28.08.2009
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Goldene Regel: Nicht alle Eier in einen Korb. Banal, aber wahr.
Goldene Regel: Nicht alle Eier in einen Korb. Banal, aber wahr.
Foto: Christian Stoll; Picture-Aliance

Asset-Allocation

Die Grenzen der Markowitz-Theorie

von Jochen Mörsch

Selbst die nobelpreisgekrönte Theorie vom breiten Investmentmix schützt nicht mehr vor schweren Verlusten im Depot. In der Finanzkrise brechen alle Anlageklassen immer wieder gleichzeitig ein. Neue Strategien sind gefragt.

So einen Freund hat derzeit wohl jeder: einen, der sich das erste Mal mit seinen Geldan­lagen beschäftigt und sich bei jeder Gelegenheit, man kann es fast schon nicht mehr hören, aufregt, was "mein Banker" mit dem Geld so alles getrieben hat. Man dachte, alles läuft, und dann das. Wie der Mann, der neulich mit seinen Depotunterlagen zwecks Prüfung bei einem Vermögensberater auftauchte und überrascht war zu hören, dass fast sein gesamtes (recht stattliches) Vermögen in Anleihen eines einzigen Unternehmens steckte, und zwar aus­gerechnet in Zertifikaten seiner Hausbank. Der Kunde selbst hatte geglaubt, das Portfolio sei dank seines Private Bankers breit gestreut.

Mal abgesehen davon, dass Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen sind und der Totalverlust droht, wenn die Emis­sionsbank pleitegeht – selbst Anfänger sollten wissen, dass es generell nicht ratsam ist, sein Vermögen in eine einzige Anlage­form zu investieren. Die Grund­regel lautet: Streue das Geld über alle Anlageklassen und mindere so das Risiko. In den vergangenen 50 Jahren konnten Börsianer mit dieser simplen Strategie größere Verluste vermeiden. Doch seit Anfang 2008 scheint diese Regel außer Kraft gesetzt.

Dirk Markus - Aurelius-Vorstandschef

Der 1927 geborene Harry Markowitz beschäftigte sich in seiner Doktorarbeit mit dem Wertpapiermarkt. Sein Ansatz für eine optimale Depotzusammensetzung basiert im Wesentlichen darauf, nicht nur die Ertragsaussichten einer Investition, sondern auch ihre Risiken miteinzubeziehen. Sein Fazit: Um Renditen zu maximieren und Risiken zu minimieren, müssen Investments ausbalanciert werden – oder kurz: Anleger sollten nicht alle Eier in einen Korb legen. Für seine Theorie bekam Markowitz 1990 den Nobelpreis für Ökonomie.

Selbst eine breite Streuung der ­Anlagen hilft nicht immer

Zwischenzeitlich bot selbst eine breite Streuung keinen Schutz mehr vor harschen Verlusten im Depot. Die Finanzkrise, so der Eindruck, hat die fest zementierten Gesetze des Kapitalmarkts aus den Angeln gehoben. Zwischenzeitlich tauchten alle Anlageklassen immer wieder gleichzeitig ab. Das Bittere: Neben Aktien litten selbst Pa­piere, die Banker bis zuletzt als risikofrei angepriesen hatten: Geldmarktfonds, Garantiezertifikate und Immobilienfonds.

Nun stellt sich die Frage, ob Anleger ihr Depot in der heutigen Zeit überhaupt noch krisenfest machen können? Und wenn ja, wie? Lohnt es sich, das Geld breit zu streuen, wenn in der Krise ohnehin alle Anlageklassen einbrechen? Lassen sich wenigstens mit alternativen Investments wie Hedge-Fonds noch robuste Portfolios bauen?


Was die Leser sagen

Brendle
04.09.2009 | 12:59
Markowitz

Hallo,
eigentlich müsste eine gesunde Diversifikation selbstverständlich sein.
Doch was geschieht?
Die Sparer setzen alles "auf eine Karte".
Und das noch unterstützt von einigen Maklern und fast allen "Bankberatern".
Dabei gibt es eine uralte deutsche Volksweisheit: "auf vielen Hochzeiten tanzen!"
Im Prinzip ist das die Grundaussage von H. Markowitz.
Bei guter Diversifikation + geringer Korrelation und möglichst auch noch geringer Volatilität kann man wesentlich größere Anlagerisiken eingehen ohne das Verlustrisiko zu steigern. Ja, man kann dann sogar von einer höheren Renditeerwartungen sprechen.
Brendle

(Kommentare 1-1 von 1)

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