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25.01.2013
Christian Schütte
Christian Schütte
Foto: Georges Pauly

Christian Schütte

Ausstieg 2013

Dieses Superwahljahr ist unsere Chance, Unnützes und Überteuertes loszuwerden. Fangen wir beim Rundfunksystem an.

Für 2013 habe ich mir vorgenommen, mir weniger vorzunehmen. Gerade in hektischen Zeiten ist die am meisten unterschätzte Produktivitätsreserve schließlich eine wohldurchdachte Not-to-do-Liste.

Frage nicht, was du noch alles für dein Land, deine Firma, deine Familie, unser Klima oder auch für dich selbst tun kannst. Sondern frage dich erst einmal, welchen vollkommen überflüssigen, Zeit, Geld und Nerven auffressenden Blödsinn du in Zukunft einfach bleiben lassen könntest.

Solang da noch etwas ist, gibt es vieles nicht zu tun. Packen wir es an!

Streichzeit. Womit wir auch schon mitten im Superwahljahr wären. Meine Stimme hat derjenige, der die überzeugendste Not-to-do-Liste aufbieten kann.

Ich hätte dafür auch einen ersten, zugegeben wenig originellen Vorschlag: Streichen wir all jene Teile des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die kein Mensch noch einmal installieren würde, wenn dieser Funk in unseren Tagen völlig neu aufzubauen wäre.

Also schätzungsweise gut zwei Drittel.

Bereits seit Wochen wundern sich ja die Leute, dass sie für diese Veranstaltung künftig auch noch dann zahlen sollen, wenn sie ganz bewusst und radikal darauf verzichten. WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn hat das mit einer Parole gekontert, die man sich für das Album "Berühmte letzte Worte" vormerken sollte: Der Zwangsbeitrag sei doch nur die gelebte Solidarität einer "Demokratie-Abgabe".

Wo fängt man da an, wenn man es kurz halten will?

Haben also Amerikaner oder Niederländer, die solche "Demokratie-Abgaben" nicht zahlen, gar keine Demokratie? Sind es Alarmsignale der politischen Verwahrlosung, wenn sich einige Bürger lieber nur aus Gedrucktem informieren? Oder neuerdings Frau Merkel lieber gleich im O-Ton via Kanzlerinnen-Podcast oder Bundestags-livestream lauschen?

Wird man andererseits bei uns schon Qualitätsdemokrat, wenn man nur beim WDR-"Tor des Monats" und beim ZDF-"Wetten, dass..?"-TED mitvotet?

Solidarität ist natürlich immer schön. Aber warum ist dann ausgerechnet diese "Demokratie-Abgabe" völlig gleich für Arm und Reich? Eine Art Kopfsteuer, die auch noch von einer eigens zu diesem Zweck eingerichteten Finanzpolizei eingetrieben wird?

Und wenn schon so eine Abgabe - wie hoch genau muss die denn sein? Geht Demokratie in Deutschland tatsächlich nur mit dem teuersten öffentlichen Rundfunksystem der Welt?

Grundversorgung. Im vergangenen Jahr hat die GEZ etwa 7,5 Mrd. Euro eingesammelt. 7500 Millionen - das ist mehr als zehnmal so viel, wie der Bundestagsbetrieb kostet und knapp viermal so viel wie das Gesamtbudget des Kanzleramts.

Oder anders gerechnet: 7500 Mio. Euro - aus diesem Topf hätten wir 2012 problemlos den Bundestag plus den Bundesrat plus das Bundeskanzleramt plus das Bundesverfassungsgericht plus diverse Bundespräsidenten sowie zur strengen Kontrolle den Bundesrechnungshof finanzieren können.

Und wir hätten danach noch immer mehr als genug Geld gehabt, um auch das Bundesjustiz- und das Bundesumweltministerium zu bezahlen.

Wäre der Preis für dieses Paket der demokratischen Grundversorgung eine dröhnende Qualitätsfunkstille gewesen? Mitnichten.

Nach Abzug all der genannten Posten hätten im GEZ-Topf nämlich noch immer 2,6 Mrd. Euro gelegen. Mehr als genug für ein vorzeigbares und ausgewogenes Informations- und Kulturprogramm: Nur 200 Mio. Euro jährlich kostet das Deutschlandradio, je knapp 1 Mrd. Euro der Bayerische Rundfunk und der NDR. Da bliebe sogar noch Kleingeld übrig für den Ereigniskanal Phönix (35 Mio.) sowie die kompletten Staatszuschüsse an die Parteien (150 Mio.) und gelegentlichen Werbeaufwand bei einer Bundestagswahl (2009: 62 Mio.).

Fragen Sie mich aber nicht, was bei diesem Programm aus dem Job des WDR-Chefredakteurs wird.

Aus dem Magazin

 

Dieser Beitrag stammt aus Capital Heft 02/2013.

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Was die Leser sagen

Herbert
26.01.2013 | 10:09
Die GEZ fuer alle Rentner/Pensionaere abschaffen !

Da streiten sich die Parteien um kleine Rentenerhoehungen und deren kleine Summe. Aber es geht doch so einfach: Die GEZ oder welchen Namen sie in Zukunft auch immer traegt, einfach abschaffen und schon haben wie eine Rentenerhoehung!
Man knn sich nur an den Kopf packen, dass man den aermsten Rentnern auch noch die GEZ heute aufknechtet !
Die Politik hat versagt !!!

(Kommentare 1-1 von 1)

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