Das Paradies ist auf der Landkarte gar nicht so schwer zu finden: Es liegt ziemlich weit im Norden. Während die meisten europäischen Länder unter der Schuldenkrise ächzen und vor weiteren Herabstufungen durch Ratingagenturen zittern, stehen die nordeuropäischen Staaten überwiegend gut da. Sie haben vergleichsweise geringe Schulden, Norwegen und Schweden erwirtschafteten zuletzt sogar einen Haushaltsüberschuss. Von der Krise des Euro bleiben die nordischen Länder weitgehend unberührt, mit Ausnahme von Finnland gehören sie nämlich nicht zur Währungsunion.
Kein Wunder also, dass Anleihekäufer zurzeit in nordische Staatsanleihen flüchten. Vor allem norwegische Papiere sind gefragt. Die Kurse norwegischer Staatsanleihen sind zuletzt so stark gestiegen, dass die Renditen den tiefsten Stand seit zwei Dekaden erreicht haben.
Auf der Aktienseite sieht es längst nicht so rosig aus - trotz des starken wirtschaftlichen Umfelds: Der Aktienindex MSCI Nordic Countries ist im vergangenen Jahr um rund 15 Prozent gefallen und hat seitdem erst knapp die Hälfte dieses Verlusts wieder wettmachen können. Auch Aktienfonds, die in Nordeuropa investieren, machten zuletzt keine gute Figur. Im vergangenen Jahr lagen die für deutsche Privatanleger erhältlichen Aktienfonds im Schnitt 20 Prozent im Minus, zeigen Zahlen der Fondsratingagentur Morningstar. Damit entwickelten sie sich sogar noch schlechter als breit diversifizierte Europa-Fonds, die im selben Zeitraum durchschnittlich elf Prozent verloren.
Nordische Staatsanleihen mögen ein sicheres Investment sein - Aktien aus Nordeuropa sind es nicht. "Der nordeuropäische Aktienmarkt kann schnell von einer sehr guten in eine sehr schlechte Phase wechseln. Wenn sich die globale Konjunktur verschlechtert, macht sich das in Nordeuropa bemerkbar", sagt Bertrand Puiffe, Manager eines Nordeuropa-Fonds bei der Investmentgesellschaft Fidelity. Die meisten nordeuropäischen Unternehmen sind nämlich stark exportorientiert und so zumindest mittelbar von der Euro-Krise betroffen. "Die Exportwirtschaft hat 2011 unter der Konjunktureintrübung in den Schwellenländern gelitten", sagt Puiffe.
Der Fidelity-Fondsmanager sucht vor allem nach Unternehmen, deren Potenzial der Markt unterschätzt. Das können Firmen sein, die nach Verlusten in die Gewinnzone zurückgekehrt sind oder sich in einer speziellen Situation - etwa nach einem Übernahmeangebot - befinden. Aber auch Konzerne, die eine schlechte Kommunikationspolitik betreiben und damit kaum im Fokus anderer Fondsgesellschaften stehen, sind für die Fidelity-Manager interessant. Zu den größten Positionen im Fonds zählen derzeit das schwedische Gesundheitsvorsorgeunternehmen Getinge, der schwedisch-amerikanische Automobilzulieferer Autoliv und der norwegische Medienkonzern Schibsted.






















