Mal ehrlich: Nachdem schon das halbe Land zusteht mit Windrädern – will man jetzt auch noch die Dächer vollpflastern mit Solarzellen? Offenbar ja. Wo andere Kurzarbeit fahren, wo andere entlassen, kann sich ein Norbert Beck, Chef von Beck Solartechnik in Heidelberg, vor Aufträgen kaum retten: "Wir haben in den vergangenen zwei Monaten mehr zu tun gehabt als in den ersten sechs Monaten zusammen." Beck ist Installateur. Beck ist auf der Gewinnerseite.
Auf der Verliererseite des derzeitigen Sonnenenergie-Booms sind die Hersteller von Fotovoltaikanlagen. Dass sie Verlierer sind, hat den Boom überhaupt erst möglich gemacht. Die Preise für die Solaranlagen sind weiter im freien Fall, weltweit werden mehr Kollektoren gefertigt als nachgefragt, und vor allem das wachsende Billigangebot aus Asien heizt den Wettbewerb an. Gleichzeitig gibt es für Sonnenstrom üppige Zahlungen. Stromversorger müssen laut Gesetz für jedes vom Privatmann eingespeiste Kilowatt fast das Doppelte dessen zahlen, was der selbst für Strom ausgeben muss.
Exklusiv-Umfrage
Was Solaranlagen derzeit kosten
Capital hat rund 40 Installateure gefragt, was sie für eine Fotovoltaik-Anlage inklusive Montage berechnen. Zehn gaben ein konkretes Angebot ab.
| Angebote für Fotovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 5 Kilowatt-Peak | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Anbieter | Region | Spitzdach¹ |
Flachdach² |
||
Gesamt |
pro kWp |
Gesamt |
pro kWp |
||
| Dach & Sonne Agrartechnik www.erneuerbare-energien-brandenburg.de |
Brandenburg/ Sachsen | 16.500 |
3300 |
17.500 |
3500 |
| Techno Solar Solaranlagen www.technosolar.de |
Berlin/ Brandenburg | 17.500 |
3500 |
18.00 |
3700 |
| Marssolar www.marssolar.de |
Hessen/ NRW | 15.000 |
3000 |
16.500 |
3300 |
| Powersolar www.powersolar.de |
Rhein-Main-Gebiet | 16.500 |
3300 |
18.900 |
3780 |
| Beck Solartechnik www.beck-solar.de |
Rhein-Neckar | 16.000 |
3200 |
17.500 |
3500 |
| Koller Solar Agent www.solar-agent.de |
Breisgau/ Schwarzwald | 16.000 |
3200 |
18.000 |
3600 |
| Solarzentrum Energie + www.solarzentrum.com |
Oberbayern | 16.500 |
3300 |
17.000 |
3400 |
| Soluwa www.soluwa.de |
Mittelfranken | 17.000 |
3400 |
18.000 |
3600 |
| Lucht Elektrotech. www.lucht-elektrotechnik.de |
Schleswig-Holst. | 17.500 |
3500 |
18.750 |
3750 |
| Quasdorf + Kagemann www.quasdorf-kagemann.de |
Großraum Hamburg | 20.000 |
4000 |
21.000 |
4200 |
*1 in Euro. inklusive Montage, Preise zzgl. Mehrwertsteuer
Dank dieser günstigen Marktkonstellation können Hausbesitzer mit eigener Solaranlage derzeit eine hohe Rendite erzielen. Tendenz: sinkend – denn die neue Regierung hat bereits angekündigt, dass sie die Einspeisevergütungen demnächst kappen wird. Jetzt oder nie: "Es war nie rentabler als heute, in eine Solaranlage zu investieren", so Jan Winkler vom Marktforschungsinstitut EuPD Research.
Doch vor der Bestellung sollten Käufer genau kalkulieren und alle Rahmenbedingungen checken. Capital hat bundesweit bei Installationsbetrieben nachgefragt, wie viel ein Immobilienbesitzer Ende September in unterschiedlichen Regionen tatsächlich für ein kleines Kraftwerk auf dem Dach zahlen muss, und errechnet, wie hoch die Rendite bei welchem Kaufpreis, in welcher Lage und auf welchem Dach tatsächlich ausfällt.
Durchschnittliche Anlage ist für 15.000 Euro zu haben
Ergebnis: Für in Deutschland gebaute Module liegt die Preisspanne jetzt zwischen 3000 und 4000 Euro pro Kilowatt-Peak (kWp) – dieser Wert beschreibt die maximale Modulleistung unter idealer Sonneneinstrahlung. Das Gros der Angebote bewegte sich um 3300 Euro. Anbieter aus Asien sind meist noch 15 bis 25 Prozent billiger. Laut Bundesverband für Solarwirtschaft (BSW) liegen die Preise damit im Schnitt 35 Prozent unter dem Niveau von 2006. Damals waren locker 5000 Euro und mehr pro kWp fällig.
Eine durchschnittlich große Anlage von fünf kWp (mit Modulen aus deutscher Produktion) ist derzeit ab 15.000 Euro zu haben. Basierend auf der für 2010 gesetzlich festgelegten Einspeisevergütung bringt das bei guter Stromausbeute über elf Prozent Rendite vor Steuern. Selbst bei ungünstigeren Bedingungen sind noch neun Prozent drin.
Bei diesen Werten muss jeder Investor allerdings noch seine Steuern in Rechnung stellen. Gute Abschreibungsmöglichkeiten sorgen jedoch dafür, dass auch die Nachsteuerrenditen attraktiv ausfallen. Damit kann sich die Investition innerhalb von elf bis 15 Jahren amortisieren. Die Erträge reichen auch, um die Anlage etwa mit einem günstigen Darlehen der staatlichen KfW-Bank (Förderprogramm "Erneuerbare Energien") auf Kredit zu kaufen. Die Zinsen liegen zwischen vier und sechs Prozent und sind steuerlich absetzbar. Unter dem Strich dürfte eine Investition selbst dann noch lohnen, wenn die schwarz-gelben Koalitionäre tatsächlich demnächst die Einspeisevergütung runterfahren sollten.
Antrag bei der Bundesnetzagentur
Laut einer aktuellen Studie des EuPD-Marktforschungsinstituts wurden bis Ende 2008 rund 300.000 Solaranlagen auf Ein- und Zweifamilienhäusern installiert. Für dieses Jahr prognostiziert der BSW Neuinstallationen mit einer Leistung von 654.000 Kilowatt-Peak, sprich 654 Megawatt-Peak, 20 Prozent mehr als 2008 und rund viermal so viel wie im Jahr 2004.
Um von den Einspeisevergütungen, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschrieben sind, zu profitieren, müssen Anlagebetreiber lediglich einen Antrag bei der Bundesnetzagentur stellen. Dies geht frühestens 14 Tage vor der Inbetriebnahme. Wer seinen Antrag noch in diesem Jahr einreichen kann, bekommt für Strom, den er nicht selbst verbraucht, sondern ins Netz einspeist, 20 Jahre lang gleichbleibend 43,01 Cent pro Kilowattstunde (kWh) für Anlagen bis zu einer maximalen Größe von 30 kWp. Für Anlagen, die 2010 angemeldet werden, zahlen die Versorger noch 39,57 Cent. Die Förderung für selbst verbrauchten Strom fällt im kommenden Jahr von derzeit 25,01 auf 23,01 Cent pro kWh.
Die Absenkung ist bereits in die Musterrechnungen von Capital eingeflossen. Es zeigt sich: Auch dann sind zweistellige Renditen möglich. Vorausgesetzt, Sonnenscheindauer, Lage, Ausrichtung und Wirkungsgrad der Anlage sind optimal. Man kommt nicht drum herum: Jeder Investor braucht eine individuelle Kalkulation, wie viel Leistung er im Jahresschnitt erzielen kann. Zeit, sich mal gründlich sein Dach anzusehen. Denn je nach Dachtyp – schräg oder flach – weicht die Sonnenausbeute ab. Unter Spitzdächern wiederum sind 30 Grad Neigung mit einer Ausrichtung nach Süden optimal. Jede Abweichung verringert die Leistung.




















