Nachmittag aber ins Minus. Der DAX büßte die Gewinne vom Vormittag ebenfalls ein und notierte am frühen Nachmittag bei 6835 Punkten.
Irische Staatsanleihen erholten sich leicht. Die Renditen auf zehnjährige Papiere, die sich gegenläufig zu den Kursen bewegen, lagen am Nachmittag bei 8,04 Prozent und damit zwölf Basispunkte niedriger als bei Handelseröffnung. Am Morgen waren sie vorübergehend auf 7,9 Prozent zurückgegangen. Die Risikoprämie, die Anleger dafür verlangen, dass sie irische anstelle sicherer deutscher Staatsanleihen halten, ging zeitweise auf 523 Basispunkte zurück. Am Nachmittag lag die Zinsdifferenz bei 532 Basispunkten.
Die Kursschwankungen wurden von Analysten auf anhaltende Sorgen über weitere hoch verschuldete Euro-Staaten zurückgeführt. Als nächstes Land könnte Portugal unter der Last seiner Schulden zusammenbrechen, sagte Francesco Garzarelli von der US-Investmentbank Goldman Sachs der Nachrichtenagentur Reuters. "Portugal bleibt ein möglicher Kandidat für Hilfen von außen, wenn der Druck auf den Finanzmärkten anhält."
Die Gefahr einer Ausweitung der Schuldenkrise war von EU-Politikern als ein wichtiger Grund für die Vorbereitung eines Rettungspakets für Irland genannt worden. Die irische Regierung hatte Hilfe von außen zunächst abgelehnt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) äußerte am Sonntagabend die Hoffnung, dass nach dem Sinneswandel in Dublin ein Übergreifen der Krise auf Spanien und Portugal verhindert werden könne: "Wenn wir jetzt eine richtige Antwort auf die irischen Probleme finden, dann ist die Chance groß, dass es diesen Ansteckungseffekt nicht geben wird."
"Portugal ist noch nicht aus dem Schneider"
Zahlreiche Marktbeobachter bezweifeln dies. Die Ansteckungsgefahr sei nur kurzfristig gebannnt, sagte Carsten Brzeski von der niederländischen Bank ING der Nachrichtenagentur Reuters. Hilfen für Irland "beruhigen die Märkte und verschaffen den anderen Ländern eine Atempause. Aber insbesondere Portugal ist noch nicht aus dem Schneider."
Der portugiesische Wirtschaftswissenschaftler Filipe Garcia hält es sogar für "unvermeidlich", dass sein Land als nächstes unter den 750 Mrd. Euro schweren Euro-Rettungsschirm schlüpft. "Ich glaube, wir haben den Punkt überschritten, an dem die Refinanzierungskosten tragbar sind", sagte Garcia, der bei der Beratungsfirma Informacao de Mercados Financeiros in Porto arbeitet, der Nachrichtenagentur Reuters. Für Investitionen in portugiesische Staatsanleihen verlangen Anleger auf dem Sekundärmarkt derzeit Zinsen in Höhe von...
Die portugiesische Regierung bemühte sich am Sonntagabend, Spekulationen über einen Rückgriff auf den Rettugsschirm vorzubeugen. "Portugal verfolgt eine klare und angemessene Strategie der Haushaltskonsolidierung und struktureller Reformen, die auf eine Stärkung von Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum abzielen", betonte Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos in einer am Sonntagabend veröffentlichten Pressemitteilung.
Die Regierung sei auf gutem Weg, das Haushaltsdefizit von 9,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im vergangenen Jahr auf 7,3 Prozent zu verringern. 2011 will das sozialistische Minderheitskabinett die Neuverschuldung auf 4,6 Prozent senken. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Parlament am Freitag den Sparhaushalt für das kommende Jahr verabschiedet.
Dennoch stiegen am Montag die Kosten für die Absicherung portugiesischer Staatsanleihen gegen einen Zahlungsausfall an. Kreditausfallswaps (CDS) auf portugiesische Anleihen verteuerten sich laut Zahlen des Datendienstleisters CMA um 5 auf 422,5 Basispunkte. Damit kostete es 422.500 Euro im Jahr, Anleihen im Wert von 10 Mio. Euro gegen einen Ausfall zu versichern. CDS auf irische Staatsanleihen fielen dagegen um 28,5 auf 478,5 Basispunkte, laut CMA der niedrigste Stand seit dem 29. Oktober. Auch die Kosten für die Absicherung spanischer und italienischer Staatsanleihen gingen leicht zurück.






















