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Ausblick

Eine Branche steht am Pranger

Die aktuelle Werbung der Zertifikateemittenten suggeriert noch immer ­eine heile Finanzwelt: Da werden in rosigen ­Worten Wasserinvestments oder Rohstoffpapiere angepriesen.

Dabei stehen bei den Anbietern die Telefone nicht mehr still; ­besorgte Anleger zittern um ihr Geld. Viele Papiere haben nach dem jüngsten Kurssturz wichtige Barrieren unterschritten und massiv an Wert verloren. Und auch die schwächelnde Bonität einiger Emittenten treibt die Investoren um.



Die erfolgsverwöhnte Branche steht nun vor einer enormen Herausforderung. Nach der Pleite von Lehman Brothers sind Zertifikate dieses Anbieters quasi wertlos. Die Existenz weiterer Häuser steht auf dem Spiel. So konnte nur eine Teilverstaatlichung die ­Existenz der Royal Bank of Scotland (RBS) sichern. Die RBS ist die Mutter von ABN ­Amro, einem der wichtigsten Zertifikateanbieter hierzulande. Zudem könnte sich das Rating von Morgan Stanley verschlechtern.

Aber auch die Lehman-Pleite selbst kann mehr Anleger treffen, als bisher gedacht. Grund: Die ehemalige Investmentbank hat auch für andere Institute Zertifikate kons­truiert und dafür hauseigene Derivate verwendet. „Da könnte in den kommenden Monaten eine Bombe hochgehen“, so ein Insider. Die betroffenen Emittenten müss-ten ihre Kunden entschädigen, wollen sie nicht einen kompletten Vertrauensverlust riskieren. Und das könnte manchen Anbieter über die Schmerzgrenze hinaus belasten.

Vor allem bewegt jedoch das Thema Emittentensicherheit die Branche (siehe „Nachgefragt“). Aufatmen können Anleger, die Papiere aus dem Lager der Genossenschaftsbanken sowie Sparkassen gekauft haben. So zum Beispiel Titel der Düsseldorfer WestLB: „Unser Haus gehört zum Einlagensicherungssystem der Sparkassen-Finanzgruppe. Deswegen gibt es kein Emittentenrisiko bei unseren Zertifikaten“, erklärt Marc Pawlak, Zer­tifikateexperte der WestLB.

Auch die Privatbanken denken darüber nach, Zertifikate in eine Art Einlagensicherung einzubeziehen. Damit wären die Titel im Pleitefall geschützt. Aber die Interessen der einzelnen Geldhäuser sind zu verschieden, um an einem Strang zu ziehen: „Diese Lösung hätte viel Charme, aber die Chance zur Umsetzung ist gegenwärtig nicht besonders groß“, sagt Lars Brandau, Geschäfts­führer des Deutschen Derivate Verbandes. Einige Emittenten arbei­ten nun an hauseige­nen Modellen, um die Sicherheit der Papiere zu erhöhen. So plant zum Beispiel DWS Go, das Emittentenrisiko in Zukunft komplett auszuschließen. Und auch Morgan Stanley ent­wickelt ein eigenes Konzept.

Eile ist geboten, das Vertrauen der Anleger ist erschüttert. Nun möchte der Deutsche Derivate Verband in einer Kampagne Anleger und Berater intensiv über Zertifikate und ihre Wirkungsweise aufklären. Das soll die Transparenz der Produkte verbessern. Ob das allein ausreicht, um die Wogen zu glätten, scheint derzeit mehr als fraglich.


13.10.2008
von Dirk Wohleb

© 2008 capital.de


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