Frage an den Autor Tobias Aigner: Welche Einstellungen bei der
MACD Methode sind notwendig:12/26/9 und wöchentliche Frequenz
oder andere Trigger Einstellungen?
Wer sein Geld in Aktien anlegen will, kann es sich einfach machen. Er muss sich nicht beschäftigen mit Umsatz- und Gewinnerwartungen, Branchenentwicklungen, BIPs, nicht mit den Prognosen der Cracks. Ein Arjun Murti, Ölguru bei Goldman Sachs, der im Mai 2008 einen Anstieg des Ölpreises auf 200 Dollar prognostizierte; ein Ben Bernanke, Chef der Fed, der noch im Februar 2008 "bei den großen Banken keine Probleme" sah – keiner kann den Markt besser einschätzen als die Profis, keiner liegt trotzdem regelmäßig so daneben.
Man kann es sich einfach machen. "Wer an der Börse erfolgreich sein will, braucht einen langfristigen Plan", sagt Markus Bilger, Wertpapierexperte bei der HypoVereinsbank. Diesen Plan liefern mechanische Börsenstrategien, die feste Regeln für das Investment vorschreiben, die exakt bestimmen, zu welchem Zeitpunkt welche Aktien zu kaufen oder verkaufen sind.
13,1 %* Sell-in-Summer-Strategie
Jeden Sommer das große Zittern. Die Aktionäre müssen Kursverluste fürchten. Ben Jacobsen, Finanzprofessor der Massey-Universität in Neuseeland, hat das Auf und Ab an 37 Börsen untersucht. Schwacher Sommer, starker Winter: Das Muster tritt fast rund um die Welt auf, in England seit 1694. Dafür gibt es Erklärungen: Fondsmanager investieren im Winter mehr Kapital; im Frühjahr sorgen Konzerne mit Bilanzen und Dividenden für Fantasie; in der Urlaubszeit dämpfen dünne Börsenumsätze die Euphorie. Auch in Deutschland knicken die Kurse oft im Sommer ein. In 22 Jahren fiel der Dax im Schnitt nur im August und September ins Minus (siehe Grafik). Daraus leitet sich die Sell-in-Summer-Strategie ab: Jedes Jahr am 1. Oktober kauft der Investor einen Dax-ETF, einen Indexfonds, der exakt die Kursentwicklung des Dax abbildet. Am 31. Juli des Folgejahrs stößt er das Papier ab und hält für zwei Monate Cash. Gut 13 Prozent Rendite pro Jahr warf die Methode seit 1989 ab, mehr als jede andere im Test. Der Dax schaffte nicht mal die Hälfte, bei weit höherem Risiko. Häufig schützte die Strategie vor Verlusten. Natürlich ging die Rechnung nicht immer auf. Von 2004 bis 2007 hinkte die Methode dem Dax hinterher. Kritiker wenden zudem ein, niemand wisse, ob die Kurse auch künftig im Sommer fallen. Jacobsen lässt das kalt: "Ich investiere seit Anfang der 90er nach saisonalen Mustern. Damals wusste ich auch nicht, ob die Regeln weiter gelten." Fazit: Die stärkste Rendite im Test. Das moderate Risiko und der geringe Aufwand überzeugen ebenfalls. |
13,1 %* Top-Flop-Strategie
Die Top-Flop-Methode nutzt das Verhalten der Profis aus. Im ersten Halbjahr gehen die Fondsmanager mehr Risiken ein, weil der Jahresabschluss noch in weiter Ferne liegt. Im zweiten Halbjahr bevorzugen sie Aktien, die schon gut gelaufen sind, um ihre Jahresbilanz aufzupolieren. Die Top-Flop-Strategie vereint beide Ideen: Sie setzt abwechselnd auf die Verlierer und Sieger der Vergangenheit. Dazu steckt der Anleger am 1. Januar sein Geld in die fünf schwächsten Dax-Aktien des Vorjahrs. Am 1. Juli schichtet er das Depot um und kauft die fünf Titel, deren Kurse im ersten Halbjahr am stärksten gestiegen sind (aktuelles Portfolio in der Tabelle). Seit 1989 kassierten Anleger so einen Gewinn von 13 Prozent jährlich. Der Dax brachte gerade mal die Hälfte und weist auch noch ein leicht höheres Risiko auf. Den üppigen Gewinn von 31 Prozent im ersten Halbjahr 2009 verdankt die Strategie der Infineon-Aktie. Ein Sondereffekt, weil der Titel zwischenzeitlich zum Pennystock schrumpfte und danach stark nach oben schoss. Wem das Umschichten zu lästig ist, der kann die Strategie bequem umsetzen: mit dem Best-Strategy-Select-Zertifikat (ISIN DE 000 788278 9) von der Commerzbank. Fazit: Die Rendite überzeugt, das Risiko ist noch vertretbar. Der Aufwand ist allerdings hoch und die Idee erklärungsbedürftig.
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11,2 %* MACD-Strategie
Sie ist ein Überflieger. Keine andere Methode schafft über so lange Zeit ein derart hervorragendes Risiko-Rendite-Verhältnis. Mit gut elf Prozent Gewinn pro Jahr übertrumpft die MACD-Strategie den Dax deutlich und landet auf Platz drei im Test. Konkurrenzlos an der Spitze rangiert sie beim Risiko. Seit 1989 verbuchte sie nur in sechs Jahren einen Verlust. Und das höchste Minus betrug gerade einmal zwölf Prozent und fiel im schwarzen Börsenjahr 2008 an. Zum Vergleich: Der Dax krachte vergangenes Jahr um 40 Prozent nach unten. In Bärenmärkten spielt die Timing-Strategie also ihre ganze Stärke aus. Damit ist sie nicht nur für konservative Investoren ein Juwel. Ihren Erfolg verdankt sie dem Indikator MACD, einem Instrument der Technischen Analyse namens Moving Average Convergence Divergence. Berechnet aus historischen Durchschnittskursen hilft er, Börsentrends zu erkennen. Der MACD setzt sich aus zwei Linien zusammen, der MACD- und der Signallinie (s. Grafik). Die Schnittpunkte signalisieren die Ein- und Ausstiegszeitpunkte beim Dax. Der Investor kann den Indikator mit einem Chartanalyseprogramm verfolgen. Für die Strategie ist der MACD auf Wochenbasis entscheidend. Das heißt, der Anleger muss den Indikator wöchentlich auf Signale überprüfen. Was eine gewisse Wachsamkeit erfordert. Bequeme Alternative ist das Zertifikat Best Strategy Timing (ISIN DE 000 788277 1) der Commerzbank. Es baut die Strategie fast eins zu eins nach. Fazit: Überragendes Rendite-Risiko-Verhältnis. Einziges Manko ist die wöchentliche Prüfung. Insgesamt die attraktivste Strategie im Test. Bestnote!
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10,8 %* Growth-Strategie
Wachstum über alles. Klares Motto, klare Strategie. Die Idee: auf Unternehmen setzen, deren Geschäft dauerhaft zulegt. Jährlich wählen Anleger aus dem Dax die fünf Werte mit dem höchsten Umsatzplus im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr und investieren in jedes Papier den gleichen Betrag. Fast elf Prozent Rendite brachte der Ansatz. Ein gutes Ergebnis, das allerdings teuer erkauft ist. Der Ansatz hat das zweithöchste Verlustrisiko im Test. Sogar eine einfache Dax-Anlage bietet mehr Sicherheit. Entsprechend holprig steuerte das Growth-Depot durch die Finanzkrise. Es verlor seit Anfang 2008 fast 50 Prozent und rutschte damit noch tiefer ins Minus als der Index. Zu empfehlen ist die Strategie nur für risikofreudige Investoren, die auch mal einen herben Rückschlag verkraften können. Reinrassige Wachstumswerte sind im Dax Mangelware. Im Portfolio mischen sich daher meist defensive Aktien wie aktuell Eon oder die Deutsche Telekom mit zyklischen Wer-ten wie ThyssenKrupp (siehe Tabelle). Mit dem jährlichen Umschichtungstermin und der einfachen Kennzahl für die Aktienauswahl sammelt die Strategie Pluspunkte. Fazit: Hohe Rendite, hohes Risiko. Nur spekulative Naturen werden an dieser Kombination ihre Freude haben.
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10,7 %* 200-Tage-Linie-Strategie
Rezession und Lehman-Pleite: An der 200-Tage-Linie-Strategie prallten die Hiobsbotschaften der vergangenen Monate ab. Seit Anfang 2008 minderte sie das Vermögen des Anlegers um nicht mal neun Prozent. In Zeiten, in denen der Dax um mehr als 40 Prozent nach unten plumpste, ist das spitze – selbst für die allgemein risikoarmen Timing-Strategien. Fazit: Das Rendite-Risiko-Profil ist stark. Doch der hohe Aufwand schreckt ab. Die ähnlich gestrickte MACD-Strategie ist die bessere Wahl.
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10,5 %* Value-Growth-Strategie
Substanz oder Wachstum? Dem ewigen Börsianerstreit um den besseren Investmentstil begegnet die Value-Growth-Strategie mit einer gesunden Mischung: Der Anleger wählt im jährlichen Turnus je drei Value- und Growth-Titel aus dem Dax. Die Substanztitel erhält er, indem er die fünf Aktien mit dem niedrigsten Kurs-Gewinn-Verhältnis herausfiltert. Davon kauft er die drei mit der höchsten Dividendenrendite. Um die Wachstumswerte zu identifizieren, sucht er die fünf Aktien mit dem höchsten prozentualen Umsatzplus im zuletzt veröffentlichten Geschäftsjahr aus. Von ihnen ordert er die drei mit dem höchtsten Gewinnwachstum (aktuelles Depot s. Tabelle). Im Schnitt wirft die Strategie eine Rendite von 10,5 Prozent pro Jahr ab. Dabei ist das Verlustrisiko etwas geringer als beim Dax. Einziger Schönheitsfehler: Der Anleger muss bei der Aktienauswahl mit vier Kennzahlen hantieren. Fazit: Die Mischung macht’s: Die Value-Growth-Strategie ist risikoärmer als die Growth-Strategie. Dabei fällt die Rendite kaum geringer aus.
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9,5 %* Top-5-Strategie
The trend is your friend. Auf diese alte Börsenregel stützt sich die Top-5-Strategie. Jedes Jahr nehmen Anleger die fünf Aktien ins Portfolio, die in den vergangenen zwölf Monaten am stärksten gestiegen sind. Der Grundgedanke: Gute Konzernmanager halten ein Unternehmen langfristig auf Erfolgskurs. Schlecht gefahren sind Anleger mit der Strategie nicht. Mit einer Rendite von 9,5 Prozent pro Jahr überflügelte sie den Dax immer noch um gut drei Prozentpunkte. Dabei schwankte der Depotwert weniger stark als beim Index-Investment. Auch die Einbußen in der Finanzkrise blieben vertretbar: Gut ein Viertel ihres Vermögens verloren Anleger seit Anfang 2008. Zum Vergleich: Der Dax, die Dividendenstrategien, die Growth- und die Value-Growth-Strategie vernichteten in der Zeit alle mehr als 40 Prozent des eingesetzten Kapitals. Fazit: Rendite und Risiko sind ausgewogen. Letztlich bleibt die Strategie aber Mittelmaß. Für jeden Anlegertyp gibt es bessere Alternativen.
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9,3 %* Flop-5-Strategie
"Fallen Angels", Aktien, die zu Unrecht verprügelt wurden, sind die Favoriten der Flop-5-Strategie. Dabei kaufen Anleger zu Jahresbeginn die fünf Werte aus dem Dax, die im Vorjahr am stärksten unter die Räder kamen. Die Strategie schafft eine Rendite von gut neun Prozent, was noch ganz passabel aussieht. Großes Manko ist aber das horrende Verlustrisiko. Allein 2002 sackte der Depotwert um mehr als die Hälfte ab. Da brauchen Anleger Nerven wie Drahtseile. Auch das Topergebnis im ersten Halbjahr 2009 kann über diesen Mangel nicht hinwegtäuschen: Im aktuellen Portfolio finden sich Dax-Absteiger Postbank und Dax-Rückkehrer Infineon (s. Tabelle). Ihre extremen Kursschwankungen sorgten für die starke Entwicklung. Und für einen heftigen Adrenalinschub. Fazit: Passable Rendite trifft auf hohes Risiko. Nur waschechte Hasardeure setzen auf die gefallenen Engel.
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9,2 %* Stop-Loss-Strategie
Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen. Den Spruch kennt fast jeder Investor. Trotzdem handeln nur wenige danach. Zu groß ist der Schmerz, einen Verlust zu realisieren. Deshalb halten Anleger ewig an ihren Depotnieten fest. Abhilfe schafft die Stop-Loss-Strategie. Zu Jahresbeginn kauft der Investor einen Dax-ETF. Gleichzeitig gibt er eine Stop-Loss-Order auf, zehn Prozent unter dem Einstandskurs. Wird das Papier ausgestoppt, steigt er am nächsten Neujahrstag wieder in den Index ein. Zurück auf Los. Im anderen Fall setzt er den Stopp zu Jahresbeginn ausgehend von dem neuen Niveau wieder auf zehn Prozent. Fazit: Einfach, nervenschonend und kostensparend: eine äußerst reizvolle Kombination. Auch wenn die Rendite nur befriedigend ist.
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9,1 %* Top-12-Dividenden-Strategie
Vor mehr als 70 Jahren erkannte Börsenaltmeister Benjamin Graham, wie wichtig die Dividende bei der Auswahl von Aktien ist. Hohe Ausschüttung, gesundes Unternehmen, so lautete vereinfacht sein Ansatz. In den 90er-Jahren entwickelte der US-Vermögensverwalter Michael O‘Higgins daraus eine Dividendenstrategie, die schnell zum Renner in den Börsensälen wurde: die "Dogs of the Dow" (siehe rechts). Die Top-12-Methode ist eine Weiterentwicklung dieses Ansatzes. Dabei fischt der Anleger alle sechs Monate die zwölf Aktien mit der höchsten Dividendenrendite aus dem Dax. Immerhin neun Prozent Gewinn pro Jahr brachte das. Das Risiko lag allerdings leicht über dem Dax-Niveau. So machten die Dividendenkönige zum Beispiel in der Finanzkrise etwas höhere Verluste als das Börsenbarometer. Fazit: Mittelmäßiges Ergebnis. Das Rendite-Risiko-Verhältnis scheint in Ordnung. Wenig komfortabel ist das zweimalige Umschichten pro Jahr.
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8,3 %* O’Higgins-Strategie
"Small Dogs of the Dow" wird sie in den USA genannt. Die O’Higgins-Methode gehört zu den populärsten Auswahlstrategien. Der Ansatz ist einfach: Anleger filtern zu Jahresbeginn die zehn Aktien mit der höchsten Dividendenrendite aus dem Dax. Die fünf mit dem niedrigsten Kurs gehen ins Depot. Die Tabelle zeigt das aktuelle Portfolio. Die jährliche Rendite von gut acht Prozent ist gerade noch ausreichend. Das Risiko gleicht dem eines Dax-Investments. Bei Aufwand und Kosten punktet die Strategie. Knackpunkt: Die Auswahl der Titel nach ihrer Kurshöhe ist nicht plausibel. Eine Aktie, die drei Euro kostet, ist nicht automatisch günstiger bewertet oder attraktiver als ein Papier für 30 Euro. Fazit: Magere Rendite und dubioses Auswahlverfahren. Die O’Higgins-Strategie ist nicht zu empfehlen.
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| * durchschnittliche Rendite pro Jahr seit 1.1.1989 |
Capital hat zusammen mit der HypoVereinsbank elf bekannte Methoden für den deutschen Aktienmarkt über 20 Jahre getestet, Rendite und Risiko bewertet. Ergebnis: Alle elf Methoden schlagen den Dax. Die meisten liefern, auch wenn sie in einzelnen Jahren mal massiv ins Minus führen, über den gesamten Zeitraum gerechnet im Schnitt ein Plus von gut zehn Prozent im Jahr. Das schwächste Ergebnis ist 8,3 Prozent – immer noch zwei Punkte über dem Dax.
Die Siegerformel: Sell in Summer. Damit schaffte man durchschnittlich 13,1 Prozent Gewinn, mehr als doppelt so viel wie der Börsenindex. Bei der Strategie kauft der Anleger jedes Jahr am 1. Oktober einen Dax-Indexfonds (ETF). Am 31. Juli des Folgejahrs stößt er das Papier wieder ab und bleibt der Börse für zwei Monate fern. Simpler Ansatz, große Wirkung: Aus 10.000 Euro wurden in 20 Jahren 133.000 Euro, trotz Asienkrise, Russlandkrise, Internetbaisse und Finanz-krise. Die Deutsche Börse legte 2005 sogar einen Index auf, der die Strategie nachbildet, den DAXplus Seasonal Strategy.
Schwache Börsen im Sommer, starke im Winter, die Aktienmärkte schwanken tatsächlich mit den Jahreszeiten. Ben Jacobsen, Finanzprofessor an der Massey-Universität in Neuseeland, hat die Kurswellen untersucht. Im September brechen die Notierungen danach im Schnitt am stärksten ein. Jacobsen legt sein Geld seit Jahren nach diesen Kursmustern an. "Ich habe fast nie große Verluste gemacht", bilanziert er. "Auch wenn die Leute sagen: Du bist verrückt’ oder Investieren kann nicht so einfach sein’.”
Die Strategien folgen grundsätzlich zwei verschiedenen Ansätzen: Timing oder Aktienauswahl. Vier Timing-Systeme untersuchte der Capital-Test: MACD, 200-Tage-Linie, Stop-Loss und Sell in Summer. Sie verfolgen das Ziel, in Haussen an der Börse investiert zu sein und in Baissen Cash zu halten. Dazu geben sie Kauf- und Verkaufssignale. Bei MACD und 200-Tage-Linie stammen diese von Indikatoren der Technischen Analyse. Bei der Stop-Loss-Methode steigt der Anleger aus, sobald sein Verlust bei zehn Prozent liegt. Vorteil aller vier Methoden: Sie sind leicht umzusetzen; es muss nur ein Dax-ETF gekauft oder verkauft werden.
Welches Potenzial hinter dem Timing-Ansatz steckt, zeigt eine kleine Rechnung: Hätte ein Anleger sein Geld seit 1989 in den Dax gesteckt, wäre sein Vermögen bis heute auf das Dreieinhalbfache gewachsen. Angenommen, er wäre nur jeweils die fünf schlechtesten Börsentage eines Jahres nicht im Index investiert gewesen, hätte er heute das 107-Fache seines Einsatzes. Im Klartext: An ein paar Tagen entscheidet sich an der Börse fast alles. "Den Rest können Sie Urlaub machen, in die Oper gehen oder Solitär spielen", sagt Finanzmathematiker Benoît Mandelbrot. Natürlich gibt es keine Timing-Strategie, die alle wichtigen Tage im Voraus identifiziert. Aber ein paar davon zu erkennen reicht schon, um hohe Gewinne einzufahren.
Hinter den Auswahlstrategien steckt eine andere Idee. Sieben von ihnen haben den Test durchlaufen: die Top-Flop-, die Growth-, die Value-Growth-, die Top-5-, die Flop-5-, die Top-12-Dividenden- und die O‘Higgins-Strategie. Bei ihnen hält der Investor immer Aktien. Um den Dax zu schlagen, filtert er ein- bis zweimal im Jahr attraktive Papiere aus dem Index. Welche das sind, ergeben Kennzahlen wie Dividendenrendite, Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Umsatzwachstum.
Der Schock der US-Hypothekenblase sitzt bei vielen Anlegern noch tief. Um 42 Prozent stürzte der Dax von Anfang 2008 bis Mitte 2009 ab. Wer in dieser Zeit auf Timing-Methoden setzte, schonte Nerven und Kapital. Zwar zogen auch sie ins Minus, aber der Verlust fiel geringer aus. Nur 8,7 Prozent sackte zum Beispiel die 200-Tage-Linie-Strategie ab. MACD und Stop-Loss büßten knapp 20 Prozent ein. Viele Auswahlstrategien litten dagegen ähnlich stark wie der Index.
Auswahlstrategien schwankungsanfälliger
Ohnehin ist es nicht ratsam, nur auf den Gewinn zu achten. Genauso wichtig ist ein geringes Risiko, gemessen an den Wertschwankungen im Depot. In dieser Disziplin haben Timing-Strategien generell die besseren Karten. Das höchste Minus einer Timing-Methode lag bei 35,7 Prozent; 2008 rutschte das Sell-in-Summer-Portfolio so weit ab. Das war die große Ausnahme.
Mehr als zehn Prozent Verlust mussten die Timing-Methoden äußerst selten hinnehmen. Bei der Stop-Loss-Strategie ist ein höheres Minus sogar von vornherein ausgeschlossen.
Ganz anders die Auswahlstrategien. Bei ihnen schrumpft der Depotwert in einem Baissejahr locker mal um 40 Prozent oder mehr. Wettmachen können die Stockpicking-Ansätze den Makel in Bullenmärkten. Dann werfen sie oft überdurchschnittliche Renditen ab. Wie 1993, als das Flop-5- und das Growth-Depot um mehr als 60 Prozent zulegten.
An solche Gewinne kommen viele Fondsverwalter kaum ran. "Nur 20 bis 30 Prozent der Fondsmanager am deutschen Aktienmarkt schlagen auf Dauer den Vergleichsindex", sagt Christian Michel von der Fondsrating-Agentur Feri. Und das, obwohl die Investmentprofis jederzeit Aktien abstoßen oder einsteigen können, etwa wenn die EZB die Zinsen senkt.

Was die Leser sagen
Die Begründung pro Stopp-Loss ist auch die Begründung, warum es nichts bringt. So wie das Nicht-investiert-sein an den schlechtesten Tagen Verluste verhindert, so verhindert dan Nicht-investiert sein an den besten Tagen Gewinne. Insofern bringt das nicht am Markt sein so viel wie man dabei versäumt.
Genauso ist erwiesen, dass Growth-Strategien überwiegend schlechter abschneiden. Und Value-Growth ist wie Vollgas fahren und dabei voll auf der Bremse stehen.
Von derartigen DAX-getesteten "Strategien" hält man sich besser fern.
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