Der fünftgrößte deutsche Energiekonzern, die Oldenburger EWE, kündigte Verteuerungen bis zu 14 Prozent zur Jahreswende an. Vattenfall schraubt den Strompreis in Hamburg und Berlin um bis zu 8,9 Prozent nach oben. Nach Angaben des Stromportals Verivox haben bisher 40 Versorger Preiserhöhungen um durchschnittlich fünf Prozent angekündigt. "Weitere werden folgen", erwartet eine Sprecherin.
Seit zehn Jahren heben die Elektrizitätsversorger die Preise immer wieder an. Inzwischen müssen die Kunden 40 Prozent mehr zahlen als im Jahr 2000. Doch während die Branche früher mehr oder weniger einheitlich agierte - allenfalls Zeitpunkt und Ausmaß der Erhöhungen variierten - zeigen sich diesmal Risse in der Phalanx. Längst nicht alle Anbieter ziehen in der Erhöhungsrunde mit.
Die beiden größten Energiekonzerne,
RWE und
Eon, verzichten vorerst weitgehend auf Erhöhungen. Eine Anhebung bei der Tochter Lechwerke bleibe die Ausnahme, sagte ein RWE-Sprecher: "Wir halten unsere Preise bis in die zweite Jahreshälfte 2010 hinein stabil." Auch Preissenkungen seien nicht völlig ausgeschlossen. Kleinere Unternehmen haben diesen Schritt bereits vollzogen. Verivox zählte bisher 28 Versorger, die Preissenkungen zur Jahreswende angekündigt haben. Im Durchschnitt verlangen sie 3,8 Prozent weniger.
Hauptgrund für die neue Zurückhaltung ist der aufkeimende Wettbewerb um private und gewerbliche Stromkunden, auf die rund ein Viertel des Gesamtabsatzes entfällt. Energiefirmen, die die Preise erhöhen, setzen ihre Marktanteile aufs Spiel. Im vergangenen Jahr wechselten nach Zahlen der Bundesnetzagentur 2,1 Millionen Stromkunden den Anbieter, 60 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Gleichzeitig wächst der Anreiz, den angestammten Stadtwerken untreu zu werden. Lagen die Preise bei den sogenannten Grundversorgern vor anderthalb Jahren noch gleichauf mit denen überregionaler Billiganbieter bei durchschnittlich 21 Cent je Kilowattstunde, so hat sich seither ein Preisabstand von 2 Cent entwickelt: um diesen Betrag haben die traditionellen Versorger nach Verivox-Erhebungen aufgeschlagen, während die Billigmarken - oft Ableger der etablierten Großkonzerne - die Preise durchweg stabil hielten.




















