19.11.2008
Über den Banken verdunkelt sich der Himmel.
Über den Banken verdunkelt sich der Himmel.
Foto: dpa-PA

Credit Default Swaps

Milliardenverluste durch Kreditversicherungen

von Leo Müller

Finanzexperten schätzen nach einem Bericht von Capital, dass den Banken durch Ausfälle und Wertberichtigungen bei Kreditversicherungen, sogenannten Credit Default Swaps, weitere Verluste drohen. Sie schätzen diese künftigen Belastungen weltweit auf weitere 32 bis 158 Milliarden Dollar.

Die Credit Default Swaps, die eigentlich als Instrumente zur Absicherung von Kreditrisiken entwickelt wurden, gelten seit der Beinahe-Pleite des US-Versicherungskonzerns AIG als Brandbeschleuniger der Finanzkrise. Banken, Hedgefonds und Versicherungen haben mit den Swaps Wettspiele in schwindelerregendem Ausmaß organisiert. Der US-Versicherungskonzern AIG musste bislang mit rund 150 Milliarden Dollar Staatshilfe gestützt werden, weil ein Dominoeffekt unter Großbanken befürchtet wurde, der viele weitere Institute in die Pleite reißen könnte.

Capital.de hat aufgrund erstmalig in den USA veröffentlichter Zahlen berechnet, dass derzeit mehr als 100.000 solcher Swap-Verträge ausstehen, die auf Risiken von deutschen Banken und Großunternehmen geschrieben sind. Diese Swap-Kontrakte auf deutsche Unternehmen haben ein Nominalvolumen von 893 Milliarden Dollar, der sich am ursprünglichen Buchwert der versicherten Kredite oder Unternehmensanleihen orientiert. Der tatsächliche Wert der versicherten deutschen Risiken beträgt demnach aktuell immer noch rund 80 Milliarden Dollar. Spitzenreiter unter den versicherten Risiken sind in Deutschland die Deutsche Bank, die Deutsche Telekom und Volkswagen (siehe Tabelle).

Auf deutsche Risiken ausstehende Credit Default Swaps

Unternehmen Nominalwert brutto in Mio USD Netto-Wert in Mio USD Zahl der CDS-Verträge
Deutsche Bank AG 68544 9176 5893
Deutsche Telekom AG 68386 4786 6855
Volkswagen AG 50512 3294 5426
Allianz SE 25936 3092 2489
E.ON AG 32917 3000 3402
Siemens AG 27914 2929 3154
Daimler AG 36261 2711 3519
Commerzbank AG 31795 2697 3513
DaimlerChrysler AG 39375 2622 4691
Bayer AG 26137 2379 3150
BMW AG 30907 2336 3527
Hannover Rück AG 27324 2258 3173
Münchner Rück AG 28264 2228 3395
Deutsche Lufthansa AG 33797 2173 4696
Porsche Automobil Holding SE 9591 2111 746
ThyssenKrupp AG 31240 2082 4123
Metro AG 26759 2006 3339
Linde AG 24332 1768 3163
BASF AG 14230 1710 1701
Heidelbergcement AG 20017 1596 2960
Bertelsmann AG 19356 1587 2592
TUI AG 17723 1565 2864
RWE AG 25045 1544 2932
Henkel KGaA 11491 1462 1365
Dresdner Bank AG 11365 1295 1312
BASF SE 7678 1189 915
Deutsche Post AG 13703 1187 1677
ENBW Energie AG 12464 1130 1546
Bayr. Hypo- und Vereinsbank AG 14766 1109 1685
Fresenius SE 7491 958 1326
Evonik Degussa GmbH 7437 934 1132
Fresenius AG 4907 890 882
Porsche AG 2662 842 207
Südzucker AG 10352 796 1571
WestLB AG 7206 795 982
Degussa GmbH 9244 775 1396
Henkel AG & Co. KGaA 2905 743 369
Grohe Holding GmbH 13046 724 2240
IKB AG 3828 686 519
Kabel Deutschland GmbH 19680 669 2771
Degussa AG 4227 664 606
Infineon Technologies Holding B.V. 6752 646 1143
Merck KGaA 2036 531 228
Bayr. Landesbank 1964 522 219
Deutsche Bahn AG 2130 487 275
893696 80684 105669

Quelle: Warehouse CDS Data der Depository Trust & Clearing Corporation DTCC

Das Geschäft der Credit Default Swaps wird von keiner Aufsichtsbehörde kontrolliert. Daher können die Behörden das Volumen der Geschäfte auch nur grob schätzen. Sie kalkulieren, dass weltweit Credit Default Swaps im Nominalwert von rund 50 Billionen Dollar im Umlauf sind. Das tatsächlich versicherte Risiko wird "nur" auf ein bis drei Billionen Dollar geschätzt. Unklar ist immer noch, wer welche Risiken versichert hat und wer am Ende beim Ausfall großer Unternehmen für Schadenzahlungen aufkommen muss. "Das Risiko ist irgendwo, aber wir wissen nicht wo", zitiert Capital die Expertin Pauline Wallace vom Prüfkonzern PWC.

In Deutschland veröffentlichen weder die Bundesbank noch die Finanzaufsicht Bafin konkrete Zahlen über die Swap-Geschäfte. Gegenüber Capital.de erklärte ein Sprecher der Aufsichtsbehörde: "Auf Einzelinstitutsebene informiert sich die Bafin sehr genau über die jeweiligen Volumina und Risiken." Zahlen über das Gesamtvolumen veröffentliche die Bafin jedoch nicht.

Lesen Sie im neuen Capital den Bericht "Die 50-Billionen-Falle".


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