Die meisten Menschen haben einen großen Traum: einmal in Rio de Janeiro den Karneval feiern, sich eine Strandvilla auf Mallorca kaufen oder einfach mal mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug springen. Christopher Flowers scheint da nicht anders zu sein - sein Ziel ist nur etwas, nun ja, eigen. Er will eine Sparkasse kaufen - und das schon lange.
Nun hat sich der US-Finanzinvestor seinen Traum erfüllt: Er steigt bei dem spanischen Sparkassenverbund Banca Cívica ein. Am Freitag teilte die Bank mit, dass Flowers Wandelanleihen des Instituts im Wert von 450 Millionen Euro zeichnen wird. Diese Anleihen sollen dann zu einem späteren Zeitpunkt in Aktien umgewandelt werden.
Das Pikante: Ebenfalls am Freitag wurde bekannt, dass die Banca Cívica durch den europäischen Bankenstresstest gefallen ist. Dass die europäischen Bankenaufseher das Institut also für nicht gänzlich krisenfest halten, stört Flowers allerdings nicht. Ganz im Gegenteil: "Wir haben den spanischen Finanzmarkt eingehend studiert und halten die Banca Cívica für eines der solidesten Institute mit großem nationalen und internationalen Wachstumspotenzial", teilte Flowers via Pressemitteilung mit.
Ob ihn die Sehnsucht nach dem Besitz einer eigenen Sparkasse da vielleicht blind macht? Jahrelang hatte Flowers versucht, die abgeschotteten Sparkassen in Deutschland zu knacken. Im Jahr 2003 beschwerte er sich bei der EU-Kommission in Brüssel darüber, dass private Investoren in Deutschland nicht in Sparkassen einsteigen dürfen.
Hintergrund war, dass er die Bankgesellschaft Berlin - die heutige Landesbank Berlin - kaufen wollte, zu der die Sparkasse Berlin gehört. Doch Sparkassen und Politik liefen Sturm. Zwar zog Flowers seine Beschwerde später zurück - doch der Streit zwischen Brüssel und Deutschland über das Thema ging noch Jahre weiter. Bis heute hat es kein privater Investor geschafft, bei einer deutschen Sparkasse einzusteigen.
Auch in Spanien war dies jahrelang gesetzlich untersagt. Erst Anfang Juli änderte die Regierung das Gesetz. Nun können sich auch private Investoren an den bisher rein öffentlich-rechtlichen Instituten beteiligen. Dass Flowers so schnell zugeschlagen hat, zeigt, dass der Amerikaner den europäischen Bankenmarkt weiterhin genauestens beobachtet.
Das ist nicht gerade selbstverständlich: Jahrelang nämlich hatte Flowers seinen Fokus in Europa auf Deutschland. Und hier legte er mit seinen beiden Engagements, der inzwischen verstaatlichten Hypo Real Estate und der HSH Nordbank, ziemliche Bauchlandungen hin - und verlor sehr viel Geld. In Deutschland hat Flowers ausgeträumt - in Spanien kann es eigentlich nur besser für ihn laufen.
Ein Rockstar in der Szene der Finanzinvestoren wurde Flowers ab dem Jahr 2000, als er die japanische Long-Term Credit Bank (LTC) für 1,1 Mrd. Dollar kaufte, diese in Shinsei umbenannte und 2002 enorm erfolgreich an die Börse brachte. Allein am ersten Handelstag sprang der Kurs um 58 Prozent. Bis zum Jahr 2006 konnte Flowers für das japanische Geldinstitut knapp 8 Mrd. Dollar an der Börse einsammeln.
Doch dann verpasste er den Ausstieg. Im Zuge der Krise ging es auch mit Shinsei bergab. In der vergangenen Woche hatte die Aktie nach einem zweimonatigen Sinkflug um 37 Prozent verloren. Er sei verpflichtet, an dieser Bank festzuhalten, sagte Flowers dazu der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Quelle: ftd.de
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