So sieht er also aus, der Mann, der das Geld seiner Anleger binnen zehn Jahren trotz zweier Crashs mehr als verzehnfacht hat: Augen, die schon seit mehr als vier Jahrzehnten die guten, die schlechten und die ganze schlimmen Leute an der Wall Street mustern. Ein Kopf, der in 50 seiner 70 Lebensjahre Investmentideen ausknobelte. Ein Mann, der braune Schlappen zum dunkelblauen Nadelstreifenanzug trägt. Dazu feuerrote Hosenträger mit schwarzen Totenköpfen. Gestatten: John Hathaway, US-Amerikaner durch und durch. Manager des Tocqueville-Gold-Fonds - dessen Existenz auf einem Witz fußt.
"Wir saßen im Januar 1998 Däumchen drehend, verzweifelt angesichts der viel zu teuren Aktienmärkte und des New-Economy-Irrsinns. Wir fragten uns: Was wäre denn wohl die absurdeste Investmentidee, bei der es kaum schlimmer kommen könnte? Ich warf einfach mal in die Runde: Gold", erinnert sich Hathaway. Das Gelächter sei groß gewesen angesichts der Tatsache, dass der Preis 18 Jahre lang gefallen war und nur Verrückte an das Edelmetall glaubten. "Mein Chef aber sagte nur: ,Tolle Idee. Und da du sie aufgebracht hast, mach doch gleich den Fonds.‘"
Für einen Witz hat sich der Fonds unter Hathaways Ägide respektabel entwickelt: Während der vergangenen zehn Jahre hat sich der Fondswert verzehneinhalbfacht, während der Goldpreis "nur" knapp um das Siebenfache und Goldminenaktien um das Vierfache gestiegen sind. Bange ist dem jovial wirkenden Hathaway ob der Goldrally nicht. "Gold ist für mich die zentrale Lösung für all die Dinge, die um uns herum ablaufen: Misstrauen gegenüber Papierwährungen, Misstrauen gegenüber Staatsschulden, Misstrauen gegenüber Finanzinstituten."
Viel wichtiger sei aber noch, dass Gold bis heute nach wie vor nur bei wenigen Investoren überhaupt eine Rolle spiele. "Das Thema ist stark präsent in den Medien, trotzdem investieren die Leute nicht", sagt Hathaway. Es sei noch immer eine Außenseiterstrategie, und selbst viele Optimisten hielten allenfalls ein bisschen Geld in Gold oder in Goldindexfonds. Solange das so bliebe, sei ihm nicht bange, auch wenn das Edelmetall nunmehr zehn Kalenderjahre in Folge mit Kursanstiegen glänzte.
Kein Überzeugungstäter
Hathaway ist kein ideologisch verblendeter, mit Schaum vor dem Mund geifernder Überzeugungstäter, wie sie unter Edelmetallanhängern nicht selten anzutreffen sind. Er ist eher ein Pragmatiker, der bei seinen Anlagen zwischen dem physischen Edelmetall und großen oder kleinen Minenaktien wechselt, wie es ihm opportun erscheint.
Undenkbar für einen "echten Goldfanatiker", der allem außer dem physischen Besitz misstraut. Derzeit etwa hält Hathaway Minen für weit attraktiver als physisches Gold: "Minenaktien sind extrem billig verglichen mit Gold. Allein seit Dezember 2010 hat der Goldpreis knapp ein Drittel gewonnen, während Minenaktien leicht verloren haben. Hinzu kommt, dass Investoren gerade bei den großen Minenbetreibern derzeit mit attraktiven Dividendenströmen rechnen können."























