Axel Retz ist seit mehr als 25 Jahren Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten und betreibt das Portal
private-profits. Konservative Anleger finden dort seit Jahren bewährte, treffsichere Strategien zur Outperformance der Märkte in Hausse- und Baissephasen. Aggressivere Trader finden alle notwendigen Tools, um mit kleinem Einsatz kurzfristige Gewinne zu erzielen. "Phasen, in denen sich keine Gewinne erzielen lassen, das sind die Seitwärtsmärkte. Aber sie sind nichts anderes als Unterbrechungen im Trendverhalten. Technische oder fundamentale Analyse? Für mich macht es die Mischung!"
Kaum ziehen die Aktienkurse einmal etwas an, werden die Anleger auch schon mit Schimpf und Schande überhäuft. Den Vogel schoss in der vergangenen Woche eine Kolumne in der Financial Times Deutschland ab, der die Aufwärtsbewegung als „Idioten-Rallye“ bezeichnete.
„Idiotisch“ scheint momentan nur die prozyklische, krisenverstärkende Rettungsstrategie des Euro-Raums zu sein, die Schulden mit noch höheren Schulden bekämpft und den systemimmanenten Fehler des wirtschaftlichen Wachstumszwangs durch rezessionsfördernde Spardiktate auf seinen letzten Vorhang zutreibt. Wohin das führt, lässt sich in der Klarheit einer griechischen Tragödie am Beispiel eben dieses Landes ablesen, wo in den vergangenen Jahren nur die Schulden stiegen, die Konjunktur aber immer tiefer unter die Räder kam. Anstatt einmal einzusehen, wo die Ursachen dieser Entwicklung liegen, schaufelt die EU wie mit Scheuklappen bewehrt ständig neue Gelder nach Athen und würgt gleichzeitig die Wirtschaft mit verordneten Steueranhebungen und der nahezu völligen Vermauerung öffentlicher Investitionsspielräume vollends ab.
500 Milliarden Euro stehen dem nun beschlossenen und ab Juli in Kraft tretenden EFSF-Nachfolger ESM zur Verfügung, für den Italien gleich einmal eine Verdopplung forderte. Mit 480 Milliarden an Krediten und Garantien steht der am Donnerstag vom Bundestag reaktivierte Bankenrettungsfonds SoFFin bereit, und die über den Umweg von Weltbank, IWF, EIB und die Notenbanken in die Märkte gepumpten oder garantierten Billionen lassen sich heute kaum mehr beziffern. Dessen ungeachtet übertreffen sich die Verantwortlichen derzeit fast täglich mit neuen Vorschlägen, noch mehr Geld zur Rettung der Schuldenmeister zur Verfügung zu stellen, während die Ratingagenturen ihren Feldzug gegen den Euro mehr und mehr forcieren. Mit Italien und Spanien nahm Fitch am Freitag immerhin die dritt- und viertgrößte Volkswirtschaft des Euroraums unter Beschuss, beide Länder wurden um gleich zwei Stufen abgewertet. Und nach Griechenland droht (oder sollte ich sagen: winkt) nun auch dem bereits auf Ramschstatus abgestürzten Portugal ein Schuldenschnitt. Womit sich meine Einschätzung zu bewahrheiten scheint, dass die Krisenpolitik der EU Dominoeffekte nicht verhindert, sondern sie geradezu provoziert.
Glaubt man dem Konsens des Finanzzirkus in Davos, hat die Weltwirtschaft bis jetzt nicht einmal den Gipfel der Krise erreicht. Wie auch, möchte man fragen, wenn der Schuldenberg, auf dem die Krisenbekämpfer unterwegs sind, von ihnen selbst ständig erhöht wird, um damit Zeit für seinen Abbau zu gewinnen? Der offenkundige Irrsinn dieses Vorgehens ist kaum noch zu toppen, außer von Brüssel.
Und wie, wenn die Notenbanken genau den Kurs, den sie einst ganz richtigerweise als Keimzelle der Krise ausgemacht haben, nämlich viel zu viele und viel zu billige Kredite für nicht kreditwürdige Schuldner, nun wie die Federal Reserve noch auf Jahre hinaus festschreiben?






















