"Die Insider sind sehr bullish", sagt Geschäftsführer Patrick Hable: "Und zwar quer durch alle Branchen." Dieser Trend, der im zurückliegenden Quartal zu beobachten war, setzte sich in den ersten Oktobertagen fort.
Für Privatanleger ist diese Entwicklung interessant. Hable sieht Parallelen zum ersten Quartal 2009: Damals war das Verhältnis von Käufen zu Verkäufen, die so genannte Buy-Sell-Ratio, ähnlich hoch wie derzeit. "Danach ist der Markt stark gestiegen", stellt Hable fest.
Die Unternehmen müssen Transaktionen von Insidern wie Vorständen oder Aufsichtsräten den Aufsichtsbehörden melden, 2iQ Research wertet diese Directors' Dealings europaweit aus. Insider agieren antizyklisch bei ihren Aktienkäufen. Fällt der Kurs, steigen sie ein - zieht die Notierung an, wird verkauft. Dass aber auch die Profis nicht immer den richtigen Zeitpunkt für Ein- und Ausstieg treffen, zeigt ein Blick auf die schlauesten Manager und größten Pechvögel des dritten Quartals: Martin Brudermüller, stellvertretender Vorstandschef von
BASF, gehört zu jenen, die das richtige Händchen hatten - der Vorstandschef des Ludwigshafener Chemiekonzerns, Kurt Bock, ist zu früh eingestiegen.
Das Verhalten der Insider gilt nichtsdestotrotz als guter Indikator für die Kursentwicklung. Schließlich haben die Mitglieder von Vorständen oder Aufsichtsräten sowie Großaktionäre Einblick in die eigenen Bücher, sie wissen aber auch um Auftragslage und Stimmung der Branche. Sie sollten gut abschätzen können, ob das Unternehmen an der Börse aktuell eher über- oder unterbewertet ist.
Der FTD-Insiderindex ist im September zwar etwas gesunken, er verharrt jedoch auf einem außerordentlich hohen Niveau. Auch die jüngste Markterholung änderte daran zunächst noch nichts. "Eigentlich müssten die Insider bearish werden, wenn der Markt steigt", erläutert Hable: "Sie sind derzeit allerdings immer noch optimistisch." Hält die Erholung an, dürfte der Index jedoch weiter fallen, erwartet der 2iQ-Geschäftsführer.
Am Beispiel Norwegen lässt sich das derzeitige Verhalten der Führungskräfte besonders gut beobachten: Im September gab es in dem skandinavischen Land nur vier Verkäufe im Gesamtvolumen von nicht einmal 30.000 Euro. Dem stehen indes meldungspflichtige Aktienkäufe für 7,5 Mio. Euro gegenüber.
Europaweit haben die Insider im September Dividendenpapiere im Wert von insgesamt 90 Mio. Euro verkauft - zugleich aber für annähernd 253 Mio. Euro eingekauft. Das ist nun schon der zweite Monat in Folge, in dem das Verkaufsvolumen deutlich unter der Marke von 100 Mio. Euro geblieben ist. "Ich nenne das einen Verkäuferstreik", sagt Hable. "Zu den erreichten Niedrigkursen hat kaum ein Insider verkauft."
Da die Turbulenzen an den Aktienmärkten keine Branche verschonten, haben die antizyklischen Käufer gegenüber den Verkäufern in allen Sektoren des Aktienmarkts die Oberhand. "Es ist zum ersten Mal zu beobachten, dass es keinen einzigen bearishen Sektor gibt", sagt Hable: "Das Sentiment ist in allen Sektoren bullish."
Die größten Insiderkäufe in Deutschland hat 2iQ Research im vergangenen Quartal beim Bauzulieferer
Heidelberg Cement registriert: Ludwig Merckle erwarb im Juli und August über die VEM Vermögensverwaltung insgesamt fünfmal Aktien; beim größten dieser Deals nahm er fast 11,5 Mio. Euro in die Hand, bei drei weiteren Geschäften noch einmal 9,9 Mio., 9,8 Mio. und 7,3 Mio. Euro. Ludwig Merckle tritt als Großeigner in die Fußstapfen seines verstorbenen Vaters Adolf und versucht, mit Aktienzukäufen das Unternehmen im Familienbesitz und unabhängig zu halten.
Hinter Heidelberg Cement rangiert
Patrizia Immobilien auf Platz zwei: Vorstandschef Wolfgang Egger hat im August über die Firma First Capital Partner Aktien für über 2,8 Mio. Euro gekauft - und damit die Mehrheit bei Patrizia Immobilien übernommen.
Den Insidern ins Depot geschaut |
|---|
Stimmungsindikator Der FTD-Insiderindex wird mithilfe der Buy-Sell-Ratio berechnet, die das Kaufvolumen der Insider zum Verkaufsvolumen ins Verhältnis setzt. 2iQ Research vergleicht die aktuelle Buy-Sell-Ratio mit dem Schnitt aus drei Jahren. Erreicht die Quote ein Drei-Jahres-Hoch, steigt der Index auf 100 Punkte. |
Optimisten Von Telekommunikation über Finanzwerte und IT bis zu Konsumgütern - in allen Branchen sind die Insider derzeit gemessen an ihren Aktienengagements optimistisch - auch wenn der Grad der Zuversicht von Sektor zu Sektor variiert. Bei den Ländern haben die Optimisten ebenfalls die Oberhand, nur in den krisengeplagten südeuropäischen Staaten Italien und Spanien sind die Pessimisten derzeit am Ruder. |






















