Die Europäische Zentralbank (EZB) verschärft die Bedingungen für die Hinterlegung von Sicherheiten. Dazu verhängt sie höhere Bewertungsabschläge für Bank- und Unternehmensanleihen sowie für Verbriefungen (Asset-Backed Securities, ABS). Ausgenommen von den Änderungen sind Staatsanleihen. Die neuen Regeln, die ab 2011 greifen, stellte sie am Mittwoch vor.
Im Zuge der Krise lockerte die EZB ihre Sicherheitenregeln, um den Banken die Refinanzierung zu erleichtern. Konkret geht es um Repo-Geschäfte, bei denen sich die Finanzinstitute Zentralbankgeld leihen und dafür im Gegenzug Wertpapiere deponieren. Akzeptierte die EZB vor den Marktturbulenzen nur Papiere mit einem Rating von mindestens "A-", so senkte sie die Note auf "BBB-" ab.
Die Verschärfungen trifft vor allem Banken aus südeuropäischen Ländern wie Griechenland, Portugal und Spanien. Auf dem Interbankenmarkt erhalten sie nur zu sehr ungünstigen Konditionen Geld. Daher sind sie auf die Zentralbank angewiesen. Die portugiesischen Banken liehen sich von der EZB im Juni mit 40,2 Milliarden Euro so viel Geld wie noch nie. Verlangt die EZB nun höhere Abschläge, so wird dieser Fluchtweg kostspieliger.
Der neue Sicherheitenrahmen ist nicht mehr allein nach Laufzeit und Liquiditätskategorie gestaffelt, sondern richtet sich künftig auch nach dem Rating. Dabei gilt: Je länger die Laufzeit, je illiquider das Papier und je schlechter die Ratingnote, desto höher ist der Abschlag ("Haircut"). Er reicht nach der Reform von 0,5 Prozent bis maximal 69,5 Prozent. Das bedeutet: Hinterlegt eine Bank ein Wertpapier mit dem Nennwert 100, behält die EZB 69,5 davon als Sicherheit ein. Das soll die Zentralbank vor Ausfällen schützen.
Die EZB verhängt für Pfandbriefe, besicherte Bankanleihen, strukturierte Anleihen, spanische Multi-Cédulas, Unternehmensbonds und ABS-Papiere mit einem Rating von bis zu "A-" künftig höhere Abschläge. Für Covered Bonds wird beispielsweise ab einer Restlaufzeit von drei Jahren ein höherer Haircut verlangt, bei ABS-Papiere werden unabhängig von der Laufzeit generell statt zwölf künftig 16 Prozent fällig.
Bei Papieren, für die es keinen Marktpreis gibt und die deshalb theoretisch bewertet werden, geht die EZB ab nächstes Jahr ebenfalls härter vor. Wurde bisher nur für illiquide ABS-Papiere ein zusätzlicher Abschlag von fünf Prozent fällig, so wird der Haircut ab 2011 auch auf nicht-handelsfähige Bankanleihen angewandt. Das könnte insbesondere griechischen Kreditinstituten zusetzen. Sie hatten in der jüngsten Vergangenheit Covered Bonds extra aufgelegt, um sie dann bei der EZB zu platzieren. Für sie gibt es momentan keine privaten Abnehmer und damit auch keinen Marktpreis.
Quelle: ftd.de
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