22.04.2010
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Häftling Dennis Kozlowski in grüner Anstaltshose und braunem Pullover. Andere Farben sind verboten - Verwechslungsgefahr mit dem Gefängnispersonal
Häftling Dennis Kozlowski in grüner Anstaltshose und braunem Pullover. Andere Farben sind verboten - Verwechslungsgefahr mit dem Gefängnispersonal
Foto: Anna Bauer

Ex-Tyco-Chef Kozlowski

"Mörder kommen nach fünf Jahren frei, ich nicht"

von Thomas Jahn

Er wollte aus Tyco das größte, beste und wichtigste Unternehmen der Welt machen. Sein Lebensstil war so legendär wie sein Absturz. Wegen Untreue bekam er 25 Jahre Gefängnis. Die Haft hat Dennis Kozlowski verändert, aber nicht geläutert. Ein Gespräch hinter Gittern.

Ein klarer Wintertag. Die blassrote Sonne bescheint das Backsteingebäude der Mid-State Correctional Facility. Einmal drinnen, ist es mit der freundlichen Stimmung vorbei. Dennis Kozlowski darf nicht mit dem Gesicht zum Licht sitzen. Die Anfrage der Fotografin wird abschlägig beschieden. Gefangene müssen während des Gesprächs immer in Richtung des Wärters gucken. Welch eine Demütigung: Der 63-Jährige, einst Kopf des Milliardenkonzerns Tyco, der früher mit dem eigenen Hubschrauber zum Lobster-Lunch in die Hamptons flog, sitzt heute in Marcy, einem Kaff nahe der kanadischen Grenze, im Gefängnis und klagt über die erbärmliche Knastkost.

Dennis Kozlowski: Das Essen ist grauenhaft. Viel Weißbrot und Reis, sehr wenig Proteine. Hin und wieder Soßen. Das Fleisch soll Hühnchen sein, aber ich bin mir da nicht so sicher. Man müsste das mal im Labor überprüfen. Gott sei Dank schicken mir Freunde und Familie regelmäßig Obst und Gemüse. 16 Kilogramm Lebensmittel darf ich im Monat bekommen.

Herr Kozlowski, die Menschen kennen Sie als schwerreichen Vorstandschef, der in einem 30 Millionen Dollar teuren Apartment wohnte, rauschende Partys feierte und 6000 Dollar für einen Duschvorhang ausgeben konnte. Wie leben Sie heute?

Kozlowski: Stellen Sie sich einen Stahlkäfig vor, keine Gitter, sondern eine Box, die drei Meter lang, 1,5 Meter breit und gut zwei Meter hoch ist. Ein Etagenbett mit einer kleinen Matratze ist an die Wand geschraubt, daneben steht eine Toilette mit einem Waschbecken. Es gibt kein Fenster, nur eine Stahltür mit einem kleinen Guckloch. Jeder Tag ist wie der andere. Es ist entsetzlich langweilig. Das Licht brennt die ganze Zeit.

Früher mussten Sie nur mit dem Finger schnippen, und alle sprangen. Jetzt sind Sie auf sich allein gestellt. Was war Ihr bislang schlimmstes Erlebnis?

Kozlowski: Der erste Morgen im Gefängnis, das war noch in New York City, gerade als ich eingecheckt hatte – was sage ich da: einchecken, als ob es im Hotel gewesen wäre. Direkt nachdem ich eingewiesen wurde, ging ich um sechs Uhr zum Frühstück. In dem Moment fingen die Männer neben mir eine Prügelei an. Sie schlugen mit Esstabletts aufeinander ein. Ich dachte nur: Das wird ein sehr langer Aufenthalt.

Sie sind rechtskräftig verurteilt zu 25 Jahren Haft wegen Untreue und Steuerhinterziehung. Akzeptieren Sie den Schuldspruch?

Kozlowski: Ich fühle mich in vielerlei Hinsicht schuldig. Viele Mitarbeiter und Manager mussten meinetwegen einiges erleiden. Dass ich das zugelassen habe, dafür empfinde ich Schuld. Menschen, die mich kennen, zeigen bis zu einem bestimmten Grad Mitgefühl. Ich bekomme eine Menge Besuch. Von Tyco kommen viele, vom Topmanager bis zum einfachen Mitarbeiter, sogar aus Ländern wie Südafrika oder Russland. Manche kenne ich persönlich, andere wissen gar nicht genau, warum ich eigentlich im Gefängnis sitze.


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