Sie soll "ziemlich dramatisch" werden. Das hat US-Finanzminister Timothy Geithner mit Blick auf die Reform der beiden angeschlagenen US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac angekündigt. Erste Hinweise auf die Details könnten Marktakteure und Investoren am Dienstag bekommen, wenn sich Experten mit Vertretern der Regierung in Washington zu einer Konferenz treffen, um Wege zu einer Neustrukturierung zu diskutieren.
Angesichts der anhaltenden Misere am amerikanischen Häusermarkt steckt die Regierung allerdings in einem Dilemma. Nach dem Auslaufen von Hilfen wie einer Steuergutschrift für Hauskäufer zeigt sich die Schwäche des Markts wieder deutlich, die Preise drohen erneut unter Druck zu geraten. Fannie Mae und Freddie Mac halten den Sektor derzeit am Laufen: Die beiden Unternehmen kaufen oder garantieren mehr als 90 Prozent der Hypotheken, die momentan vergeben werden. Insgesamt ist der Markt für von der Regierung gestützte Hypotheken 5000 Mrd. Dollar groß.
Macht Washington bei der Reform Fehler, könnte das enorme Konsequenzen haben: Die Kreditvergabe könnte weiter eingeschränkt werden, Hauspreise könnten fallen und die Zahl der Zwangsversteigerungen steigen - mit womöglich drastischen Folgen für die Konjunktur.
"Das Ergebnis dieser Debatte könnte ebenso wichtig sein wie die Gesundheitsreform", sagte Ken Bentsen von der Lobbyorganisation Securities Industry and Financial Markets Association, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Häusermarkt sei ein "riesiger" Teil der amerikanischen Volkswirtschaft. Laut der Vereinigung der Bauindustrie machen Investitionen in Häuser und damit zusammenhängende Dienstleistungen rund 15 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts aus.
Laut Regierungsbeamten ist das Ziel daher, einen "bedächtigen Ansatz" zu finden. Einen detaillierten Fahrplan für die Reform will Geithner im kommenden Januar vorlegen. Die Regierung gerät zunehmend in Zugzwang, die Bemühungen voranzutreiben - nachdem das Projekt in der vor einigen Wochen verabschiedeten großen Finanzmarktreform ausgespart wurde, obwohl die beiden Unternehmen im Zentrum der Krise standen.
Fannie Mae und Freddie Mac sind zwar privatrechtlich organisiert, verfolgen aber einen öffentlichen Auftrag: die Förderung des Hauseigentums. Sie pumpen Liquidität in den Markt, indem sie Banken Hypotheken abkaufen. Diese haben dann Spielraum in der Bilanz, um neue Kredite zu vergeben. Fannie Mae und Freddie Mac bündeln und verpacken die Hypotheken in Wertpapiere. Sie geben auch Versicherungen für Hypotheken ab.
Die beiden Unternehmen halfen damit, den Boom am Häusermarkt vor der Finanzkrise zu befeuern - und gingen selbst enorme Risiken ein, die sie nach dem Platzen der Blase an den Rand des Kollapses brachten. Der Staat musste einspringen, die Rettungsaktion dürfte die teuerste der US-Geschichte werden. Fast 150 Mrd. Dollar an Steuergeld wurden bereits in die beiden Unternehmen gepumpt. Und die Kosten könnten noch deutlich steigen: Nach einem Beschluss der Regierung vom Dezember können Fannie Mae und Freddie Mac in den nächsten drei Jahren bei Bedarf unbegrenzt Kredite beim Staat aufnehmen.
Über die Notwendigkeit einer Reform herrscht Einigkeit. Die Details sind jedoch kontrovers. Ein Streitpunkt ist die bisherige implizite Staatsgarantie. Sie erlaubte es Fannie Mae und Freddie Mac jahrzehntelang, billig Geld aufzunehmen, weil Investoren davon ausgingen, dass sie im Ernstfall gerettet werden. Verlören sie die Garantie, würde der Wert der von ihnen garantierten Papiere stark sinken.





















