Der Silberpreis hat dank einer starken Investment- und Industrienachfrage zum ersten Mal seit März 2008 die Marke von 20 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) übertroffen. Das Edelmetall verteuerte sich in London am Dienstag um knapp ein Prozent auf 20,015 Dollar. Im späteren Handelsverlauf lagen die Notierungen bei 19,94 Dollar.
Silber wird gerne als das Gold des armen Mannes bezeichnet, weil seine Entwicklung stark vom gelben Edelmetall abhängt, es aber deutlicher billiger ist. Der Goldpreis liegt momentan bei 1255,35 Dollar je Feinunze. Gold ist aktuell wieder als sicherer Hafen gesucht: Anleger fürchten einen großen Kapitalbedarf bei den Banken. Am Dienstag diskutiert der Baseler Ausschuss über höhere Eigenkapitalanforderungen. Das "Wall Street Journal" berichtete zudem, dass in den europäischen Stresstests, deren Resultate am 23. Juli veröffentlicht wurden, der Bestand an riskanten Verbindlichkeiten zu niedrig angesetzt war.
Silber profitiert von dem Aufwärtstrend bei Gold. Im Gegensatz zu Gold findet Silber darüber hinaus Anwendung in der Industrie. Der Marktforscher GFMS erwartet dieses Jahr einen Anstieg der industriellen Nachfrage. Das Angebot dürfte dagegen stagnieren, schreiben die Experten von GFMS in einer Studie für den Interessensverband The Silver Institute: "Das sollte die Preise stützen." Seit Jahresbeginn legte der Silberpreis bereits um 18 Prozent, der Goldpreis um 14 Prozent zu.
Die guten Aussichten locken Spekulanten an. Laut Suki Cooper, Edelmetallanalystin bei Barclays Capital, kletterten die Netto-Kaufpositionen an der New Yorker Terminbörse Comex vergangene Woche auf den höchsten Stand seit Dezember.
"Der Preisanstieg wird getrieben durch eine robuste Investmentnachfrage, was sich in einer deutlichen Ausweitung der spekulativen Netto-Kaufpositionen und kräftigen Zuflüssen in den weltgrößten Silber-ETF widerspiegelt", schreiben die Rohstoffanalysten der Commerzbank.
Sie erwarten steigende Notierungen: "Bei einem Überwinden von 20 Dollar ist mit einem zusätzlichen Kaufinteresse zu rechnen." Sie begründen das unter anderem mit der aus ihrer Sicht attraktiven Bewertung. Silber sei im Verhältnis zu Gold mit einem Gold-Silber-Koeffizienten von 63 noch immer preiswert.
UBS-Edelmetallanalystin Edel Tully ist vorsichtiger. "Wir zählen zu den Silberfans. Allerdings empfehlen wir unseren Kunden, mit einem Kauf abzuwarten, bis die Preise wieder nachgeben." Ein Einstieg lohne sich vielleicht bei der nächsten Runde an Konjunkturzahlen. Momentan gibt es wenig Datenveröffentlichungen.
Quelle: ftd.de
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