Warren Buffet ist ein Freund klarer Worte. "Derivate sind finanzielle Massenvernichtungswaffen", sagte er vor sieben Jahren - und da war das Schlimmste noch gar nicht geschehen. Die US-Investmentbank Lehman Brothers prosperierte, der amerikanische Versicherer AIG war noch nicht unter der Last der Kreditderivate kollabiert. Und die Staatsverschuldung war noch etwas niedriger als heute, nach den opulenten Bankenrettungsaktionen. Buffet hat recht behalten. Andererseits ist man hinterher immer schlauer.
Das scheint auch für die Banken zu gelten. Sie haben das Geschäft mit Kreditderivaten stark zurückgefahren. Sie nutzen inzwischen zentrale Abwicklungsstellen und fordern Sicherheiten von ihren Geschäftspartnern. Ohne Kaution gebe es kein Geschäft mit Kreditausfallversicherungen, den so genannten Credit Default Swaps (CDS) mehr, sagen die großen Investmentbanken übereinstimmend.
Doch die Neuerungen dringen nicht durch. Denn die Kreditinstitute sprechen nicht gern öffentlich über das Thema. Derweil sorgen die Instrumente für immer neue Schlagzeilen.
In der vergangenen Woche hat sich die US-Börsenaufsicht SEC dazu entschieden, die Investmentbank Goldman Sachs wegen undurchsichtiger Geschäfte zu belangen. Mit dabei: Natürlich CDS.
Die Instrumente funktionieren so: Der Verkäufer eines CDS verpflichtet sich, seinem Kontrahenten beim Bankrott eines Anleiheemittenten den entstandenen Schaden zu ersetzen. Wer also einen Griechenland-CDS verkauft muss seinem Geschäftspartner die Anlagesumme erstatten, wenn Hellas pleite geht. Dafür zahlt ihm der Käufer der Versicherung eine Prämie. Die ist nicht eben billig. Die Versicherung einer 10-Millionen-Euro-Griechenlandanleihe kostet derzeit zwischen 300.000 und 480.000 Euro. Dafür kann der Käufer darauf setzen, dass er sein Kapital zurückerhält - wenn alles gut läuft bekommt er die Rückzahlung vom Anleiheemittenten, ansonsten von seinem "Versicherer".
Dabei ist es nicht notwendig, die zugrundeliegende Anleihe überhaupt zu besitzen. "Zum Zeitpunkt des Abschlusses eines Geschäfts ist es unerheblich, ob überhaupt lieferbare Teile des Referenzwertes am Markt existieren", sagt Deka-Volkswirt Carsten Lüdemann.
Das führt mitunter zu bizarren Situationen: So gab es bis zum Beginn des vergangenen Jahres keine Nokia-Anleihen zu kaufen. Trotzdem war der Handel mit Nokia-CDS rege. Nur ein krudes Spekulantenspiel? "Nein", sagt Lüdemann. "Für Anleger war das eine Möglichkeit, ihre Telekomportfolien mit einem sicheren Industrienamen zu diversifizieren". Sprich: Wenn die gesamte Telekombranche in eine Schieflage geraten sollte, wäre vermutlich auch Nokia betroffen und die Kreditversicherung würde greifen.
Eine fragwürdige Analogie
Eben diese Praxis ist Politikern wie der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) oder dem französischen Ministerpräsidenten Nicholas Sarkozy aber ein Dorn im Auge. "CDS auf Staaten sind nichts anderes, als wenn man das Haus des Nachbarn versichert, nur um es später anzuzünden und Profit damit zu machen", lautet ein Bonmot, das CDS-Kritiker vortragen. Eine fragwürdige Analogie, sagt hingegen Jochen Felsenheimer.
Er benutzt ein anderes Bild: "Stellen Sie sich vor, es gebe ein zum Teil staatlich gefördertes Wohnbauprojekt in einem Tal, durch das ein Fluss fließt. Die Regierung verbietet es den Siedlern, sich gegen Hochwasserschäden zu versichern. Schließlich könnte eine Flut die Versicherungsbranche dann in die Pleite treiben. Nachdem die Menschen ihre Häuser trotzdem gebaut haben, beschließt die Regierung, einen Staudamm zu bauen und das Tal zu fluten", schließt Felsenheimer.
Übersetzt heißt das: Wer es Investoren verbietet, sich gegen einen Ausfall von Staaten zu versichern, bringt die in eine schwierige Lage. Man stelle sich vor, Kreditausfallversicherungen seien verboten, Investoren würden ihre Gelder dennoch an einen Staat verleihen und der ginge dann pleite. "Gäbe es keine Möglichkeit, sich mit CDS gegen eine Staatspleite abzusichern, wäre Griechenland seine Anleihen vielleicht gar nicht losgeworden", sagt Felsenheimer. Auf die Märkte hätte sich das vermutlich katastrophal ausgewirkt.































