Die systemische Gefahr für die globalen Kapitalmärkte durch das Auflösen riskanter Positionen auf dem Währungsmarkt wächst. Der Barclays-Capital-Carry-Unwind-Risk-Index erreichte mit 52,8 Punkten den höchsten Stand seit 15 Monaten. Er überschritt zum ersten Mal seit März die Schwelle von 50 Zählern. "Das ist das Niveau, das eine erhöhte Gefahr eines Auflösens von Carry-Strategien signalisiert", sagte Aroop Chatterjee, Währungsstratege bei Barclays.
Carry-Trades waren in den vergangenen Monaten äußerst beliebt. Bei solchen Transaktionen verschulden sich Anleger in Niedrigzinswährungen wie dem japanischen Yen und legen ihr Geld höher verzinst im Ausland an. Gesucht werden beispielsweise der australische und der neuseeländische Dollar. Gefragt ist die Strategie, wenn die Schwankungen an den Märkten gering sind und es an den Aktienbörsen aufwärts geht.
Nimmt die Volatilität zu, werden sie aufgelöst. Anleger sind gezwungen, ihre Carry-Wetten abzuwickeln. Die Verkäufe können einen größeren Rutsch einer Devise nach sich ziehen - was wiederum gravierende Auswirkungen auf Aktien-, Anleihe- und Derivatemärkte haben kann. Aufseher wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sehen darin ein systemisches Risiko. Sie wollen deshalb Carry-Trades künftig besser nachvollziehen können.
Wegen der europäischen Schuldenkrise, der Angst vor einem Rückfall in die Rezession in mehreren Ländern und der Aussicht auf eine geldpolitische Straffung in China werden die Anleger nervöser. Ihre Risikoaversion sei deutlich gestiegen, sagte Barclays-Capital-Stratege Chatterjee: "Ursache für den Anstieg des Carry-Unwind-Index sind höhere Risikoaufschläge (für Staatsanleihen), ein höherer Preis für das Risiko und eine größere Skepsis gegenüber Hochzinswährungen."
Schon jetzt spiegelt sich die Gefahr in den Kursen wider. Gegenüber dem Yen verloren der
australische und der
neuseeländische Dollar in den vergangenen vier Wochen 8,5 Prozent sowie 7,9 Prozent. Im Gegensatz dazu stehen
Yen und
Dollar als sichere Häfen auf der Kaufliste der Investoren weit oben - und das trotz der hohen Staatsverschuldung beider Länder.
Selbst politische Turbulenzen können dem Yen derzeit nichts anhaben. Nach dem Rücktritt von Premierminister Yukio Hatoyama kündigte sein Nachfolger, der Ex-Finanzminister Naoto Kan, einen strikten Sparkurs an. "Ich will Japan von Grund auf wiederaufbauen", sagte Kan am Dienstag, bevor er von Kaiser Akihito vereidigt wurde. Dieses Jahr nimmt das Land 44.000 Milliarden Yen (402 Milliarden Euro) über die Emission von Staatsanleihen auf, um das Defizit zu finanzieren. Der starke Yen sei ein Grund zur Sorge, sagte Kan. Eine schwächere Währung sei hingegen gut für die Exportwirtschaft.






























