30.07.2010
 CAPITAL-SERIE Interview der Woche

Die Macher der Finanzszene stellen sich den Fragen der capital.de-Redaktion


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Notorischer Crash-Prophet: Roland Leuschel
Notorischer Crash-Prophet: Roland Leuschel
Foto: Börse Online/Horst Wagner
Investor-Artikel

Interview mit Roland Leuschel

"Seien Sie nicht unter den Opfern!"

Leser fragen, Roland Leuschel gibt Antworten: zur Preisentwicklung bei Gold und Silber, zur Zukunft des Euro, zu Prognosen für andere Währungen und zum Schutz vor hohen Inflationsraten.

Mögen Sie die Bezeichnung Crash-Prophet?

Natürlich nicht, aber ich muss damit leben. Schließlich habe ich 1987 den Aktiencrash vom damaligen Oktober vorausgesagt und damit fast alle meine Konkurrenten brüskiert. Seit dieser Zeit gab es jede Menge weiterer Crashs. Es gehört zum Finanzmarkt dazu, dass hin und wieder die Kurse übertrieben sind und eine Korrektur (gleich Crash) folgt. Manchmal geschieht es in wenigen Tagen, manchmal braucht es ein Jahrzehnt dazu.

Welche Zukunft hat Geld als Tauschsubstitut?

Hoffentlich hat es eine Zukunft. Ich befürchte aber nach wie vor, dass es zu einem finalen Finanzcrash, also einem Chaos, kommt, in dem alle Werte in Zweifel gezogen werden. So könnte Gold - beziehungsweise Goldmünzen - vorübergehend das letzte Stück Freiheit werden, das gegen Dienstleistungen und Güter getauscht werden kann. Ich habe eine solche Situation am Ende des letzten Weltkriegs mit meiner Familie erlebt.

Roland Leuschel

gilt als notorischer Crash-Prophet. Der heute 73-Jährige begründete seinen Ruf, als er 1987 und 1989 die weltweiten Kursstürze an den Börsen vorhersagte. Leuschel arbeitete jahrzehntelang als Chefstratege für die belgische Banque Bruxelles Lambert. Er ging 1995 in Pension, beschäftigt sich aber immer noch intensiv mit den Börsen. Unter anderem schreibt er Kolumnen und ist Autor mehrerer Bücher.

Wie substanziell sehen Sie Gold im Vorteil gegenüber anderen Edelmetallen, etwa Platin?

In einer Krisensituation wird es einfacher sein, den genauen Wert einer Goldmünze zu kennen und zum Tausch zu verwenden. Das könnte eventuell auch für Silber gelten, schon weil es davon mehr gibt.

Wie sollten Anleger ihr Vermögen aufstellen, wenn sie Deflation erwarten?

Keine Schulden haben und jederzeit Vermögenswerte besitzen, die auch liquide sind, für die es also einen Markt gibt.

Werden die deutschen Bauwerte Hochtief und Bilfinger Berger von den Sparpaketen der verschuldeten Länder Europas spürbar betroffen sein? Wenn ja, wer wird mittelfristig die Krise am besten meistern?

Mit Sicherheit werden sie betroffen sein. Leider bin ich nicht in der Lage, die Situation der einzelnen Firmen zu beurteilen.

Wie hoch wird der Goldpreis noch klettern? Lohnt sich ein Einstieg?

Er kann noch sehr hoch steigen, wobei die nächsten Etappen 2000 und dann 5000 Dollar pro Feinunze sein werden. Da lohnt sich natürlich auch ein Einstieg auf heutigem Niveau, vor allem nach einer kräftigen Korrektur. Diese kommt immer, weil die Notenbanken durch die Verkäufe ihrer Goldbestände versuchen, den Anstieg zu mildern. Sie sehen zu Recht den Goldpreisanstieg als Antwort auf die inflationäre und verantwortungslose Geldpolitik. Sobald die europäischen Zentralbanken ihr letztes Gramm Gold verkauft haben, kann die Party beginnen.

Welche sind die attraktivsten Währungen?

Alle bekannten Währungen, die auch international gehandelt werden, sind angeschlagen und mit großen Problemen belastet. Es gibt nur eine stabile und sichere Währung, die in allen Zeiten und in jeder Situation ihren Wert behält, und das ist Gold. Davon abgesehen halte ich den chinesischen Renminbi und mit Einschränkungen den Schweizer Franken für attraktiv.

Bei welcher Bank sollte man ein Fremdwährungskonto führen?

Die meisten Großbanken sind heute verstaatlicht oder vom Staat gestützt. Bei größeren Vermögen ist es angebracht, Konten bei mehreren Banken in verschiedenen Ländern zu halten. Also auch hier das Risiko geografisch streuen!


Was die Leser sagen

Peter von Frosta
30.07.2010 | 22:23
Ja,Ja der Leuschel

Der große Crashprophet. Wer seit gefühlten 100 Jahren Jahr für Jahr einen Crash vorhersagt, muß ja irgendwann mal einen Treffer landen. Und so wurde er zum Crashprophet. Und welche Aufgabe hat ein Crashprophet? Richtig,er muss wieder einen Crash vorhersagen. Und das tut er auch. Jahr für Jahr für Jahr....

herbert ax
30.07.2010 | 20:02
Roland Leuschel

Man kann wirklich nur hoffen das der Mann sich irrt.
Aber ich glaube auch nicht das das was diese Politiker Weltweit angerichtet haben gut gehen kann.
Nur das die Geldsäcke sicher schon irgendwie Ihre Schäflein im trockenen hat , und die Normalos mal wieder Ihre Spargroschen verlieren.
Nun ja, da anscheinend die Masse der Leute schon so verdummt ist, das sie sich von den Typen immer noch Grimms Märchen erzählen lassen und das denen dann noch als ultimative Wahrheit abkaufen, dann ist das Schiff schon unter gegangen.
Nun denn Augen zu und durch.

(Kommentare 1-2 von 2)

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Quelle: FMH-Finanzberatung
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