Die deutsche Wirtschaft bleibt die Konjunktur-Lokomotive in der Eurozone und bekommt wieder Dampf in den Kessel. Schon jetzt liegen wieder mehr Aufträge vor, die Aussichten für die kommenden Monate haben sich kräftig verbessert. Auf den Aktienmärkten löst dies Begeisterung aus: Der DAX stieg am Freitag auf ein Fünfjahreshoch, der europäische Eurostoxx-Index auf den höchsten Wert seit Sommer 2011. Aber beim Weltwirtschaftsforum in Davos goss die Europäische Zentralbank (EZB) einen Tropfen Wermut in den Sekt.
Die Erholung in der Eurozone sei noch nicht robust genug, um die Krisenpolitik des billigen Geldes beenden zu können, sagte EZB-Präsident Mario Draghi. In der Realwirtschaft der Krisenländer seien die Hilfen noch nicht richtig angekommen. Längst beschlossene Maßnahmen zur Konsolidierung der Haushalte und zur Förderung des Wachstums müssten auch entschlossen umgesetzt werden.
Für die deutsche Exportwirtschaft ist die Eurozone immer noch mit Abstand der größte Kunde. Rund 38 Prozent aller Ausfuhren gingen dorthin, sagte Ifo-Außenhandelsexperte Steffen Elstner. Und für die Eurozone insgesamt stehen die Zeichen weiter auf Rezession - auch wenn sich das Abwärtstempo verlangsamt hat. Für Entwarnung sei es noch zu früh, mahnte die Weltbank und forderte ebenfalls, bei den Reformanstrengungen nicht nachzulassen.
Mit Sorge blicken viele nach Italien, wo im Februar gewählt wird. Spanien kämpft weiter mit einem sehr hohen Staatsdefizit, einem maroden Bankensystem und einem aufgeblähten Bausektor - soeben stieg die Arbeitslosigkeit auf 26 Prozent. In Frankreich - Deutschlands wichtigstem Außenhandelspartner - schwächelt nicht nur die Autoindustrie. Die Präsidentin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, bewertete die optimistischen französischen Wachstums- und Defizitprognosen in Davos kritisch. Vielleicht müssten die Eurostaaten ihre Reformen doch ein bisschen langsamer angehen, um übermäßige Härten zu vermeiden, sagte die ehemalige französische Wirtschaftsministerin.
Allerdings ist die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von der Eurozone gesunken - der Exportanteil ist in zehn Jahren von 45 auf 38 Prozent zurückgegangen. Die Ausfuhren nach Italien und Spanien sind allein im vergangenen Jahr um je zehn Prozent geschrumpft. Italien ist als Abnehmer heute gleichauf mit Österreich und der Schweiz.
China und Südostasien dagegen haben kräftig zugelegt, sie nehmen inzwischen 16 Prozent aller deutschen Export ab, sagte Ifo-Außenhandelsexperte Elstner. Das heißt: Wenn die Eurozone ein Prozent weniger in Deutschland kauft, können das die asiatischen Kunden schon mit 1,5 Prozent Zuwachs wettmachen.
Auch das erklärt den Optimismus der deutschen Industrie. Sie rechnet im laufenden Jahr mit einem Exportzuwachs um drei Prozent auf einen neuen Rekordwert. Denn die Zeichen in Übersee stehen wieder besser. In den USA sinkt die Arbeitslosigkeit. In China melden die Einkaufsmanager die besten Werte seit zwei Jahren. Und die Signale aus den Schwellenländern in Südostasien und Lateinamerika seien gut, wie Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe sagte.
Quelle: dpa
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