US-Pensionsfonds der öffentlichen Hand haben eine Finanzierungslücke von 2500 Mrd. Dollar, die sie zu enormen Kürzungen bei Dienstleistungen und dem Verkauf von Vermögenswerten zwingen wird. Davor warnt Orin Kramer, der frühere Chairman des Pensionsfonds von New Jersey, im Interview mit der "Financial Times".
"Die Bundesstaaten sehen sich mit Kostendruck konfrontiert", sagte Kramer. "Eine Folge ist, dass Veräußerungen von Vermögenswerten und Privatisierungen zunehmen werden. Das wird leider dazu führen, dass die Sicherheitsnetze für die schwächsten Bürger ausgedünnt werden."
Die schwere Rezession in den USA hat die angespannte Finanzlage der Bundesstaaten und Kommunalverwaltungen in den Fokus gerückt. Am 3000 Mrd. Dollar großen Markt für Kommunalanleihen wächst die Nervosität: Vergangene Woche stieg die Rendite auf sogenannte Muni Bonds mit einem Top-Rating und 30 Jahren Laufzeit erstmals seit rund zwei Jahren wieder auf mehr als fünf Prozent.
Auch die Zahlungsversprechen des öffentlichen Sektors an seine ehemaligen und derzeitigen Beschäftigten sorgen Experten. Joshua Rauh von der Kellog School of Management und Robert Novy-Marx von der University of Rochester schätzen die Finanzierungslücke in einer im Herbst veröffentlichten Studie gar auf 3230 Mrd. Dollar.
Wie die beiden Experten verweist auch Kramer auf die strittigen Bilanzierungsmethoden, die bei öffentlichen Pensionsfonds angewandt werden - und die das wahre Ausmaß verschleiern. Bei der Bewertung der künftigen Zahlungsverpflichtungen greifen öffentliche Pensionsfonds auf ihre Renditen der Vergangenheit zurück und verwenden daher meist einen Wert von rund acht Prozent. Derartige Renditen gelten aber für die Zukunft als kaum erreichbar.
Kramer, ein Demokrat, der heute in dem Gremium sitzt, das den Pensionsfonds von New Jersey überwacht, hat für seine Berechnung auf Methoden zurückgegriffen, die sich am Vorgehen privater Unternehmen orientieren. Die Privatwirtschaft muss ihre Berechnungen an ihren eigenen Refinanzierungskosten ausrichten und nutzt daher die Renditen auf Unternehmensanleihen.
Wendet man das Prinzip auf öffentliche Pensionsfonds an, müsste man auf die Renditen auf Muni Bonds zurückgreifen. Oder man argumentiert, dass die Pensionsverpflichtungen vorrangig zu den Verbindlichkeiten bei Anleihegläubigern sind und setzt daher eine "risikofreie" Rate ein wie die Rendite auf US-Staatsanleihen. Diese ist Grundlage der Berechnungen von Rauh und Novy-Marx.
Einigen Kommunalregierungen stünden "heftige Belastungen" bevor, sagte Kramer. Eine Pleitewelle erwartet er jedoch nicht, da es "verschiedene Gegenmittel gibt, darunter Veräußerungen von Vermögenswerten, die man anwenden kann, bevor es zu einem Zahlungsausfall kommt". Die Bundesstaaten hätten ein Interesse daran, dass ihre Kommunen nicht in die Pleite schlitterten. Im vergangenen Jahr hatte etwa Pennsylvania seiner Hauptstadt Harrisburg mit einer Geldspritze ausgeholfen, damit die Stadt ihre Anleihen bedienen konnte.
Quelle: ftd.de
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