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17.01.2013
Investor-Artikel

Erneuerbare Energien

Mit diesen Anlagen profitieren Sie von der Energiewende

Wer an der Energiewende mitverdienen will, ist nicht auf Solaraktien angewiesen. Laut Experten lohnen sich vor allem Wertpapiere von Firmen, die an der Modernisierung der Stromnetze beteiligt sind.

Durch den Absturz der Solaraktien haben sich viele Anleger im vergangenen Jahr ordentlich die Finger verbrannt. Die Branche leidet unter massiven Überkapazitäten, vor allem Solarmodule sind daher von einem starken Preisverfall betroffen. Dennoch ist Roberto Cominotto, Fondsmanager bei Swiss & Global Asset Management, überzeugt: "Den erneuerbaren Energien gehört die Zukunft." Denn immer mehr Länder - von Deutschland über die USA, Japan bis hin zu China - setzen verstärkt auf diese Energieform und investieren massiv in deren Ausbau.

Für Cominotto wie für viele andere Marktbeobachter sind derzeit in erster Linie solche Unternehmen interessant, die indirekt vom wachsenden Ökostrom-Anteil profitieren. Dazu zählten Firmen, die die dringend erforderliche Ausweitung der Stromnetze vorantreiben. Die bisherige Kapazität der Verteilnetze reiche für den Ausbau der erneuerbaren Energien auf Dauer nicht aus, sagt der Energie-Experte. "Vor allem in China und den USA stehen massive Investitionen an, da das bislang bestehende Stromnetz stark überlastet ist." Hinzu kommt, dass auch viele Offshore-Windparks ans Netz angeschlossen werden müssten, sagt Nektarios Kessidis, Aktienfondsmanager bei DWS. Allein in Deutschland sind nach Berechnungen der Deutschen Energieagentur (Dena) bis 2030 rund 27,5 Mrd. Euro für 160.000 Kilometer neue oder umgebaute Leitungen nötig.

Stromnetzausbau gibt Wachstumsimpulse

Attraktiv sind laut Cominotto daher Unternehmen wie der italienische Kabelbauer Prysmian oder NGK Insulator, ein japanischer Hersteller von Keramikisolatoren für Hochspannungsmasten. Aber auch Siemens, der Schweizer Elektrokonzern ABB und die auf Infrastrukturprojekte spezialisierten US-Baukonzerne MasTec, Quanta Services oder MyrGroup, seien angesichts des anstehenden Stromnetzausbaus einen Blick wert, meint Cominotto.

Wer von der Energiewende profitieren möchte, sollte zudem Japan nicht vergessen: "Nach der Fukushima-Katastrophe hat das Land den Atomausstieg eingeleitet und verfügt inzwischen über ein attraktives System zur Förderung von Solar- und Windenergie", sagt DWS-Energieexperte Kessidis. Hier lohnten sich direkte Investitionen in Unternehmen, die im Erneuerbaren-Energie-Bereich aktiv seien. Marktexperten zufolge sind das vor allem Konglomerate, die wie Toshiba, Kyocera oder Panasonic einen meist kleinen Teil ihres Umsatzes mit Geschäften im Solar- oder Windbereich erzielen. Japan will künftig die meisten seiner 50 Kernkraftwerke endgültig vom Netz nehmen und den Anteil der erneuerbaren Energien auf 30 Prozent verdreifachen.

Abstand nehmen sollten Anleger nach Ansicht der Fondsmanager von Aktien klassischer Solar- und Windfirmen - selbst wenn viele chinesische, aber auch deutsche Titel wie etwa Solarworld einen fulminanten Start ins neue Jahr hingelegt haben. Für die Experten ist das nicht mehr als ein Strohfeuer - ausgelöst durch eine Reihe positiver Nachrichten für den krisengebeutelten Sektor. So hat etwa China angekündigt, seine Solarstromkapazitäten in diesem Jahr mehr als verdoppeln zu wollen.

Auch das dürfte nichts an den massiven Überkapazitäten in der Branche ändern, meint Kessidis von der DWS. "Die Margen vieler Unternehmen und Modulpreise werden auf absehbare Zeit unter Druck bleiben", prognostiziert Markus Lentz, Spezialist für alternative Investments bei der Ratingagentur Scope. Laut Kessidis liegen die Produktionskapazitäten im Solarsektor bei 45 Gigawatt, die Nachfrage dagegen nur bei 35 Gigawatt.

Dieses Missverhältnis hat im vergangenen Jahr bereits zu einer Reihe von Pleiten im Solarsektor geführt - betroffen war unter anderem der einst weltgrößte Hersteller von Solarzellen Q-Cells. Auch an der Börse gerieten die Aktien vieler Unternehmen ins Straucheln. Solarworld oder SMA Solar büßten mehr als 50 Prozent ihres Werts ein.


Quelle: boerseonline
© 2013 Bloomberg

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