Kommen und Seen - Die besten Wohnlagen für Ferienimmobilien am Gardasee

Steigende Arbeitslosigkeit, hohe Staatsverschuldung, Herabstufung von Banken und geringes Wachstum quälen Italien. Und die Prognosen sind düster. Für ­Italien. Aber was scheren düstere Aussichten die Menschen am Gardasee? Der Lago di Garda ist ein eigener Kosmos, dominiert von Zweitwohnsitzen. Die Häuser und Wohnungen hier haben in den vergan­genen zwei Jahrzehnten ihren Wert oft ­vervierfacht. Und genauso leben die Menschen hier. Niemand verzichtet krisenbedingt auf seinen Caffè. Italien am Abgrund? Non fa niente! Hier jedenfalls ist das alles kein Problem.

Diese entspannte Atmosphäre zieht auch Deutsche und Österreicher an den größten See Italiens. Von München oder Innsbruck aus liegt das Wochenendziel dank der Brenner-Autobahn praktisch vor der Haustür.
Die Nachfrage nach Immobilien wird dementsprechend aus Deutschland und Österreich befeuert. Längst kommen die Käufer nicht mehr nur, um ihre Italien-Sehnsucht zu stillen. Viele sind auf der Suche nach einer inflationssicheren Anlage. Nachdem der Markt in den heimischen Gefilden leer gefegt ist, schauen sich die Investoren eben auf der anderen Seite der Alpen um. „Renditeobjekt mit Genussfaktor“ nennt das Bruno Friedl von der Maklerfirma Inres.

Gefragt sind nach wie vor die deutschen Hochburgen am Ostufer wie Garda, Bardolino und Lazise. Die Gegend zeigt sich wertstabil. Im High-Class-Segment kosten Häuser bis zu 5 Mio. Euro. Apartments liegen bei 5500 Euro pro Quadratmeter. Im nördlicheren Malcesine liegen Spitzenobjekte mit 4500 bis 5000 Euro pro Quadratmeter in diesem Jahr auf ­einem konstanten Niveau. Ob eine Wohnung als Spitzenobjekt gehandelt wird, hängt entscheidend vom Seeblick ab. „Das kann 30 bis 50 Prozent des Preises ausmachen“, sagt Richard Wagger von Tyrol Broker.

Anders ist die Lage auf der italie­nischen Seite zu bewerten, die sich zwischen den beiden teuersten Orten des Sees erstreckt – von Sirmione im Süden bis Gardone Riviera am Westufer. Es ist die Welt der italienischen Zweitwohnungsbesitzer. Viele von ihnen sind wohlhabende Unternehmer. Aber auch diese spüren die wirtschaftlichen Probleme Italiens. Banken verleihen kaum noch Geld, und die Geschäfte laufen oft nicht gut. Um flüssig zu bleiben, wird daher immer öfter der Zweitwohnsitz verkauft.

Wer zögert, dem hilft Mario Monti gern bei der Entscheidungsfindung: Der Regierungschef hat kürzlich – Italien braucht Geld – die Immobiliensteuern für Zweitwohnsitze erhöht. Umgehend ist die Zahl der Offerten am Gardasee gestiegen.

Angesichts des limitierten Angebots und der Attraktivität des Ziels ist hier ein echter Crash aber kaum zu erwarten. So mancher Verkäufer musste sich allerdings von allzu optimistischen Vorstellungen verabschieden. „Die Preise am West­ufer dürften um fünf bis zehn Prozent gesunken sein, nur in Einzelfällen sollen es bis zu 20 Prozent sein. Luxusobjekte behaupten sich im Preis“, sagt Winston Sinibaldi vom Maklerbüro Garda Haus.

Nach den Zahlen der Handelskammer von Brescia kosten Spitzenobjekte in Sirmione und Desenzano derzeit 7500 bis 8500 Euro pro Quadratmeter. In den Top­Orten des Westufers wie Gardone Riviera und Gargnano ist mit bis zu 5800 Euro zu rechnen. Bei Manerba oder im Hinterland gibt es allerdings noch Quadrat­meterpreise unter 2000 Euro.

Wenig Spielraum für Preiskorrekturen nach unten ist beim Neubau vorhanden. Bauland ist am See kaum noch verfügbar. Wer baut, muss heute auf den Energieverbrauch von morgen achten. Italien setzt auf höhere Standards. Häuser werden nach Energieklassen von A+ bis G kategorisiert. Derzeit dürfen am Gardasee nur noch Häuser mit den Energieklassen A bis C gebaut werden. Ab 2015 sind nur noch A-Klassen erlaubt. Ein Neubau soll dann keine Energie mehr verbrauchen.
Das ist jedoch ein eher theoretisches Problem, denn derzeit gibt es kaum Neubauprojekte. Die Zukunft liegt eher in der Sanierung der Häuser, von denen viele in den 70er-Jahren errichtet worden sind.

Für Geldanleger versprechen Luxusobjekte in Bestlage die größte Sicherheit. Reale Wertzuwächse sind zurzeit aber nicht drin. Extrem risikoreich ist der Kauf in Lagen, die mehr als fünf Kilo­meter vom Seeufer entfernt liegen. Sie ­entziehen sich den Marktmechanismen des Lago di Garda.
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