30.03.2009
Viele Sparer setzen wieder auf konservative Anlagen.
Viele Sparer setzen wieder auf konservative Anlagen.
Foto: dpa-PA

Altersvorsorge

Jetzt wird´s spießig

von Herbert Fromme

Die Turbulenzen an der Börse und die wirtschaftliche Lage bringen so manchen persönlichen Plan für die Altersvorsorge ins Wanken. Anleger, die sich die Finger verbrannt haben, bringen konservativen Formen der Vermögensbildung immer mehr Interesse entgegen.

Meistens wird das Thema totgeschwiegen. Am Arbeitsplatz, bei Parties und Empfängen: Selten spricht jemand darüber, wie viel Geld er in den vergangenen beiden Jahren am Aktienmarkt oder mit Zertifikaten verloren hat. Denn das gilt als persönliches Versagen.

Nur spät abends, oder gegenüber wirklich guten Freunden, kommt heraus, wie viele tausende der gut verdienende PR-Manager oder die erfahrene Ärztin an der Börse versenkt haben. Meistens verbunden mit einer Art tapferer Resignation, "da kann man eh' nichts machen", gelegentlich verbunden mit einer stillen Empörung über Berater, die entsprechende Vorschläge gemacht haben.

Für eine ganze Generation gut verdienender Angesteller und Freiberufler bringt die Finanzkrise die persönliche Altersvorsorge-Planung völlig ins Wanken. Fast alle haben irgendwie an Aktien geglaubt - das haben ihnen schließlich Experten, Magazine und ihre eigenen Berater jahrelang eingeschärft. Langfristig sei nur die Aktie in der Lage, hohe Erträge zu liefern. Die erste große Finanzkrise in diesem Jahrhundert von 2001 bis 2003 erschütterte diese Gewissheit zwar kurzfristig. Aber dann investierte vor allem die jüngere Generation der Besserverdienenden wieder in Börsenwerte.

Konjunktur für traditionelle Sparformen

Auch nach dieser Krise wird es weiterhin Interesse an Aktien geben, aber wohl auf deutlich reduziertem Niveau. Zunächst einmal fragen sich viele, wo sie jetzt anlegen und für ihre Altersvorsorge investieren sollen. Das ist die Zeit traditioneller Investments.

Da wird eine Wohnung oder ein Haus gekauft oder die noch ausstehende Hypothek abbezahlt - schließlich sind das Realwerte. Die stille Hoffnung: So könnte man der Inflation trotzen, die von vielen Experten als Ergebnis der gigantischen Staatsverschuldung in Folge der vielen Hilfsprogramme gesehen wird. Das Risiko besteht natürlich darin, dass der Wert der Immobilie in Folge der Krise noch weiter kräftig sinken könnte und damit die Ersparnis sich zum Teil in Luft auflöst.

Auch das gute alte Gold hat wieder Freunde gefunden. Jede Nachricht, dass die Eurozone unter Druck ist und das eine oder andere Mitgliedsland den Austritt aus dem Währungsbund erwägt, führt zu neuen Rekordwerten beim Absatz des Edelmetalles. Schließlich aber gewinnen konservative Sparformen an Boden - von der traditionellen Kapital-Lebensversicherung bis zum Bausparvertrag.

Bei den Fonds sind die Rentenfonds vorn, die das ihnen anvertraute Geld in Staats- und Unternehmensanleihen anlegen. Garantiefonds und fondsgebundene Lebensversicherungen mit Kapitalerhaltsgarantie haben ebenfalls Konjunktur, dazu gehören auch Riester- und Wohnriester-Angebote.

Das geht natürlich zu Lasten der Dividende und ist in gewisser Weise Augenwischerei: Wenn ein Anleger 30 Jahre lang 200 Euro im Monat in einen Fonds einzahlt, sind das 72.000 Euro. Verzinst mit vier Prozent erhielte er nach drei Jahrzehnten rund 138.000 Euro. Da hat der Rückfall auf die garantierten 72.000 Euro die selbe Wirkung wie ein mittlerer Aktiencrash.

Die Hinwendung zu konservativeren Möglichkeiten der Geldvermehrung ändert nichts an einem Grundproblem - der Anleger braucht Beratung, auf die er sich verlassen kann. Das Verhältnis von Geldhäusern zu Kunden hat massiv gelitten. Dabei geht es nicht um Extremfälle wie die in der Branche gerne "Lehman-Oma" genannten älteren Frauen, denen Bank oder Sparkasse Zertifikate der inzwischen insolventen Bank als "sichere Anlage" verkauft hatte.

Auch andere Kunden, denen nur ein Teil ihres Geld abhanden kam, fühlen sich oft schlecht beraten von Bankangestellten oder Vertretern der Versicherer oder Vertriebsorganisationen. Die Vertrauenskrise trifft nicht nur Banken, Versicherer und Großvertriebe , sondern auch alternative Investmentberater und Beraterinnen, die ihren Schwerpunkt auf umweltfreundlichen Kapitalanlagen haben oder vor allem Frauen betreuen.

Mehr Regulierung

Die Folge: Verbraucherschutz im Finanzmarkt und Vorschriften für die Verkäufer werden im anstehenden Wahlkampf eine große Rolle spielen. Schon jetzt hat sich Verbraucherministerin Ilse Aigner nach vorne gewagt und die ersten Vorschläge für eine viel engere Regulierung der Verkäufer vorgelegt.


© 2009 ftd

Was die Leser sagen

Helmut von Bergen
03.04.2009 | 16:54
Höherer Ertrag bei der Altersvorsorge

Wer bei der Gestaltung seiner Altersvorsorge auf Investmentfonds setzt und mit Beratern schlechte Erfahrungen gemacht hat, sollte seine Fonds künftig über einen Fondsshop kaufen bzw. sein bestehendes Depot dort hin übertragen. Bis zur Auflösung des Depots im Alter, kann der Anleger so mehrere Tausend Euro einsparen. Als anlegerfreundlichster Fondsshop hat laut fondsshop-vergleich.de der Anbieter profinance-direkt.de abgeschniten.

(Kommentare 1-1 von 1)

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Quelle: FMH-Finanzberatung
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