Neben Aktien und Anleihen hat sich in vielen Depots eine dritte Anlageklasse etabliert: Rohstoffe. Das Volumen von Rohstofffonds ist in den vergangenen fünf Jahren europaweit um 800 Prozent auf über 60 Milliarden Euro gestiegen, zeigt eine Untersuchung des Analysehauses Lipper. Dass sich mit Spekulationen auf den Öl- oder Kupferpreis Geld verdienen lässt, steht außer Frage. Ob Rohstoffe allerdings als Langfristinvestment taugen, ist alles andere als ausgemacht.
Die Argumente der Rohstofffans klingen plausibel: Bis 2050 wird die Weltbevölkerung der Uno zufolge auf neun Milliarden steigen. Das sind 3,1 Milliarden Menschen mehr als heute, die essen und konsumieren wollen. Besonders die wachsende Mittelschicht Chinas und Indiens regt die Fantasie vieler Investoren an. Dazu kommt die Ressourcenknappheit: Öl droht zu versiegen. Auch Eisen oder Zink sind endlich, ganz zu schweigen vom Gold. Getreide wächst zwar immer wieder nach, aber fruchtbare Anbauflächen werden rar.
Allerdings hat sich die Weltbevölkerung seit 1960 verdoppelt, ohne dass die Rohstoffpreise inflationsbereinigt gestiegen wären. Aktien waren der bessere Inflationsschutz.
Die reale Rendite von Agrarrohstoffen ist auf lange Sicht sogar negativ, argumentiert Charles Dumas, Chef des Analysehauses Lombard Street Research. Schließlich sorgt die steigende Produktivität dafür, dass eine Tonne Weizen oder Soja in immer kürzerer Zeit hergestellt werden kann. Steigen die Löhne langfristig im Gleichschritt mit der Inflation, sinken die realen Rohstoffpreise.
Auch bei Metall oder Öl sieht er dank des technischen Fortschritts keinen Grund für hohe Renditen: "Die Preise schießen von Zeit zu Zeit wegen einer starken Nachfrage hoch, aber letzten Endes ist das Angebot immer entsprechend gestiegen - die hohen Preise ermöglichen im Vergleich zu den Gesamtkosten ja traumhafte Renditen."




















