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27.12.2011

Foto: Shutterstock

Anlagestrategie

Absolut statt relativ

von Heino Reents

Investoren orientieren sich gern an einer bestimmten Benchmark. Das macht in diesen unruhigen Zeiten aber nur wenig Sinn.

Der Blick auf den Vergleichsindex spielt im heutigen Asset-Management immer noch eine große Rolle. Wie hat der Vermögensverwalter, wie hat der Fonds abgeschnitten im Vergleich zu seiner Benchmark? Doch die feste Orientierung an so einem Vergleichsindex ist umstritten. Schließlich nützt es dem Anleger nichts, wenn der Index, wie im August beim DAX geschehen, 20 Prozent in die Tiefe rauscht, der Fondsmanager aber nur 15 Prozent Wertverlust erzielt.

Eine Studie der Fondsgesellschaft Union Investment zeigt, dass absolute Renditen an Bedeutung gewinnen. Zwar geben 79 Prozent der befragten Investoren an, dass für sie die Vermeidung von Verlusten die größte Rolle bei Anlageentscheidungen spielt. Für 45 Prozent ist allerdings besonders wichtig, dass eine bestimmte Mindestrendite nicht unterschritten wird. Die Vermeidung einer Underperformance gegenüber einem Index nennen lediglich 17 Prozent als wesentlichen Aspekt. "Die Index-Benchmark hat als Ertragsziel ausgedient. Relative Renditen helfen den Investoren im derzeitigen Umfeld nicht weiter", sagt Alexander Schindler, Vorstand von Union Investment.

"Benchmarkunabhängiges Investieren wird meines Erachtens wichtiger, weil immer mehr Anleger passiv und damit indexorientiert investieren", sagt auch Jörg Lange von der Fonds Investberatung Petersen & Lange aus Hannover. Der Fondsexperte bezeichnet sich selbst als Anhänger des Value-Ansatzes, der der Benchmark wenig Beachtung schenkt. "Ein Indexinvestment ist eine reine Marktwette, die dem Charakter der Beteiligung an profitablen, gering verschuldeten Unternehmen nicht gerecht wird."

Für Lange gibt es deshalb nur zwei Möglichkeiten. "Entweder treffen Privatanleger eine eigene Auswahl an Aktien oder sie wählen aktiv agierende Fondsmanager aus, die durch ihre Titelauswahl und/oder der Asset-Allokation ihren Anlagebedürfnissen gerecht werden." Als Beispiel nennt Lange den Flossbach von Storch Multiple Opportunities, der mit seiner äußerst aktiven Anlagestrategie sehr gut durch die vergangenen, turbulenten Marktphasen gekommen ist und als einer der wenigen Fondsmanager seinen Anlegern auch in diesem Jahr eine positive Performance beschert hat.

Die Mehrheit der Fondsmanager investieren aber immer noch sehr benchmarkorientiert, wohl auch, weil man da am wenigsten falsch machen kann. Doch Fonds, die über Jahre mit dem Vergleichsindex laufen, sind eigentlich nutzlos und haben keine Berechtigung, weil Anleger dann auch in kostengünstigere passive Produkte investieren könnten. Ziel eines guten Fondsmanagements sollte es aber sein, den zugrunde liegenden Vergleichsindex zumindest zu schlagen. Das gelingt aber den wenigsten Fondsmanagern, wie eine Studie der Ratingagentur Lipper in Zusammenarbeit mit Avana Invest ergab.

"Es steht fest, dass die Branche sich von der Benchmark-Fixierung lösen muss", sagt Susanne Hellmann, Geschäftsführerin ING Investment Management Germany. In den vergangenen 30 Jahren habe sich etwas Grundlegendes geändert: "Früher ging es darum, ob man etwas mehr oder etwas weniger als die Benchmark verdient hat", sagt Hellmann. "Heute ist das nicht mehr der Fall. Für die Anleger spielt es keine Rolle, ob sich ihr Fonds besser als der jeweilige Referenzwert entwickelt hat. Wichtig ist in erster Line, dass die Anlage grundsätzlich eine positive Rendite erwirtschaftet, beziehungsweise in schwierigen Marktphasen nichts verliert."

Flexible Konzepte gefragt

Immer mehr Anleger vertrauen angesichts der Unsicherheit und der hohen Schwankungen an den Märkten nicht mehr nur reinen Aktien- oder Rentenfonds. Sie wollen flexible Konzepte. Besonders sogenannte Absolute-Return-Strategien mit nachhaltiger und guter Erfolgsbilanz dürften bei Investoren künftig stärker punkten. Viele Gesellschaften haben zuletzt solche Produkte aufgelegt, bei denen der Manager besonders viele Freiheiten besitzt und in unterschiedliche Anlageklassen investieren kann.

Wichtigstes Merkmal der Absolute-Return-Fonds: Sie versprechen absolute Renditen und Sicherheit durch Diversifikation. Zudem werden sie immer häufiger mit Mechanismen ausgestattet, die Verluste verhindern beziehungsweise begrenzen sollen.

Arne Sand, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Sand und Schott mit Sitz in Stuttgart, beobachtet schon seit einigen Jahren eine stetige Nachfrage nach benchmarkunabhängigen Konzepten. "Doch in den vergangenen Jahren - nachdem viele Benchmarks seit nun mehr als zehn Jahren keine Rendite liefern - ist die Nachfrage noch einmal deutlich gestiegen", sagt Sand, der für seine Kunden in der Vermögensverwaltung nur aktiv gemanagte Fonds auswählt, die ihrerseits unabhängig von Benchmarks sind. Und das aus gutem Grund: "Die Vermeidung von hohen Verlusten ist ein Eckpfeiler der Strategie, denn das ist langfristig nicht wieder aufzuholen." Auch als Vergleichsmaßstab seien Indizes wie DAX oder S&P 500 mit Vorsicht zu genießen, vor allem dann, wenn es sich um kapitalgewichtete Indizes handelt, sagt Sand. Das bedeutet, dass die Werte mit der größten Marktkapitalisierung den höchsten Anteil im Index haben. "Das führt zu dem Effekt, dass der Anleger immer in der Rückspiegel schaut, also Aktien hoch gewichtet hat, die in der Vergangenheit gelaufen sind."


© 2011 ftd

Was die Leser sagen

ETF`ler
28.12.2011 | 09:06
ETF vs. Aktive Fonds

Immer der versuch der Fondsbranche Ihre überteuerten Fonds gegenüber ETF´s zu rechtfertigen.
Fakt ist nunmal, dass die breite Masse der Fonds keinen Mehrwert für Ihre Gebühren bringen, sprich den Vergleichsindex zu schlagen.
Eignet euch Finanzielles Wissen an, den sonst macht ihr mit eurem Geld nur andere reicher und euch (nach Inflation und Steuer) ärmer!

(Kommentare 1-1 von 1)

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