Sehr geehrte Damen und Herren,
Sie empfehlen, bei höheren Dispo-Zinsen über einen Bankwechsel nachzudenken. Dies kann ich nicht nachvollziehen. Meine Bank
verlangt seit 20.2.2009 12,85 %, vorher über 14 %. Doch das berührt mich nicht. Denn ich habe unabhängig davon bei einer Direkt-Bank einen Abrufkredit. den ich jederzeit in Anspruch nehmen kann. Der Zinssatz seit 1.1.2009 beträgt 7,49 % p.a. Ein umständlicher Bankwechsel ist aus diesem Grunde nicht erforderlich.
Mit freundlichen Grüssen
Es ist die hohe Schule des Marketings: Man nehme eine Selbstverständlichkeit und preise sie dem Kunden gegenüber als außergewöhnliches Extra an. Am Ende glaubt der Kunde, ein Schnäppchen gemacht zu haben, in Wahrheit aber steht er kaum besser da als vorher. Viele deutsche Banken beherrschen diese Strategie perfekt. Das zeigt ein Blick auf die Entwicklung der Dispozinsen: In einer Untersuchung der unabhängigen Frankfurter Finanzberatung FMH senkten zwar 16 von 54 Banken in den vergangenen vier Monaten die Zinsen für ihre Überziehungskredite. "Das preisen die meisten Institute gegenüber ihren Kunden dann auch als besondere Wohltat an", sagt FMH-Chef Max Herbst.
Doch die vermeintliche Wohltat entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Selbstverständlichkeit: Denn die Institute können sich derzeit zu wesentlich günstigeren Konditionen Geld von der Europäischen Zentralbank (EZB) leihen. Lag der Leitzins noch im Herbst 2008 bei 4,25 Prozent, hat die EZB ihn mittlerweile auf zwei Prozent reduziert. "Wenn die Banken günstiger an Geld kommen, sollte das auch für ihre Kunden gelten", sagt Herbst. "Deswegen ist die große Show, die viele Anbieter um ihre niedrigeren Dispozinsen machen, nicht akzeptabel."
Sie ist noch aus einem zweiten Grunde unangemessen: Herbst und sein Team haben festgestellt, dass zuletzt vor allem jene Institute ihre Dispozinsen senkten, deren Konditionen deutlich über dem Branchendurchschnitt lagen. So verlangen die 16 Banken, die seit Oktober 2008 ihre Überziehungszinsen reduzierten, im Durchschnitt immer noch einen Disposatz von 11,91 Prozent. Die 31 Institute, die seit dem Herbst die Dispozinsen unverändert ließen, berechnen ihren Kunden dagegen im Mittel lediglich 10,96 Prozent. Dass auch hohe Zinssenkungen nicht automatisch auf ein Spitzenangebot schließen lassen, zeigt das Beispiel der Deutschen Bank: Sie verringerte den Dispozins zwar deutlich um insgesamt 1,75 Prozentpunkte. Dennoch stellt sie ihren Kunden immer noch hohe 12,75 Prozent bei der Kontoüberziehung in Rechnung.
Einige Geldhäuser haben trotz des deutlich niedrigeren Leitzinses gar den Mut, ihre Kunden mit höheren Zinssätzen zu belasten. Ganz vorne mit dabei sind die Santander Consumer Bank, die Berliner Sparkasse und die Berliner Volksbank. Alle haben seit Oktober die Zinsen für Überziehungskredite um einen Prozentpunkt erhöht: Bei den Spaniern stiegen sie auf 13,98 Prozent, bei der Volksbank auf 13,5 Prozent, und die Sparkasse verlangt gar 14,5 Prozent – Sätze, die FMH-Chef Herbst für zu teuer hält. "Ein Dispozins von zehn Prozent ist akzeptabel", sagt Herbst. "Wer mehr bezahlt, sollte ernsthaft über einen Bankwechsel nachdenken."
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